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Qualifizierung von Menschen mit Behinderung Einfach machen!

In den Werkstätten für behinderte Menschen gibt es vielfältige Aufgaben. Für jeden, der hier arbeitet, ist das passende dabei. Die Aufgaben sind ebenso vielfältig, wie auf dem Arbeitsmarkt für Menschen ohne Behinderung.

Stand: 01.08.2018

Wolfgang produziert Kennzeichen. Ohne ihn fährt also kein Auto. Die Prägemaschine steht in der Werkstatt für behinderte Menschen der Lebenshilfe Schwabach-Roth e.V. Die Kennzeichen sind Exportschlager. Wolfgang und die anderen Mitglieder des Werkstattteams verkaufen nicht nur an Kunden in der Region, sondern per Internet in ganz Deutschland. Das Prägen von Kennzeichen ist eine Erfolgsgeschichte der Lebenshilfe. Eng damit verknüpft ist die Erfolgsgeschichte von Wolfgang. Er hat sich zum Gruppenassistenten qualifiziert. Sein Motto: Einfach machen!

In den Werkstätten für behinderte Menschen gibt es vielfältige Aufgaben. Für jeden, der hier arbeitet, ist das passende dabei. Die Aufgaben sind ebenso vielfältig, wie auf dem Arbeitsmarkt für Menschen ohne Behinderung. Gartenpflege. Gravieren von Metall und Glas. Bedrucken von Textilien. Die Liste lässt sich beliebig fortführen. Die Mitarbeiter in den Werkstätten für behinderte Menschen sind stolz auf das, was sie tun. Kein Wunder, schließlich werden ihre Produkte beispielswiese in Flugzeuge eingebaut oder in Autos. Sie produzieren Teile für Medizintechnik und auch für die Raumfahrt.

Auf der Karriereleiter nach oben

Wie auf dem ersten Arbeitsmarkt gilt auch in Werkstätten für behinderte Menschen: es gibt Mitarbeiter, die wollen einen Schritt auf der Karriereleiter nach oben gehen und sich und anderen beweisen, was sie draufhaben. Eine erste Stufe auf der Karriereleiter sind Qualifizierungsmaßnahmen. An so einer Maßnahme hat Wolfgang teilgenommen. Für ihn hieß das: zwei Jahre lang die Schulbank drücken und am Ende eine Prüfung ablegen. Wolfgang hat es geschafft. Mit der bestandenen Qualifizierungsmaßnahme wurde er gleichzeitig zum Gruppenassistenten befördert. Für ihn bedeutet das: er übernimmt mehr Verantwortung und bekommt mehr Geld.

"Zunächst ist der Wille wichtig, diese zwei Jahre durchzuziehen. Wer das macht, braucht eine Portion Ehrgeiz, Engagement und natürlich ein paar Grundqualifikationen. Beispielsweise: Pünktlichkeit und Flexibilität. Solche Schlüsselqualifikationen sollten sie mitbringen."

Luca Meidenbauer, Gruppenleiter

Werkstätten für behinderte Menschen

Fast alle Werkstätten für behinderte Menschen bieten solche Qualifizierungsmaßnahmen an. Das gehört zu ihrem Bildungsauftrag, der ist gesetzlich vorgeschrieben. Doch die berufliche Weiterqualifizierung ist nicht einheitlich geregelt. Viele Werkstätten für behinderte Menschen kochen da ihr eigenes Süppchen. Auf den Internetseiten der einzelnen Einrichtungen finden Mitarbeiter oder Angehörige oft erste Informationen. Im nächsten Schritt sollten sich Interessenten beim Einrichtungs- oder Werkstattleiter über die jeweiligen Möglichkeiten informieren. Gute regionale Anlaufpunkte sind auch die EUTB-Stellen (Ergänzende unabhängige Teilhabeberatung). Die Berater hier können informieren zu Leistungen zur Rehabilitation und Teilhabe.

"Es gehört zu unserem Bildungsauftrag als Werkstatt, unsere Beschäftigten im Berufsbereich weiterzubilden. Die Beschäftigten erleben dadurch mehr Anerkennung und einen höheren Status; in der Werkstatt, aber auch außerhalb. Das stärkt das Selbstbewusstsein. Auch Zuhause, bei Freunden und auch in der Familie."

Michaela Frei, Sozialpädagogin

Auch die Diakonie Neuendettelsau bietet solche Qualifizierungsmaßnahmen an. Sie betreibt unter anderem eine Werkstatt für behinderte Menschen in Rothenburg o.d.Tauber. Zur Werkstatt gehört ein Trupp von Gärtnern. Dieses "Green Team" kümmert sich um öffentliche und private Grünlangen. Die einzelnen Mitarbeiter haben deshalb täglich wechselnde Einsatzorte und müssen mobil sein. Die Diakonie fördert einzelne Mitarbeiter gezielt, um sie fit für den Führerschein zu machen. Diese Maßnahme läuft parallel zur Ausbildung in der Fahrschule. Bei der Prüfung gibt es keine Extrawurst. Mit den Teilnehmern wird über einen längeren Zeitraum Theorie geübt. Solange eben, bis alles passt. Die Qualifizierungsmaßnahme ist erfolgreich: Schon mehrere Mitarbeiter aus dem Green Team haben ihren Führerschein in der Tasche. Jetzt können sie nicht nur schweres Gerät, beispielsweise große Balkenmäher, mit dem Hänger von A nach B transportieren, sondern sie werden auch interessant für Arbeitgeber des ersten Arbeitsmarkts.

"Wir versuchen ja, unsere Beschäftigten, die die Fähigkeiten haben am ersten Arbeitsmarkt zu vermitteln. Dann sind sie mobil. Oft sind sie im ländlichen Raum und müssen dann in die Stadt. Und deshalb ist es für einen künftigen Arbeitgeber auch sehr wichtig, dass das gewährleistet ist, dass die zur Arbeit kommen und wieder zurück."

Claudia Zeisel, Gruppenleiterin

Die Qualifizierungsmaßnahmen unterscheiden sich sehr von Werkstatt zu Werkstatt. Es lohnt sich, nachzufragen, was in den jeweiligen Einrichtungen angeboten wird. Wichtige Voraussetzungen sind: Durchhaltewille und Zuverlässigkeit. Meist steht vor der Aufnahme in eine Qualifizierungsmaßnahme ein Bewerbungsverfahren. So war es auch bei Wolfgang. Er hatte sich um einen Platz bei der Lebenshilfe beworben - und im Bewerbungsverfahren überzeugte er seine Ausbilder. Zwei Jahre büffelte er Arbeitssicherheit. Organisation. Verkauf. Das hat sich gelohnt. Schließlich ist er jetzt Gruppenassistent.

Die wichtigsten Fakten zur Ausbildung

  • Offizielle Bezeichnung: Gruppenassistent/-in
  • Qualifizierungsdauer: Die Qualifizierung dauert maximal 24 Monate
  • Qualifizierungsform: Qualifizierungsmaßnahme innerhalb einer Werkstatt für Menschen mit Behinderung
  • Prüfung: Theoretische und praktische Abschlussprüfung am Ende der Qualifizierungsmaßnahme
  • Ausbildungsorte: Die Qualifizierungsmaßnahme wird in Werkstätten für Menschen mit Behinderung durchgeführt
  • Zugang: Auswahl über interne Bewerbungsverfahren und Assessment Center innerhalb der Werkstatt für behinderte Menschen
  • Eignung: Die Teilnehmer sollten lesen, schreiben und rechnen können. Defizite in diesen Bereichen können durch Assistenten kompensiert werden. Die Bewerber sollten zuverlässig und pünktlich sein, also Vorbildfunktionen erfüllen.

Die wichtigsten Infos zum Beruf

Genauigkeit

Gruppenassistenten/innen müssen mit den Mitgliedern im Team reden und Aufgaben verteilen. Manchmal haben sie auch mit Kunden zu tun, etwa wenn sie Aufträge annehmen. Zu schüchtern dürfen Gruppenassistenten/innen also nicht sein.

Gefahr

Zuverlässigkeit und Genauigkeit gehören oft zu den Voraussetzungen, um an Qualifizierungsmaßnahmen teilnehmen zu dürfen.


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