ARD-alpha - Kulturgeschichten

Wie Alltagskultur unser Leben prägt

Kulturgeschichten Wie Alltagskultur unser Leben prägt

Wohnzimmer | Bild: picture-alliance/dpa

Vom Wohnen bis zur Fortbewegung, von der Arbeit zum Geld: In acht Folgen beschäftigen wir uns mit den verschiedensten Aspekten unserer Alltagskultur, ihrer historischen Entwicklung und mit ihrem Einfluss auf unser Leben.

Die Folgen im Überblick

Wohnen

Zeig mir wie du wohnst und ich sage dir wer du bist. Die Wohnsituation eines Menschen gibt Auskunft über den Status, die Lebensphase, das Selbstbild des Bewohners. Eines ist allen Wohnungen gleich: Ähnlich wie die Kleidung umgibt sie den Menschen hautnah, wird zu seiner zweiten Haut, gibt ihm Schutz, Wärme und Ruhe. Wohnungen beeinflussen das Leben jedes Einzelnen.

Die erste Folge der Reihe "Kulturgeschichten"  reflektiert die Entwicklung des Wohnens. Die Zeitreise führt von den ersten Pfahlbausiedlungen über die Burgen und Städte des Mittelalters, über die ersten Sozialbauten, die ersten Einbauküchen, die Wohnexperimente von Künstlern wie Friedensreich Hundertwasser und Mies van der Rohe, die Betonburgen der Stadtrandsiedlungen bis zu heutigen hypermodernen und nach absolut funktionalen Kriterien entworfenen Single-Wohnung.

Zeit

"Zeit ist Geld", "keine Zeit", "Zeit gewinnen", "Zeit verlieren", "Zeit totschlagen", "Zeit nehmen", "Zeit stehlen", "Zeit schenken": Täglich verwenden wir den Begriff Zeit ohne viel nachzudenken. Was aber ist die Zeit? "Zeit ist das, was man an der Uhr abliest", sagt Albert Einstein.

Ist die Uhr die wichtigste Erfindung des Menschen? Immer mehr bestimmen die Zeiger und Ziffern der Uhr unser tägliches Leben, diktieren Tagesablauf und Produktionsbedingungen, werden zum größten Stressverursacher und Auslöser von Krankheiten.

Die Anstrengungen der Menschen, die Zeit mit immer feineren Methoden immer genauer ablesbar zu machen, dokumentiert die zweite Folge aus der Reihe "Kulturgeschichten". Der Film erzählt die Geschichte der Zeitrechnung und fragt, wie sehr die Zeit unser Leben bestimmt. Er schildert, warum die Weltzeit manchmal angehalten wird, wie es zu Zeitzonen kam, welchen Einfluss die Entstehung von Städten auf die Zeitrechnung hatte, was die Internetzeit ist und wann das ersten Mal die Idee der "Entschleunigung" auftauchte.

Fortbewegung

Weiter, schneller, höher. Ötzi zog noch zu Fuß über die Alpen, der heutige Tourist bucht bereits Plätze für einen Ausflug in den Weltraum. Die Entwicklung der Fortbewegung hat wie kaum eine andere in die Entwicklung der Menschheit eingegriffen und sie beeinflusst. Der Satz des Österreichischen Kabarettisten Helmut Qualtinger "Ich weiß zwar nicht wo ich hin will, dafür bin ich aber schneller dort" ist Ausgangspunkt für eine historische Reise vom Rad bis zur Rakete

Der dritte Teil der Reihe "Kulturgeschichten" zeigt alle Aspekte der Geschichte der Fortbewegung und stellt die Frage, wie sehr der Drang nach Mobilität die Gesellschaft und den Alltag des einzelnen Menschen verändert. Ob Sklavenhandel, Kriege, Vermischung der Kulturen, gegenseitige wirtschaftliche Abhängigkeiten, Beschleunigung des Lebens, der Stauwahnsinn und die Aggressionen auf europäischen Autobahnen oder die "Verkehrs-Anarchie" auf den Straßen der niederländischen Stadt Drachten: Den Zuschauer erwarten 30 Minuten spannende und dem Thema der Sendung entsprechende rasante Informationen.

Lernen

Lernen ist ein Grundbedürfnis des Menschen, geboren aus der Neugierde, notwendig um überleben zu können, notwendig um der Stärkere zu sein. Lernen ist Selbstzweck, lernen kommt aus dem Wunsch, mehr aus sich zu machen, letztendlich aus dem Wunsch, die Welt zu begreifen, sie sich untertan zu machen. Wissen wird zu Macht.

Der vierte Teil der Reihe "Kulturgeschichten" erzählt die Geschichte des Lernens und legt den Schwerpunkt auf die Frage, wie sich das Lernen bzw. die Ausbildung des Einzelnen auf die Entwicklung der Gesellschaft ausgewirkt hat. Er zeigt, wie aus dem ursprünglichen Privileg des "Lernen dürfens" eine Pflicht und schließlich eine Notwendigkeit wird, um im heutigen Konkurrenzkampf mithalten zu können.

Im Zentrum der Sendung steht die Frage, ob wir das Richtige lernen. Wird Wissen gelehrt und gelernt, um den sozialen Status zu erhöhen und wirtschaftlich erfolgreich zu sein, oder stehen wir am Anfang einer Entwicklung, die schon Wilhelm Busch forderte: "Nicht allein in Rechnungssachen, soll der Mensch sich Mühe machen, sondern auch der Weisheit Lehren, muss man mit Vergnügen hören."

Arbeit

Leben wir, um zu arbeiten oder arbeiten wir, um zu leben? Schon immer hat die Arbeit das Selbstverständnis und das Selbstwertgefühl des Menschen geprägt, doch jede Epoche maß ihr eine unterschiedliche Bedeutung bei. Während in der Antike körperliche Arbeit noch als Ausdruck von Abhängigkeit und Unfreiheit galt, markierte die Christianisierung das Ende dieser Entwicklung. Kaufleute und in Zünften organisierte Handwerker sorgten für wirtschaftlichen Aufschwung und Wachstum der Städte. Arbeit wurde zum Kern menschlicher Selbstverwirklichung.

Im Zuge der industriellen Revolution gelten Achtung und Respekt den Maschinen und ihrem Takt, dem sich die Menschen unterordnen müssen. Es entstehen Gewerkschaften, Arbeitslosen- und Rentenversicherung, kurzum unser gesamtes soziales Netz. Heute steht genau dieses auf dem Prüfstand. Vorbei sind lebenslange berufliche Laufbahnen und Bindungen an bestimmte Orte, Aufgaben oder Menschen. Wer arbeiten möchte, muss diesem Ziel seine gesamte Lebensplanung widmen. Ist es unter diesen Bedingungen noch möglich, sich selbst getrennt von seiner Arbeit wertzuschätzen?

Geld

Geld als Zahlungsmittel ist vermutlich mit dem Handel entstanden. Jedoch war es seit jeher mehr als bloß ein Zahlungsmittel und hat unser menschliches Zusammenleben in jeder Epoche vielfach beeinflusst. Am Beginn der Zivilisation steht der Warentausch. Salz, Perlen oder auch Pfeilspitzen dienen als Zwischengut, dessen jeweiliger Tauschwert verhandelt wird. Als um 600 v. Chr. in Griechenland die ersten Münzen auftauchen, verlieren die bisherigen Zahlungsmittel ihre eigentliche Funktion, den direkten Tauschwert. Jetzt ist es ausschließlich der Staat, der die Wertmaßstäbe setzt.

Erste Formen von Papiergeld kommen im 7. Jahrhundert in China auf. Zusammen mit dem Papiergeld entwickelt sich im Europa des 16. Jahrhundert das öffentliche Bankwesen. Damit wird Geld zu einem rein symbolischen Wert, zu einem "Versprechen". Gleichzeitig setzt Geld Maßstäbe weit über den Handel hinaus. Reichtum wird in Geld gemessen, Geld haben wird zum Selbstzweck.

Dass Geld auch Identität stiften kann, zeigt sich in Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg. Für viele West-Deutsche wird die stabile D-Mark zum primären Bezugspunkt ihres Nationalstolzes. Im letzten Drittel des 20. Jahrhunderts machen bargeldlose Kassensysteme das Geld gänzlich unsichtbar und zu einem Synonym von anonymer und undurchsichtiger Herrschaft, deren Macht zu hinterfragen ist.

Medizin

Was macht den Menschen krank und wie kann er geheilt werden? Eine Frage, die sich die Menschheit schon immer gestellt und in jeder Epoche unterschiedlich beantwortet hat.

Von der Vorstellung, dass Krankheit als Strafe der Götter entsteht, über die Anfänge der westlichen Medizin in der griechischen Antike bis zu den immer spezialisierteren Behandlungsmethoden der modernen Apparatemedizin, hinter denen die Seele des Menschen zu verschwinden droht, analysiert diese Folge aus der Reihe "Kulturgeschichten" die Entwicklung der Medizin und zeigt, wie jeder Wissensfortschritt ein Spiegel seiner Zeit ist und uns Menschen zugleich immer wieder ein neues Bild von uns selbst gibt.

Kommunikation

Das Bedürfnis mit seinesgleichen zu kommunizieren ist so alt wie der Mensch selbst. Schnell fanden die Menschen Möglichkeiten, das Erzählen durch Zeichen und Technik zu ersetzen: Von der Erfindung der Schrift über den Buchdruck, das Telefon, den Fernseher zu Internet und Satellit.

Doch auch heute noch, im 21. Jahrhundert, nutzen wir die älteste und ursprünglichste Weise zu kommunizieren: die Sprache des Körper. Mit ihr senden wir vielfältige, bewusste und unbewusste Signale. Kommunikation der Gegenwart bedeutet: Noch nie gab es so viele technische Möglichkeiten wie heute, mit einem anderen Menschen in Verbindung zu treten - und doch wird die persönliche Begegnung nie gänzlich zu ersetzen sein.