ARD-alpha - Klassiker der Weltliteratur


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Klassiker der Weltliteratur George Orwell - "Farm der Tiere"

Seinen Durchbruch als Schriftsteller erlebte George Orwell zwar noch, aber kurz. Fünf Jahre nach Erscheinen von "Farm der Tiere" starb er an Tuberkulose. Das war 1950 und Orwell war nicht einmal 47 Jahre alt. Dieser Roman und seine Dystopie "1984" haben ihn unsterblich gemacht.

Stand: 05.07.2016

Geboren wurde Orwell als Eric Blair 1903 im indischen Motihari. Sein Vater war als Beamter der britischen Regierung für den Opiumanbau dort zuständig. Das hieß, die Bauern in der Region mussten einen Teil ihres Landes für den Mohnanbau reservieren, die Ernte zu kleinen Preisen an die britischen Verwaltung abgeben, die das Opium mit hohen Gewinnen nach China weiterverkaufte.

Vom Kolonialbeamten zum Systemkritiker

George Orwell als Nachbildung im Wachsfigurenkabinett

Nach der Schule zog auch Orwell in den Kolonialdienst - als Polizeioffizier nach Burma. Was er dort erlebte, ließ ihn seinen Dienst quittieren. Spätestens jetzt ging ihm auf, welche Rolle seine Familie im Imperialismus gespielt hatte. Bis zu seinem Tod setzte sich Orwell mit Machtsystemen und Repression auseinander. Zunächst allerdings wendete er sich 24-jährig von seiner bürgerlichen Existenz ab und ging erst nach Paris, von wo er krank nach London zurückkehrte. Er lebte von der Hand in den Mund, arbeitete als Journalist, was nicht sehr einträglich war, und schloss sich schließlich den Trotzkisten an. An ihrer Seite kämpfte er im Spanischen Bürgerkrieg - eigentlich gegen Franco, tatsächlich aber gegen andere Linke, stalintreue Sozialisten nämlich. Schwer verletzt kehrte er nach England zurück.

Alle sind gleich, aber manche sind gleicher

1945 erschien der Roman "Farm der Tiere", als "Märchen" untertitelt, auf dem englischen Buchmarkt. Das System, an dem sich Orwell hier abarbeitet, ist der Stalinismus, doch passt die Fiktionalisierung letztlich auf jedes ungreifbare System, das den Einzelnen seiner Individualität beraubt, kontrolliert und methodisch entwürdigt. In "Farm der Tiere" lässt Orwell die Schweine eines Bauernhofs gegen die Herrschaft der Menschen rebellieren. Die Revolution gelingt, aber die Schweine nutzen ihre neue Macht dazu, sich Privilegien einzuräumen und nach und nach die anderen Tiere des Hofs zu unterjochen. Schließlich verbünden sich die Schweine immer häufiger mit den Menschen, wenn es ihnen Vorteile bringt. Orwell bedient sich in seinem Roman aus dem Wörterbuch des Unmenschen, wie es der deutsche Faschismus vorgeführt hat. Zwei Beispiele:

"'Es sei unumgänglich nötig, sagte er (Quiekschnauz), daß die Schweine, die sozusagen das Gehirn der Farm wären, einen ruhigen Arbeitsplatz hätten. Es entspreche auch der Würde des Führers - denn seit jüngster Zeit pflegte er von Napoleon als dem 'Führer' zu reden - besser, in einem Haus zu wohnen, als in einem Koben.'
'Nur einen Einwand habe er gegen Mr. Pilkingtons ausgezeichnete und freundnachbarliche Rede zu erheben, sagte er. Mr. Pilkington habe ständig von der 'Farm der Tiere' gesprochen. Er konnte natürlich nicht wissen - denn er, Napoleon, mache das jetzt zum ersten Mal bekannt - daß der Name 'Farm der Tiere' abgeschafft sei. Von heute an solle die Farm 'Herrenfarm' heißen, was, wie er glaube, ihr richtiger und ursprünglicher Name sei.'"

(George Orwell: Farm der Tiere. Übersetzt von N.O. Scarpi)


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