ARD-alpha - Kant für Anfänger


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Kant, Sophie und der kategorische Imperativ Glossar

Stand: 11.01.2016 | Archiv

Hier werden die wichtigsten Begriffe zu Kants kategorischem Imperativ knapp erklärt - in der Reihenfolge, wie sie in der Sendung auftauchen.

BegriffErklärung
MoralphilosophieKants Begriff für Ethik
MoralgesetzAnderer Begriff für Sittengesetz oder praktisches Gesetz; oberster Begriff von Sittlichkeit, der im kategorischen Imperativ seinen Ausdruck findet.
HedonismusDie ethische Grundhaltung, deren oberstes Prinzip der Lebensgenuss ist. Motto: Gut ist, was mir Lust verschafft.
UtilitarismusDie ethische Grundhaltung, deren oberstes Prinzip der Nützlichkeitsgedanke ist. Motto: Gut ist, was nützlich ist; nützlich nicht nur für mich, sondern für eine größtmögliche Anzahl von Menschen.
EudämonismusDie ethische Grundhaltung, deren oberstes Prinzip das Glück ist. Motto: Gut ist, was glücklich macht, abgestuft vom oberflächlichen Glücksstreben bis hin zur obersten Stufe, der sittlich wertvollen Handlung.
Heteronome GebotsethikDie ethische Grundhaltung, deren oberstes Prinzip ein Fremdgebot oder -verbot ist. Motto: "Es steht geschrieben:..." (im Talmut, dem Koran, der Bibel, o.a.)
PflichtethikDie ethische Grundhaltung, deren oberstes Prinzip aus der Gesinnung, dem guten Willen, entspringt: Wenn die Handlung "aus Pflicht" und nicht nur "pflichtgemäß" geschieht.
GlückseligkeitAls das natürliche Streben des Menschen darf Glück nicht zur materialen Willensbestimmung dienen, sondern ist Folge der sittlichen Anstrengung.
Guter WilleEr ist das "summum bonum", das höchste Gut als Ausdruck der Gesinnung. Alle anderen Tugenden können zwar gut sein, sind aber nicht ausschließlich gut.
Zwei-Welten-TheorieDie Welt des Phainomenon (sichtbare Welt) und die Welt des Noumenon (die gedachte Welt der Vernunft). Sittlichkeit ist nie in der sichtbaren Welt ablesbar, d.h. auch nicht an meiner Handlung.
PflichtSie ist mit Zwang verbunden. Kommt der Zwang von außen und bewegt meinen Willen, ist dieser fremdbestimmt; kommt der Zwang von mir selbst und bewegt meinen Willen, geschieht Freiheit.
Pflichtgemäße (pflichtmäßige) HandlungSie entspricht der Legalität.
Handlung aus PflichtSie entspricht der Moralität.
MaximenDieser Schlüsselbegriff in Kants Ethik meint ein Prinzip des Willens bzw. Wollens. Sie sind eine beabsichtigte Handlungsweise mit dem Anspruch, über die singuläre Verwirklichung hinauszugehen. Nur sie gehören auf den Prüfstand des kategorischen Imperativs, nicht die Handlungen.
Erfahrung (Empirie) und NeigungDa sie der Zufälligkeit unterworfen sind, taugen sie nicht, Moral zu begründen.
Hypothetischer ImperativEr liegt vor, wenn eine Handlung als Mittel zur Erreichung eines Zwecks geboten ist.
Kategorischer ImperativEr liegt vor, wenn eine Handlung an sich gut ist und wenn sie allgemein und notwendig geboten ist.
Materie der HandlungSie wird durch den hypothetischen Imperativ geboten, die Nötigung erfolgt durch einen Zweck oder eine Absicht.
Form der HandlungSie wird nach der Prüfung durch den kategorischen Imperativ geboten, die Nötigung ist allgemein und notwendig und nicht zweckgebunden.
VerallgemeinerungNicht Handlungen gehören nach Kant verallgemeinert, sondern Maximen.
Zweck an sichNach dem Moralgesetz soll ein Mensch nicht nur als Mittel zum Zweck behandelt werden, sondern auch als Zweck an sich.
Reich der ZweckeEs ist ein moralisches Ideal: eine Gemeinschaft vernünftiger Wesen, wo keiner den anderen als Mittel zu einem Zweck betrachtet, sondern jeder dem anderen die Würde des Selbstzweckes zubilligt.
Kopernikanische WendeDie Erkenntnis richtet sich nicht nach den sinnlichen Eindrücken, sondern der Verstand schreibt den sinnlichen Eindrücken die Gesetze vor, mit denen wir sie erkennen können.
Autonomie des WillensDamit ist nicht gemeint, wir könnten machen, was wir wollen, denn damit würden wir empirischen Faktoren wie Lust und Neigung folgen. Sondern: Wir machen die Gesetze, denen wir gehorchen, selbst.
FreiheitSie ist der Gegenbegriff zum Naturgesetz, bzw. die Unabhängigkeit von ihm. Somit hat die Möglichkeit der Sittlichkeit ihren Ursprung in der Freiheit.

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