ARD-alpha - Klassiker der Weltliteratur


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Klassiker der Weltliteratur Goethes "Faust"

Das Werk, das den meisten Lesern zuerst in den Sinn kommt, wenn Goethes Name fällt, ist "Faust". Die Geschichte des Gelehrten, der für ein rauschhaftes Leben seine Seele dem Teufel verkauft, gehört noch heute zu den einflussreichsten Stoffen der Weltliteratur.

Stand: 18.03.2016

Goethe war besessen vom Theater. Seine Leidenschaft für die Bühne reichte bis zu den Puppentheaterstücken seiner Kindheit zurück. Damals schrieb er seine ersten Stücke im Stil des Rokoko. Später, in seiner Sturm-und-Drang-Phase, versucht er, das Wesentliche der Textgattung in seinen Dramen einzufangen.

Bis er im Alter von 24 Jahren mit "Götz von Berlichingen" das Publikum begeisterte, schrieb er Stücke, mit denen er zwar im Alter nicht mehr assoziiert werden wollte, anhand derer er sich aber das nötige Handwerkszeug für seine großen Theaterarbeiten aneignete.

Ein halbes Jahrhundert für den "Faust"

Goethe studierte die Stücke seiner Vorbilder gründlich, allen voran Shakespeare, und arbeitete selbst meist an mehreren Dramen gleichzeitig. Manche schrieb er innerhalb einer Woche, "Clavigo" zum Beispiel. Am "Faust" allerdings saß er fast 50 Jahre lang. Goethe bricht mit der Einheit von Zeit, Raum und Handlung, fordert die Vorstellungskraft des Publikums heraus, treibt die Schauspieler an ihre Grenzen und verlangt das fast Unmögliche von der Bühnentechnik.

Im "Faust" erzählt er die Geschichte des Gelehrten Heinrich Faust, der an der Wissenschaft verzweifelt und unglücklich ist. Er schließt einen Pakt mit dem Teufel, Mephisto, und tauscht seine Seele gegen die großen Wahrheiten ein, die ihm sein Studium nie offenbaren konnte und das Glück der Liebe. Der verjüngte Faust erlebt mit Mephisto die tollsten Abenteuer, lernt schließlich Gretchen kennen, tötet ihre Mutter und ihren Bruder, schwängert die Geliebte und haut ab. Als Gretchen ihr Neugeborenes ertränkt und dafür gehängt werden soll, erfährt Faust davon, bekommt ein schlechtes Gewissen und will sie retten. Hier endet der erste Teil der Tragödie.

"Margarete:
Nun sag, wie hast du's mit der Religion?
Du bist ein herzlich guter Mann,
Allein ich glaub, du hältst nicht viel davon.

Faust:
Laß das, mein Kind! Du fühlst, ich bin dir gut;
Für meine Lieben ließ' ich Leib und Blut,
Will niemand sein Gefühl und seine Kirche rauben.

Margarete:
Das ist nicht recht, man muß dran glauben.

Faust:
Muß man?

Margarete:
Ach! wenn ich etwas auf dich konnte!
Du ehrst auch nicht die heil'gen Sakramente.

Faust:
Ich ehre sie.

Margarete:
Doch ohne Verlangen.
Zur Messe, zur Beichte bist du lange nicht gegangen.
Glaubst du an Gott?

Faust:
Mein Liebchen, wer darf sagen:
Ich glaub an Gott?
Magst Priester oder Weise fragen,
Und ihre Antwort scheint nur Spott
Über den Frager zu sein.

Margarete:
So glaubst du nicht?"

(Johann Wolfgang von Goethe: Faust I)


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