ARD-alpha - Klassiker der Weltliteratur


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Klassiker der Weltliteratur Graham Greenes Die Kraft und die Herrlichkeit

Geheimnisse, Verstellung, zwielichtige Figuren bevölkern Graham Greenes Romane. Ihm ging es immer um das gewöhnliche Böse in den Menschen. Greene war gläubiger Katholik, Castro-Anhänger und Entertainer mit ausgeprägtem Hang zu Täuschungsscherzen.

Stand: 24.03.2016

Die Romane des 1904 geborenen Graham Greene waren zu seinen Lebzeiten bereits äußert beliebt und wurden verfilmt. Allerdings war Greene nur mit wenigen Adaptionen wirklich zufrieden. Wen er sehr mochte, war der Regisseur François Truffaut, dem er einmal in einem Restaurant in Nizza begegnete. Truffaut bewunderte Greenes Werk, wusste aber nicht, wie der Schriftsteller aussah und erkannte den Fremden nicht. Allerdings fand er ihn interessant und bot ihm die kleine Rolle eines schäbigen Handelsvertreters in "Die amerikanische Nacht" an. Greene amüsierte das und er nahm an, offenbarte seine Identität aber erst am Ende der Dreharbeiten. Truffaut fand das nicht so witzig wie Greene.

Ein Autor, der katholisch ist - kein katholischer Autor

Greene hatte keine einfache Kindheit. Sein Vater war Lehrer und später Leiter des Internats, das auch sein Sohn besuchte. Grausamkeiten und Demütigungen waren hier an der Tagesordnung. Als Sohn des Institutsleiters wurde Greene besonders hart rangenommen. Er versuchte mehrmals, sich umzubringen. Mit 16 kam er in psychiatrische Behandlung und musste anschließend nicht mehr im Internat übernachten. 1926 konvertierte Greene zum Katholizismus, war aber nie ein "katholischer" Autor. In der Kirche machte er sich keine Freunde, als er einen "Schnaps-Priester" zur Hauptfigur seines Romans "Die Kraft und die Herrlichkeit" machte.

Der Kampf gegen die Kirche

Dieser Roman, der 1940 unter dem Titel "The Power and the Glory" erschien, spielt in einem Mexiko nicht unähnlichen fiktiven Staat in den 30er-Jahren. Nach einem Putsch ist nun eine linke Regierung an der Macht, die erbittert gegen die katholische Landeskirche vorgeht. Auf der Liste der Regimegegner steht auch ein junger Priester, der zwar - wegen seiner Trinksucht und eines im Rausch gezeugten Kindes - kein typischer Vertreter der Kirche ist, aber sich weigert, seine Berufung aufzugeben. Denn Nächstenliebe steht für ihn an oberster Stelle. Ein junger Leutnant jagt ihn von Unterschlupf zu Unterschlupf und stellt ihm letztlich einen Hinterhalt. Am Tag vor der Hinrichtung unterhalten sich die beiden über die Natur des Bösen und der Leutnant erkennt, dass er es hier nicht mit einem schlechten Menschen zu tun hat.


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