ARD-alpha - Klassiker der Weltliteratur


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Klassiker der Weltliteratur Heinrich Heine - Deutschland. Ein Wintermärchen

Aufgrund seiner jüdischen Herkunft und seiner politischen Einstellung wurde Heinrich Heine zeitlebens angefeindet und ausgegrenzt. Diese Außenseiterrolle prägte sein Werk und beschied den Deutschen das wohl berührendste Gedicht eines Emigranten: Deutschland. Ein Wintermärchen.

Stand: 28.05.2017

Heinrich Heine (1797 - 1856) kehrte im November 1943 für wenige Wochen von Paris nach Deutschland zurück, um seine Mutter und seinen Verleger zu besuchen. Bei seinem Besuch war Heine 47 Jahre alt und seit 13 Jahren nicht mehr in Deutschland gewesen. Auf der Rückreise entstand der erste Entwurf zu "Deutschland. Ein Wintermärchen".

Radikale politische Ansichten

Zeitgenössische Darstellung von Heinrich Heine

Geflohen war Heine, weil er unzufrieden mit den politischen Verhältnissen im Deutschland der Restaurationszeit war. Er galt als einer der führenden Köpfe des "Jungen Deutschland", einer von ihren Feinden als "politische literarische Bewegung" verfolgten Gemeinschaft. Sie bezog ihre stärkste politische Inspiration aus der französischen Julirevolution des Jahres 1830. Um der Zensur zu entgehen emigrierte Heine nach Frankreich. 1835 wurden seine Schriften verboten.

Außenseiterleben in der Heimat

Heine war Sohn eines jüdischen Textilkaufmanns. Sein vermögender Onkel Samuel erkannte die vielfältige Begabung seines Neffen und unterstützte ihn bis zu seinem Tod. Er ermöglichte ihm das Studium der Rechtswissenschaften. Um leichter eine Anstellung zu finden, konvertierte Heine zum protestantischen Glauben. Er verkehrte mit den Größen des damaligen Geisteslebens - Schlegel, Savigny, Hegel - und hoffte vergeblich auf eine Berufung an die Münchner Universität.

Ab 1825 konnte Heine erste Erfolge als Dichter feiern. Dazu trugen die Gedichtsammlung "Buch der Lieder" (1827) und seine "Reisebilder" bei. Letztere erschienen zwischen 1826 und 1831 und waren eine virtuose Mischung aus Naturschilderung, Essay, Selbstbetrachtung und Dichtung. Sie wurden auch ein wirtschaftlicher Erfolg. Im selben Jahr begann seine Geschäftsbeziehung zu dem Hamburger Verlag Hoffmann und Campe. Julius Campe sollte bis zu Heines Tod sein Verleger bleiben.

Deutschland. Ein Wintermärchen

Büste des Dichters Heinrich Heine

1844 erschien der Gedichtband "Neue Gedichte", darin das bekannte "Deutschland. Ein Wintermärchen". In Preußen wird die Sammlung von der Zensur verboten, im Namen von Friedrich Wilhelm IV. wird ein Haftbefehl gegen Heine erwirkt. Zu der Zeit befindet sich Heine wieder im sicheren Paris.

Im Februar 1848, als die Revolution in Paris ausbricht, erleidet Heine einen Zusammenbruch. Fast vollständig gelähmt, muss er die acht Jahre bis zu seinem Tod bettlägerig in der von ihm so bezeichneten "Matratzengruft" verbringen. 1856 stirbt Heine in Paris.

Doch die Anfeindungen und Ausgrenzungen setzten sich auch im 20. Jahrhundert fort. Heines Geburtsstadt Düsseldorf stiftete dem Dichter erst 1981 ein Denkmal. Er dagegen ahnte wohl, dass er seinem Vaterland mit dem "Wintermärchen" eines gesetzt hatte, das über die Jahre Bestand hatte.

"Sie sang das alte Entsagungslied,
Das Eiapopeia vom Himmel,
Womit man einlullt, wenn es greint,
Das Volk, den großen Lümmel.

Ich kenne die Weise, ich kenne den Text,
Ich kenn auch die Herren Verfasser
Ich weiß, sie tranken heimlich Wein
Und predigten öffentlich Wasser.

Ein neues Lied, ein besseres Lied
O Freunde, will ich euch dichten!
Wir wollen hier auf Erden schon
Das Himmelreich errichten.

Wir wollen auf Erden glücklich sein,
Und wollen nicht mehr darben;
Verschlemmen soll nicht der faule Bauch
Was fleißige Hände erwarben."

Heinrich Heine: Deutschland. Ein Wintermärchen


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