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Maßschuhmacher/-in | Fachrichtung Maßschuhe Königsdisziplin im Schuhmacherhandwerk

Immer mehr Frauen und Männer lassen sich individuell gestaltete Schuhe passgenau für ihre Füße anfertigen und zahlen dafür gern einiges mehr als für Konfektionsschuhe. Entsprechend anspruchsvoll sind die handwerklichen Herausforderungen für den Maßschuhmacher-Nachwuchs.

Von: Uli Detsch

Stand: 26.11.2018

Leopold Glees kann man durchs Schaufenster der Schuhmacherei Lenz in der Frankfurter City zuschauen, wie er neben seinem Meister arbeitet. Der Azubi im dritten Lehrjahr nimmt bei Kunden Maß, schleift ein hölzernes Fußmodell, formt zunächst einen Probeschuh aus Kunststoff und montiert schließlich über 30 bis 40 Stunden hinweg aus vielen Lederteilen und anderen hochwertigen Materialien ein Paar Maßschuhe. Ihm gefällt, dass er nach alter Handwerkskunst fertigen kann. Grundsätzlich wird für diesen Beruf kein spezieller Schulabschluss erwartet. Leopold meint, dass es in erster Linie auf Leidenschaft und Engagement für schöne, passgenaue Schuhe ankommt. Und er freut sich über zufriedene Kunden, die ihre kostbaren Maßschuhe meist über viele Jahre tragen und höchstens mal für kleinere Reparaturen in die Werkstatt kommen.

"Letztendlich hat sich herausgestellt, dass ich unheimlich viel Freude bei der Arbeit habe, vor allem, weil man etwas unglaublich Schönes mit etwas unheimlich Praktischem verbinden kann. Das ist sehr, sehr angenehm. Auch dass ich am Ende tatsächlich sehe, was ich geschafft habe, etwas sehr Haptisches, das ist ungemein befriedigend."

Leopold Glees (24), 3. Ausbildungsjahr

Kreativ für anspruchsvolle  Kunden

In der dreijährigen dualen Ausbildung lernen Azubis nicht nur die Anfertigung neuer Maßschuhe. Sie reparieren auch und gestalten Schuhe um. Der Maßschuhmachernachwuchs lernt Leder unterschiedlichster Tiere und verschiedene Gerbverfahren kennen. Die Azubis beraten Kunden, gehen auf deren Vorlieben ein, kalkulieren, kennen die Rechtsgrundlagen für Garantie und Reklamationen. In der blockweise organisierten Berufsschulzeit lernen Azubis neben handwerklichen Techniken vor allem viel über Aufbau, Funktion und auch Erkrankungen der Füße. Es gibt nur wenige Berufsschulen, die Maßschuhmacher unterrichten, deshalb sind die Wege zur Schule oft sehr weit.

Die wichtigsten Fakten zur Ausbildung

  • Offizielle Berufsbezeichnung: Maßschuhmacher/-in
  • Ausbildungsdauer: Drei Jahre, mit Abitur Verkürzung auf zwei Jahre möglich (auf Antrag)
  • Ausbildungsform: dual
  • Ausbildungsorte:Berufsschule, Ausbildungsbetrieb (Werkstatt und Laden)
  • Zugang: Kein spezieller Abschluss vorgeschrieben
  • Eignung: handwerkliches Geschick, Freude am Gestalten, Sorgfalt, mit Kunden reden
  • Prüfung: Anstatt der klassischen Prüfungsform (Zwischen- und Gesellenprüfung) gibt es mittlerweile die so genannte „Gestreckte Gesellenprüfung. Das bedeutet eine Prüfung, die in zwei Teilen zu zwei unterschiedlichen Zeitpunkten stattfindet. Beide Prüfungsteile fließen in die Bewertung ein.
  • Die wichtigsten Infos zum Beruf: Genauigkeit (Maß nehmen), Kraft und Geschicklichkeit (Leder mit Zange ziehen, hämmern), Kommunikation (Kunden beraten, kalkulieren, auf Reklamationen reagieren, verkaufen).
  • Perspektiven: Meister/-in, Techniker/-in, Selbstständigkeit

Weitere Informationen finden Sie auf den Webseiten der Arbeitsagentur:

Die wichtigsten Infos zum Beruf

Genauigkeit

Maßschuhe sind passgenau auf den Kunden abgestimmt. Schließlich rechtfertigt die Tatsache, dass die Schuhe genau auf den jeweiligen Fuß zugeschnitten sind, den im Vergleich zum Konfektionsschuh erheblich höheren Preis.

Kraft

Die teils alten Handwerkstechniken können ganz schön in die Finger gehen: Ob beim Nähen mit Nadel und Zwirn, der Arbeit mit der Zange oder beim ständigen Hämmern, Hände und Arme sind ständig in Bewegung.

Kommunikation

Immer nur im stillen Kämmerchen vor sich hinarbeiten - von wegen! Schon die Azubis lernen Kunden zu beraten, auf deren Vorlieben einzugehen, zu kalkulieren, und - wenn nötig - geschickt zu verhandeln. Außerdem sollten sie die Rechtsgrundlagen für Garantie und Reklamationen kennen.


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