ARD-alpha - Klassiker der Weltliteratur


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Klassiker der Weltliteratur Henry Fielding, der große Humorist

Er war in England bekannt wie ein bunter Hund, und das nicht nur wegen seiner außergewöhnlichen Nase. Henry Fielding schrieb mit bissigem Humor und attackierte seine Kollegen mit satirischen Gegenschriften, die ins Schwarze trafen. Als sein gelungenster Streich gilt "Tom Jones".

Stand: 21.05.2017

In den Grundzügen ähnelt Fieldings Lebenslauf dem vieler anderer Söhne aus gutem Hause in England, wo Fielding 1707 zur Welt kommt. Sein Vater schickt ihn nach Eton und dann nach Holland, wo er Jura studieren soll. Doch der Sohn probiert lieber ganz was anderes aus. Er will mit einer Frau durchbrennen, was nur daran scheitert, dass ihr das zu abenteuerlich ist. Also stürzt sich Fielding in ein neues Leben und landet auf seiner Suche nach sinnlicher Erfüllung schließlich am Theater.

Hier hört die Ähnlichkeit zu den anderen Lebensläufen auf: Fielding sitzt nicht nur im Zuschauerraum, er schreibt auch Stücke - Komödien und Farcen. Von Anfang an fährt er dabei den Politikern an den Karren, immer wieder, bis der Premierminister ein Aufführungsverbot erlässt und die Zensur verschärft.

"Ehe wir weiter fortfahren, lieber Leser, halte ich es für gerathen, Dich darauf aufmerksam zu machen, daß ich im ganzen Verlaufe dieser Geschichte so oft abzuschweifen gedenke, als ich eine Gelegenheit dazu sehe, was ich besser zu beurtheilen weiß, als irgend ein Kritiker."

(Henry Fielding: Die Geschichte des Tom Jones, eines Flindlings. Übersetzt von August Diezmann)

Wer zuletzt lacht, ist Fielding

Fielding ist 30, hat es sich mit der Obrigkeit verscherzt und muss nun zusehen, wie er über die Runden kommt. Sein bis dahin ausschweifendes Leben hat außerdem seine Gesundheit stark angegriffen. Er schließt deshalb nachträglich noch sein Jurastudium ab, wird Anwalt und schreibt weiterhin - keine Stücke mehr, die sind ja verboten, aber Prosa. Und weil er nicht anders kann als bissig zu sein, verfasst er zielsichere Attacken auf zeitgenössische Bestseller. Sein bekanntestes Werk ist "Die Geschichte von Tom Jones, eines Findlings", das 1749 als Antwort auf Samuel Richardsons "Clarissa" erscheint.

Die Geschichte von Tom Jones

Der gutherzige und etwas naive Gutsherr Allworthy findet eines Nachts einen Säugling in seinem Bett. Er behält das Kind und nennt es Tom Jones. Kurz darauf fällt Allworthys Schwester auf den Heiratsschwindler Blifil herein und bekommt ein Kind von ihm. Die beiden Jungen wachsen zusammen auf. Aus Tom wird ein weltfremder Held, aus dem jungen Blifil ein Intrigant, dem es gelingt, Tom bei Allworthy in Ungnade fallen zu lassen. Der Gutsherr verstößt Tom, der sich aber in die Tochter des benachbarten Gutsherrn Western verliebt hat. Die heißt Sophie und soll Blifil heiraten, aber das will sie nicht und flieht. Schließlich aber erfährt Tom, wer seine Mutter ist, und sieht sich wortwörtlich im Stande, Sophie zu heiraten.

"Nun wenden wir uns wieder zu Jones und Sophien, die zwei Tage nach ihrer Heirath Western und Allworthy auf das Land begleiteten. Western übertrug sein Gut und den größeren Theil seines Vermögens seinem Schwiegersohne und bezog ein kleineres Haus in einer andern Gegend der Grafschaft, das für die Jagd besser liegt. Oft aber besucht er Jones, der wie Sophie alles aufbietet, um dem Alten Freude zu machen. Dies gelingt ihnen auch dermaßen, daß der alte Herr erklärt, er sei in seinem Leben nie so glücklich gewesen. Er hat auf dem Gute ein Zimmer für sich, wo er sich betrinkt, wann es ihm beliebt, und seine Tochter ist so bereitwillig wie sonst, ihm vorzuspielen, wenn er es wünscht, denn Jones hat sie versichert, sein größtes Glück neben dem, ihr zu gefallen, sei, den alten Mann glücklich zu machen."

(Henry Fielding: Die Geschichte des Tom Jones, eines Flindlings. Übersetzt von August Diezmann)

Fielding beweist am Ende, dass er ein Herz hat für Leser, die ein glückliches Ende bevorzugen. Der Autor selbst wird von seinen Ärzten in ein wärmeres Klima geschickt und geht nach Lissabon, wo er 1754 stirbt.


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