ARD-alpha - Klassiker der Weltliteratur


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Klassiker der Weltliteratur Adam Mickiewicz - "Pan Tadeusz"

Mickiewicz wird gerne der Goethe Polens genannt. Schuld daran ist die einzigartige Popularität des Dichters in seinem Land. Sein Denkmal steht heute in fast jeder Stadt Polens. Er ist zum Symbol der polnischen Nation geworden und war Vorkämpfer für ein freies Europa.

Stand: 05.02.2017

Adam Mickiewicz  | Bild: picture-alliance/dpa

Adam Bernard Mickiewicz wurde am 24. Dezember 1798 in Nowogródek im heutigen Weißrussland geboren. Mickiewicz studierte an der Universität Wilna, erst Naturwissenschaft, dann Literatur. Mit 30 Jahren trat er eine fast zweijährige Reise durch Westeuropa an. Er bereiste Berlin, Prag, Florenz, Rom, Neapel, Genf und Paris. In Weimar traf er mit Johann Wolfgang von Goethe zusammen.

Gemeinsamer Kampf um Freiheit

Der Übervater der polnischen Nation: Adam Mickiewicz-Denkmal in Krakau

Adam Mickiewicz, wichtigster Vertreter der polnischen Romantik, begann sein literarisches Schaffen mit Balladen und Romanzen. Der erste Band erschien, als er 24 Jahre alt war. Mit seinen Studienfreunden berauschte er sich an den Idealen der Französischen Revolution: Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit. Die Freunde lesen Rousseau, Goethe, Schiller, Byron und Voltaire. Mickiewiecz fühlt sich insbesondere Schiller, dem Verfechter des Freiheitsgedankens seelenverwandt.

Für ein Europa ohne Grenzen

Adam Mickiewicz

Nach ersten literarischen Erfolgen, unter anderem mit dem Dramenzyklus "Totenfeier", beginnt die zaristische Polizei, die Studenten und Gymnasiasten in Wilna zu verfolgen. Der Dichter landet im Gefängnis, wird als Lehrer nach Russland geschickt und muss später emigrieren. Adam Mickiewicz war der erste, der von einem vereinigten Europa, einem Europa ohne Staatsgrenzen sprach. Das war im Jahre 1833. Dabei ging es dem Polen Mickiewicz immer auch um die Bewahrung und Förderung der kulturellen Eigenheiten seiner Heimat: im Sammeln von Märchen, Sagen, Mythen und Legenden.

Im Krimkrieg gegen die Russen

Büste des polnischen Goethe in Weimar

Am 26. November 1855 stirbt Mickiewicz in Konstantinopel an der Cholera. Der 57-Jährige hatte schon seit Jahren im politischen Exil gelebt, vorwiegend in Paris. Er war an den Bosporus gereist, um eine jüdische Legion aufzubauen, die im Krimkrieg zusammen mit Polen und Türken gegen das zaristische Russland kämpfen sollte. Sein Tod beendete den Plan.

Der polnische Dichterfürst wurde zunächst auf dem Friedhof der polnischen Emigranten in Montmorency bei Paris beigesetzt. Erst 1890, als sein 100. Geburtstag nahte, holte man ihn in die Heimat zurück, nach Krakau. In der Königsgruft des Wawel ruht er noch heute. Dabei hat der Schriftsteller Krakau zu Lebzeiten nie gesehen.

Versepos: Pan Tadeusz

"Herr Thaddäus", "Pan Tadeusz" ist das polnische Nationalepos schlechthin. Es ist 1834 in Paris erschienen. Das Werk ist bis heute Pflichtlektüre in den polnischen Schulen. Jedes Schulkind in Polen muss die ersten Zeilen, den Prolog des Ersten Gesangs, auswendig lernen. Das Werk behandelt den Streit zweier verfeindeter Adelsgeschlechter um ein Schloss. Doch vor allem geht es um den Kampf gegen den Feind Russland.

"Lithauen! Wie die Gesundheit bist du, mein Vaterland!
Wer dich noch nie verloren, der hat dich nicht erkannt.
In deiner ganzen Schönheit prangst du heut' vor mir,
So will ich von dir singen, - denn mich verlangt nach dir!"

Adam Mickiewicz: Herr Thaddäus oder der letzte Einritt in Lithauen


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