ARD-alpha - Klassiker der Weltliteratur


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Klassiker der Weltliteratur Goethe - "Die Leiden des jungen Werther"

Als Lyriker und Dramatiker war Goethe schon in Erscheinung getreten, als er 1774 mit nur 25 Jahren den Roman "Die Leiden des jungen Werther" schrieb. Das Werk festigte seinen Ruf als Stürmer und Dränger, machte ihn in Europa berühmt und löste eine Selbstmordwelle aus.

Stand: 22.10.2017

Manchmal entwickelt ein Roman eine Wucht, die den Leser aus seinem Leben herauskatapultiert und mit einem Schlag alles ändert. Goethes "Werther" hatte diese Wirkung nicht nur unmittelbar nach Erscheinen des Buches. Anderthalb Jahrhunderte später löste der Briefroman in China noch einmal Proteste und eine Selbstmordwelle aus. Gekleidet wie der Rechtspraktikant Werther in gelber Weste und blauer Jacke gingen in Peking die jungen Männer auf die Straße, um dafür zu kämpfen, frei über ihre Liebe entscheiden zu dürfen.

Das Schicksal eines unglücklich Liebenden

Werther verliebt sich in Lotte, kommt ihr bei einem Tanzabend näher. Doch Lotte ist mit Albert verlobt, einem netten Kerl, den Werther sympathisch findet und dem er Lotte nicht wegnehmen will. Also entfernt sich Werther, der glaubt, Lotte ohnehin mit seinen heftigen Gefühlen überfordert zu haben. Er zieht sich an den Hof eines Grafen zurück, doch die hier herrschenden bürgerlichen Verhältnisse gehen Werther bald gehörig auf die Nerven. Er kehrt in das Dorf zurück, in dem er damals Lotte begegnete. Er hofft auf einen Neuanfang, aber Lotte ist inzwischen mit Albert verheiratet. Stürmisch wie eh und je drängt sich Werther in Lottes Leben, kann sich nicht bändigen, küsst die Geliebte und weiß keinen anderen Ausweg als den Tod. Er erschießt sich.

"... Diese Nacht! ich zittere, es zu sagen, hielt ich sie in meinen Armen, fest an meinen Busen gedrückt, und deckte ihren liebeslispelnden Mund mit unendlichen Küssen; mein Auge schwamm in der Trunkenheit des ihrigen! Gott! bin ich strafbar, daß ich auch jetzt noch eine Seligkeit fühle, mir diese glühenden Freuden mit voller Innigkeit zurückzurufen? Lotte! Lotte! - Und mit mir ist es aus! Meine Sinne verwirren sich, schon acht Tage habe ich keine Besinnungskraft mehr, meine Augen sind voll Tränen. Ich bin nirgend wohl, und überall wohl. Ich wünsche nichts, verlange nichts. Mir wäre besser, ich ginge."

(Johann Wolfgang von Goethe: Die Leiden des jungen Werther)

Mit diesem Roman wurde Goethe so sehr zur Galionsfigur des "Sturm und Drang", dass er Mühe hatte, sich aus dieser Rolle wieder herauszuschreiben. Dass ihm das bald gelang, ist hinreichend bekannt. Bis heute hat sich sein "Faust" viel tiefer ins Bewusstsein eingeprägt.


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