ARD-alpha - Klassiker der Weltliteratur


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Klassiker der Weltliteratur Hermann Hesse - "Siddhartha"

Hermann Hesse war zeitlebens ein Publikumsliebling und stand vielleicht deshalb bei der Literaturkritik in keinem hohen Ansehen - obwohl er 1946 den Literaturnobelpreis erhielt. "Siddhartha" zählt zu seinen beliebtesten Romanen.

Stand: 12.07.2016

Hermann Hesse | Bild: picture-alliance/dpa

Als 1904 "Peter Camenzind" erscheint, ist Hermann Hesse 27 Jahre alt. Der Roman ist so erfolgreich, dass Hesse fortan als freier Schriftsteller arbeiten kann. Bis dahin hadert er immer wieder mit seinem Leben. 1877 kommt er in Calw zur Welt. Er wächst in einer Familie protestantischer Missionare auf, auch Hesse soll Geistlicher werden - will er aber nicht. Er fühlt sich an den entsprechenden Schulen nicht wohl, reißt aus, will sich umbringen. Die Eltern stecken ihn in eine Nervenheilanstalt.

Schreibend freiliegende Nerven treffen

Hesse entgeht schließlich der Pflicht, in die Fußstapfen seiner Väter treten zu müssen und wird Buchhändler. Lesen und Schreiben - das kann er und das will er. Er geht seinen eigenen Weg auf Kosten der Beziehung zu seinen Eltern. Was er schreibt, handelt von unverstandenen Söhnen, unglücklicher Liebe, Angst zu versagen und der Suche nach Selbstverwirklichung. Hesse trifft damit einen Nerv, die Leser lieben seine Bücher.

Siddhartha - der lange Weg zur Erleuchtung

1922 veröffentlicht er "Siddhartha. Eine indische Dichtung", eine literarische Kritik an den missionarischen Ambitionen seiner Vorfahren. Die beiden jungen Männer Siddhartha und sein Freund Govinda treffen auf der Suche nach Erleuchtung den Buddha Gautama. Während Govinda beschließt, bei Gautama zu bleiben, um mit seiner Hilfe weiterzukommen, erkennt Siddhartha, dass es keine Lehre gibt, dass er Erleuchtung nur erlangen kann, indem er lebt und Erfahrung sammelt. Das tut er - er stürzt sich in ein Leben voll Sinnesfreuden und Luxus, bis ihm bewusst wird, dass er den falschen Weg geht. Er lässt sein genussreiches Leben hinter sich und trifft Govinda wieder. Schließlich führt seine Wanderung ihn mit seinem Sohn zusammen, den er nun glaubt, erziehen zu müssen. Dass "Erziehung" das falsche Mittel ist, sieht er zu spät.

"Süß klang die Sage vom Buddha, Zauber duftete aus diesen Berichten.

Krank war ja die Welt, schwer zu ertragen war das Leben - und siehe, hier schien eine Quelle zu springen, hier schien ein Botenruf zu tönen, trostvoll, mild, edler Versprechungen voll. Überall, wohin das Gerücht vom Buddha erscholl, überall in den Ländern Indiens horchten die Jünglinge auf, fühlten Sehnsucht, fühlten Hoffnung, und unter den Brahmanensöhnen der Städte und Dörfer war jeder Pilger und Fremdling willkommen, wenn er Kunde von ihm, dem Erhabenen, dem Sakyamuni, brachte.

Auch zu den Samanas im Walde, auch zu Siddhartha, auch zu Govinda war die Sage gedrungen, langsam, in Tropfen, jeder Tropfen schwer von Hoffnung, jeder Tropfen schwer von Zweifel."

(Hermann Hesse: Siddhartha)


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