ARD-alpha - Klassiker der Weltliteratur


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Klassiker der Weltliteratur Homers "Ilias" und "Odyssee"

Liebe, Verrat, Rache, Krieg und göttliches Schicksal - klingt nach großem Kino. Tatsächlich bauen auf diesen Motiven die ersten Versepen der europäischen Literaturgeschichte auf, in denen Homer vom trojanischen Krieg und der Heimkehr des Odysseus erzählt.

Stand: 16.10.2017 | Archiv

Tilman Spengler führt durch die Literaturgeschichte. | Bild: Honorarfrei lediglich für Ankündigungen und Veröffentlichungen im Zusammenhang mit obiger BR-Sendung bei Nennung: Bild: BR/Foto Sessner. Die Nutzung im Social Media-Bereich sowie inhaltlich andere Verwendungen nur nach vorheriger schriftlicher Vereinbarung mit dem BR-Bildmanagement, Tel. 089 / 5900 10580, Fax 089 / 5900 10585, Mail Bildmanagement@br.de

Er gilt als der erste Dichter des Abendlandes: Homer. Über ihn persönlich weiß man fast nichts, und das fördert bekanntlich die Mythenbildung. Wissenschaftler streiten nicht nur über den Namen des Dichters. Homer könne ursprünglich auch Melesigenes geheißen haben, sagen einige, da er möglicherweise am Fluss Meles zur Welt kam. Fast jede griechische Stadt, die etwas auf sich hält, hat sich schon als Geburtsort des Homer bezeichnet, und das lange bevor die Touristen kamen.

Mythos Homer

Mythen ranken sich auch um Homers Vater, den manche für einen Unbekannten halten, andere für einen Gott. Homer soll blind auf die Welt gekommen sein - auch diese Legende lässt sich nicht belegen. Dass Homer das Leben am Hofe kannte, weil er adlig war, kann als einigermaßen gesichert angesehen werden. Seine Epen "Ilias" und "Odyssee" bilden das Fundament unserer abendländischen Erzählkunst. Vermutlich sind sie im 8. Jahrhundert vor Christus entstanden - ob sie alle beide auf Homer zurückgehen, ist genauso umstritten wie der Entstehungszeitraum. Doch solange das Gegenteil nicht bewiesen ist, schreibt man beide Versepen Homer zu.

"Ilias" - der trojanische Krieg

In der "Ilias" schildert Homer den Krieg um Troja. Die Griechen besetzen die Stadt und wollen Rache für die schöne Helena. Die hatte Paris, der Sohn des trojanischen Königs Priamus, entführt und damit den Zorn des Griechenkönigs Agamemnon heraufbeschworen, der seine besten Krieger mobilisiert, um seine Gemahlin zurückzuholen. Die Götter, ganz menschlich-parteiisch, mischen sich immer wieder ein und beeinflussen das Kriegsgeschehen. Schließlich triumphieren die Griechen dank der List des Odysseus, sich mit anderen Kriegern in einem hölzernen Pferd zu verstecken, das sie den Trojanern als Geschenk zurücklassen. So gelangen sie in die Stadt und überfallen sie in der Nacht. Troja ist geschlagen und geht würdevoll unter.

"Odyssee" - die lange Heimfahrt nach Ithaka

Odysseus will nach dem Krieg nach Ithaka zurückkehren. Homer erzählt in der "Odyssee" von der zehn Jahre dauernden Heimreise des griechischen Helden. Denn Odysseus, der "Listenreiche", hat es sich mit dem Gott der Meere verscherzt. Poseidon reißt seine Flotte auseinander, lässt Stürme toben und den Griechen in fremde Länder und gefährliche Situationen geraten - bis sich schließlich die Göttin Pallas Athene einmischt und Poseidon beruhigt. Odysseus kehrt heim. Doch bevor er sich seiner Frau Penelope zu erkennen geben kann, muss er erst die 88 Freier, die sein Haus belagern, in die Unterwelt schicken.

"Wach auf, Penelopeia, geliebte Tochter, und schau es
Selber mit Augen, worauf du so lange geharret: Odysseus
Ist gekommen, Odysseus! und wieder zu Hause, nun endlich!
Und hat alle Freier getötet, die hier im Palaste
Trotzten, sein Gut verschlangen, und seinen Telemachos höhnten!
Ihr antwortete drauf die kluge Penelopeia:
Liebe Mutter, dich haben die Götter betöret, die oftmal
Selbst die verständigsten Menschen in Unverständige wandeln,
Und Einfältige oft mit hoher Weisheit erleuchten!
Diese verrückten gewiß auch deine richtigen Sinne!"

(Homer: Odyssee, 23. Gesang. Übersetzung: Johann Heinrich Voß)


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