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Kerzenhersteller/-in und Wachsbildner/-in Wachs klebt

Kerzenhersteller und Wachsbildner verarbeiten Wachse, Paraffine, Fettsäuren, Farb- und Duftstoffe zu Haushalts-, Zier- und Kirchenkerzen, Figuren, Ornamenten und Wachsbildern. Sie arbeiten überwiegend in Produktionshallen, in Werkstätten und in Lagerräumen.

Stand: 19.03.2018

Franziska Hüttinger wird "Kerzenherstellerin und Wachsbildnerin". Sie lernt in einer großen Kerzenmanufaktur in Deggendorf. Die Ausbildung dauert drei Jahre und wird im Handwerk und in der Industrie angeboten. Ein besonderer Schulabschluss ist nicht vorgeschrieben. Die meisten Azubis kommen von der Realschule. Kerzen herzustellen ist für die 20-jährige Franzi eine Herzensangelegenheit. Nicht umsonst sagen die Kerzenmacher: "Wachs klebt!". Das heißt so viel wie: wer einmal in der Kerzenindustrie gearbeitet hat, den lässt die Branche nie wieder los.

"Ich liebe unser altes Handwerk. Hier kann ich kreativ sein. Und ich sehe und kann in die Hand nehmen, was ich erschaffen habe. Das finde ich schön."

Franziska Hüttinger (20), 1. Ausbildungsjahr

Als Kerzenherstellerin und Wachsbildnerin muss Franziska handwerkliches Geschick, Interesse an Technik und mathematisches Verständnis mitbringen. Und sie muss sie sehr sorgfältig arbeiten. Ihr Meister Dominik Albert empfiehlt ein Praktikum vorweg.

"Also, die jungen Leute sollten in erster Linie physikalisches Verständnis haben. Technisches Verständnis für den Part an der Maschine, natürlich auch mathematische Grundkenntnisse voraussetzen. Sie müssen Mischungsverhältnisse berechnen können. Füllmengen berechnen können, und beim technischen Verständnis sollten sie sich einfach in die Maschine reindenken können, um die fehlerfrei zu bedienen."

Domink Albert, Meister

Deutschlandweit nur eine Berufsschule

Bis 2015 konnten die Auszubildenden zwischen den beiden Fachrichtungen Kerzenhersteller und Wachsbildner wählen. Diese ehemals eigenständigen Berufe sind jetzt miteinander verschmolzen. Die Branche ist klein. Nur wenige Betriebe bilden aus. Für Franziska und die anderen die Auszubildenden gibt es deutschlandweit nur eine Berufsschule. Die ist in der Münchener Innenstadt. Während des Blockunterrichtes wohnen die Schülerinnen und Schüler im nahegelegenen Wohnheim. Franziska hat sich bei der Wahl des Berufes auch Gedanken gemacht, was wäre, wenn sie beispielsweise einmal umziehen sollte. Der Liebe wegen vielleicht. Einen Job im erlernten Beruf zu finden könnte dann schwierig werden. Nicht in jeder Region gibt es potentielle Arbeitgeber. Aber eigentlich ist das nur Theorie. Denn aus Niederbayern will sie eigentlich gar nicht weg. Hier ist Franziska daheim.

Paraffin und Stearin

Während ihrer Ausbildung lernt die 20-Jährige Rohstoffe zu beurteilen, Maschinen zu bedienen und natürlich Kerzen herzustellen und zu gestalten. Am Ende ihrer Ausbildung muss sie sich entscheiden, wo sie inhaltlich etwas tiefer einsteigen will. Doch ganz gleich ob sie den Schwerpunkt auf Herstellung oder Bildnerei legt: später wird sie problemlos Arbeiten sowohl im künstlerischen wie auch im industriellen Bereich übernehmen können. Kerzen gibt es in allen erdenklichen Formen, Größen und Farben. Seit rund 150 Jahren bestehen sie meist aus dem Erdölprodukt Paraffin. Davor verwendeten die Kerzenzieher Bienenwachs, Talg und Pech. Als Lehrling in einer Kerzenfabrik weiß Franziska das alles. Auch wenn ihr Maschinen viel Arbeit abnehmen: Der Job ist und bleibt körperlich anstrengend. Termindruck gehört zum Beruf. Genauso wie Schichtarbeit und der Lärm in der Produktionshalle.

Kreativität und ein Händchen für Technik

Für die Ausbildung, die im Handwerk und in der Industrie angeboten wird, ist kein bestimmter Schulabschluss vorgeschrieben. Die meisten Lehrlinge haben die Mittlere Reife. Freude an Naturwissenschaften und Interesse an Mathematik machen die Arbeit leichter. Franziska begeistert sich zudem für Technik. Besonders die Spezialmaschinen mag sie. Manche Arbeiten kann aber nur ein Mensch erledigen. Beim Testen des Abbrennverhaltens etwa und beim Beurteilen einer Flamme ist Franziska jedem Roboter und jedem Computer haushoch überlegen.

Meisterin? Studium? Alles drin!

Die dreijährige Ausbildungszeit endet mit der Abschluss-/ bzw. Gesellenprüfung. Nach weiteren drei Jahren könnte Franziska dann die Meisterprüfung ablegen. Das sind nur die ersten Sprossen auf der Karriereleiter. Denn auch Abteilungsleiterin könnte sie eines Tages werden. Oder vielleicht noch an die Uni gehen, um zu studieren. Maschinenbau zum Beispiel. Aber eins nach dem anderen. Jetzt will sie erst einmal ihre Ausbildung zu Ende bringen. Franzi hat ihren Traumberuf gefunden: Als Kerzenherstellerin und Wachsbildnerin kann sie kreativ sein und zeigen, dass sie auch ein Händchen für Technik hat.

Die wichtigsten Fakten zur Ausbildung:

  • Offizielle Berufsbezeichnung: Kerzenhersteller/-in und Wachsbildner/-in
  • Ausbildungsdauer: Die Ausbildung dauert drei Jahre.
  • Ausbildungsform: Kerzenhersteller/-in und Wachsbildner/-in wird im dualen System als anerkannter Ausbildungsberuf in Industrie und Handwerk angeboten.
  • Prüfung: Die Auszubildenden legen eine Zwischenprüfung sowie am Ende der Ausbildung die Abschlussprüfung ab. Die Abschlussprüfung besteht aus einem praktischen und einem schriftlichen Teil.
  • Ausbildungsorte: Die Ausbildung wird parallel im Ausbildungsbetrieb und in der Berufsschule durchgeführt. Die einzige Berufsschule Deutschlands ist in München. Während des Blockunterrichts wohnen die Schülerinnen und Schüler i.d.R. im Wohnheim.
  • Zugang: Rechtlich ist - wie für alle Berufe des dualen Systems - kein bestimmter Abschluss vorgeschrieben.
  • Eignung: Handwerkliches Geschick, Interesse an Technik, mathematisches Verständnis und Sorgfalt sind gefragt.
  • Perspektiven: Für Kerzenhersteller/innen und Wachsbildner/innen ist das Jobangebot regional sehr unterschiedlich. Die Branche ist klein aber gesund. Häufig werden die Auszubildenden von den Betrieben übernommen.
  • Alternativen: Figurenkeramformer/-in | Keramiker/-in

Genaue Informationen finden Sie auf den Webseiten der Arbeitsagentur

Die wichtigsten Infos zum Beruf

Genauigkeit

Beim Arbeiten mit filigranen Wachsbildern und beim Verzieren von Kerzen mit Ornamenten müssen Kerzenhersteller/-innen und Wachsbildner/-innen sehr genau und sorgfältig arbeiten.

Arbeitszeit

In einigen Betrieben arbeiten Kerzenhersteller/-innen und Wachsbildner/-innen im Schichtdienst. Zum Ende der Oster- und Weihnachtsgeschäfte kann es sein, dass Überstunden anfallen.

Team

Einige Arbeiten können Kerzenhersteller/-innen und Wachsbildner/-innen nur im Team erledigen. Eigenbrötler sind in dem Beruf fehl am Platz. 


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