ARD-alpha - Klassiker der Weltliteratur


16

Klassiker der Weltliteratur Friedrich Schiller - "Die Räuber"

Schillers großer Erfolg als Dramatiker begann mit der fulminanten Aufführung des Stücks "Die Räuber". Sie sicherte dem Autor die Aufmerksamkeit des Publikums. Doch die finanzielle Unabhängigkeit blieb ihm lange verwehrt.

Stand: 23.03.2016

Friedrich von Schiller | Bild: picture-alliance/dpa

Gerne wäre Friedrich Schiller (1759 - 1805) wohl Pfarrer geworden. Doch sein Landesherr Carl Eugen verhinderte ein Studium der Theologie. Im Schloss Solitude hatte er ein Internat für begabte Landeskinder gegründet. So wurde Friedrich mit knapp zwanzig Jahren Regimentsarzt.

Das "Museum SchillerHaus" in Mannheim

Seine Leidenschaft galt aber der Dichtkunst. Doch dieser Neigung durfte er in der "Hohen Carlsschule" nicht nachgehen. So las Schiller heimlich Shakespeare und verfasste seine ersten Gedichte. Im Januar 1782 erschütterte sein Stück "Die Räuber" das Publikum in Mannheim, wo das Werk uraufgeführt wurde.

"Das Theater glich einem Irrenhause, rollende Augen, geballte Fäuste, stampfende Füße, heisere Aufschreie im Zuschauerraum! Fremde Menschen fielen einander schluchzend in die Arme, Frauen wankten, einer Ohnmacht nahe, zur Tür. Es war ... wie im Chaos, aus dessen Nebeln eine neue Schöpfung hervorbricht."

Zuschauerreaktion bei der Uraufführung des Dramas 'Die Räuber'

Ein Werk der Freiheit: "Die Räuber"

Es ist die Geschichte des alten Grafen von Moor und seiner beiden Söhne Franz und Karl. Franz, der jüngere der beiden, ist intrigant, der wilde Karl, von seinem Vater zunächst geliebt, dann verstoßen, schließt sich in den böhmischen Wäldern den Räubern an.

Beide Brüder ringen um Freiheit, doch beide gehen daran auch zugrunde. Das ist der Preis der Freiheit. Das Stück wurde zum Inbegriff für den Kampf gegen alle Formen der Abhängigkeit. Schiller selbst wurde als Held der Freiheit verehrt, zunächst in Deutschland, bald im revolutionären Frankreich, später auch in Russland.

Die Doppelgesichtigkeit der Freiheit

"Die Räuber" von Friedrich Schiller - mit Klausjürgen Wussow als Karl Moor

Bereits in seinem ersten Drama zeigt Schiller, anhand der beiden so verschieden angelegten Helden, dass die Selbstbestimmung zwei Seiten hat. Zwar plädiert der Dichter heftig für den populären Begriff Freiheit, doch der blutige Terror im Gefolge der Französischen Revolution hat den "Heißsporn" Schiller gleichzeitig auch abgeschreckt. Davon war man bei der Aufführung der "Räuber" noch ein gutes Jahrzehnt entfernt. Aber die Ambivalenz einer Verherrlichung der Freiheit war dort schon angelegt.

Schiller, hatte sich ohne die Erlaubnis seines württembergischen Landesherrn nach Mannheim begeben, um an der Uraufführung seines Stücks teilzunehmen. Dafür wurde er für zwei Wochen ins Gefängnis gesperrt. Doch seinem Ruhm tat das keinen Abbruch. In späteren Jahren wurde er schließlich selbst zum Fürsten und Professor geadelt.

Leseprobe:

Franken.
Saal im Moorischen Schloss.
Der alte Moor. Sein Sohn Franz.

Franz. Aber ist Euch auch wohl, Vater? Ihr seht so blass.
D. a. Moor. Ganz wohl, mein Sohn, - was hattest du mir zu sagen?
Franz. Die Post ist angekommen - ein Brief von unserm Korrespondenten in Leipzig -
D. a. Moor (begierig). Nachrichten von meinem Sohne Karl?
Franz. Hm! Hm! - So ist es. Aber ich fürchte - ich weiß nicht - ob ich - Eurer Gesundheit? - Ist Euch wirklich ganz wohl, mein Vater?
D. a. Moor. Wie dem Fisch im Wasser! Von meinem Sohne schreibt er? - Wie kommst du zu dieser Besorgnis? Du hast mich zweimal gefragt.
Franz. Wenn Ihr krank seid - nur die leiseste Ahnung habt, es zu werden, so lasst mich - ich will zu gelegenerer Zeit zu Euch reden. (Halb zu sich.) Diese Zeitung ist nicht für einen zerbrechlichen Körper.
D. a. Moor. Gott! Gott! was werd' ich hören?
Franz. Lasst mich vorerst auf die Seite gehn und eine Träne des Mitleids vergießen um meinen verlornen Bruder - ich sollte schweigen auf ewig - denn er ist Euer Sohn; ich sollte seine Schande verhüllen auf ewig - denn er ist mein Bruder. - Aber Euch gehorchen, ist meine erste, traurige Pflicht - darum vergebt mir.
D. a. Moor. O Karl! Karl! wüsstest du, wie deine Aufführung das Vaterherz foltert! wie eine einzige frohe Nachricht von dir meinem Leben zehn Jahre zusetzen würde - mich zum Jüngling machen würde - da mich nun jede, ach! - einen Schritt näher ans Grab rückt!

Friedrich Schiller: "Die Räuber"; Erster Akt, Erste Szene


16