ARD-alpha - Kunstraum


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Kunstraum Franz - Schedel - Kolb: Unter Wasser

Cornel Franz, Klaus Schedel und Philipp Kolb wagen eines der ausgefallensten Experimente, das man sich denken kann: Sie realisieren eine Unterwasseroper im Dantebad in München. Ein schier aussichtsloses Unterfangen, das aber allen Widrigkeiten zum Trotz zustande kommt.

Stand: 16.01.2018

Franz-Schedel-Kolb: Unter Wasser | Bild: BR, B.O.A.

Das Publikum muss vor der Aufführung allerdings zunächst einen Taucher-Schnellkurs besuchen…

"Wir haben uns Gedanken darüber gemacht, wie Schall in verschiedenen Stoffen klingt, und sind beim Wasser stehen geblieben. Wasser hat eine unglaubliche Akustik, im Wasser ist der Schall vier Mal so schnell wie in der Luft, man kann ihn im Becken also nicht mehr orten. Daher geht das Gehirn dazu über, den Schall im Kopf selbst zu lokalisieren."

Philipp Kolb

"Das Absenken der Bühne vor der Vorstellung ist ein ganz existenzielles Moment, denn da wird dem Zuschauer ganz direkt die Freiheit zum Atmen geraubt."

Klaus Schedel

"Das Thema Freiheit ist ja keine absolute Größe. Freiheit ist ja immer gesellschaftlich definiert. Freiheit unter Wasser ist erst einmal durch das andere Element, das Wasser eben, definiert. Die Bewegungsfreiheit wird stark eingeschränkt, aber man kann unter Wasser auch wiederum ganz andere Arten von Freiheit entdecken."

Cornel Franz

Lebensläufe der Künstler

Cornel Franz wurde 1946 in Lahr geboren, wuchs in Freiburg im Breisgau auf und studierte nach dem Abitur Germanistik, Theater- und Musikwissenschaft in München und arbeitete anschliessend als freier Regisseur. 1988 wurde er auf den Lehrstuhl des Studiengangs Regie an der Hochschule für Musik und Theater München berufen. Nach der Gründung der Bayerischen Theaterakademie erhält sein Studiengang 1996 mit dem Akademietheater eine feste Bühne. Seit 1993 ist er wieder mit dem Münchner Nationaltheater verbunden, zunächst als künstlerischer Leiter der Experimentierbühne "Labor" und seit 1997 verantwortlich für Konzept und Programm der Reihe "Festspiel+".

Philipp Kolb ist Trompeter im Ensemble Piano Possibile. Sein Jurastudium verfolgte er intensiv bis zum Examen, "aber nur als Hobby, ich wollte wissen, wie das juristische und behördliche Denken funktioniert". In Kombination mit verschiedensten Interessen von Autorestaurierung bis Zirkularatmung entstand ein Wissensstatus, welcher ihn das Trompetespielen allein als zu einseitig erscheinen ließ. "Wenn ich nur Trompete spielen würde, hätte ich das Gefühl, dass mir Input fehlt". So war er auch tätig als Produktionsleiter verschiedenster Kunstprojekte im öffentlichen Raum, Netzwerkbetreuer einer Rechtsanwaltskanzlei, Motorradrestaurateur, Betriebsratsvorsitzender und Krankenpflegehelfer.

Klaus Schedel studierte von 1991 bis 1996 Komposition bei Hans-Jürgen von Bose an der Universität Mozarteum Salzburg und an der Staatlichen Hochschule für Musik und Theater in München. Er gründete 1993 das Münchener Ensemble für Neue Musik piano possibile. Ab 1998 war er in Portugal Dozent für Analyse u. a. am Konservatorium Coimbra. 1999 ließ er sich in London nieder, 2001 führte ihn ein Stipendium des Freistaat Bayern an die Cité Internationale des Arts in Paris, wo er am IRCAM Kurse für Musikelektronik belegte. Aktuell lebt er in München. 1996 und 2003 erhielt er das Musikstipendium und 2005 das Projektstipendium für Neue Medien der Landeshauptstadt München.


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