ARD-alpha - Ich mach's!


0

Industriekeramiker Modelltechnik Auf den Zehntel-Millimeter genau arbeiten

Geschirrteile zeichnen, Gipsmodelle schneiden, feilen und glätten, flüssiges Silikon in die Form gießen: Industriekeramiker/-innen der Fachrichtung Modelltechnik fertigen Modelle für keramische Produkte, für die industrielle Serienfertigung. Der Job ist vielseitig und stellt hohe Anforderungen: Jeder Fehler im Modellbau würde sich auf die Serie übertragen.

Stand: 31.12.2018

In der Modellabteilung der Firma Rosenthal im oberfränkischen Speichersdorf gießt Jason Rose flüssigen Gips in eine Schalung. Der 18Jährige ist im ersten Ausbildungsjahr zum Industriekeramiker Modelltechnik. Er kennt sich schon aus beim Gips anmischen und beim Einfüllen in die Form. Jetzt muss er abwarten, bis der Gips ausgehärtet ist und er ihn bearbeiten kann. Und zwar millimetergenau nach der gezeichneten Vorgabe. Eine Tasse soll entstehen. Die Maße müssen der Original-Vorgabe entsprechen - jeder Winkel, jede Rundung.

Feines Auge und eine ruhige Hand

Jason Rose arbeitet gern mit den Händen. Er ist stolz, dass er Modelle fertigen kann für Geschirr, das im Alltag gebraucht wird. Und der Job in der Modellabteilung hat einen Riesen-Vorteil: Hier kann Jason ruhig und entspannt arbeiten, während nebenan in den Produktionshallen der Maschinenlärm tobt. Industriekeramiker Modelltechnik brauchen ein feines Auge und eine ruhige Hand. Passt der Henkel genau an die Tasse? Mit einem Kollegen überprüft Jason die Maßgenauigkeit.

"Mich hat an dem Beruf sehr gereizt, dass ich mit den Händen arbeiten kann. Und dass ich etwas herstelle, das im täglichen Alltag häufig genutzt wird."

Jason Rose (18), 1. Ausbildungsjahr

Entwürfe von Designern

Julian Wend ist 19 Jahre alt und lernt in der Porzellanmanufaktur Fürstenberg in Niedersachsen. Seit 1747 wird hier hochwertiges Geschirr gefertigt. Im dritten Lehrjahr bereitet er schon selbstständig flüssige Kunststoffmischungen aus Silikon oder Epoxidharz zu. Diese Mischungen stampft oder gießt er anschließend in die Form, in der sie aushärten. Die Entwürfe für die Geschirrteile stammen von Designern. Doch Julian darf auch mal selbst gestalten: Er entwirft eine Suppentasse mit einem neuen Henkel. In der Zeichnung muss er berücksichtigen, dass die Tasse im Brennofen "schwindet", also kleiner wird - und zwar genau um 13 Prozent. Er muss also diese 13 Prozent in seiner Zeichnung "draufrechnen".

"Beim Abmessen geht es darum, dass ich die einzelnen Maßgaben um 13 Prozent vergrößere, da die Tasse später im Brand um 13 Prozent kleiner wird. In diesem Beruf macht mir sehr viel Spaß, dass ich sehr genau arbeiten muss. Und nicht nur am Computer sitze und tippe oder irgendwelche Briefe schreibe."

Julian Wend (19), 3. Ausbildungsjahr

Im Kommen: Computerzeichnungen mit CAD

Industriekeramiker in der Fachrichtung Modelltechnik besuchen im Blockunterricht die Berufsschule in Selb. Nur wenige Azubis bundesweit lernen genau diese Fachrichtung. Doch die Porzellanindustrie braucht Modelltechniker gerade auch in Zukunft. Dabei wird sich das Gewicht mehr und mehr von der Handarbeit auf den Computer verlagern, die Zeichnungen werden immer häufiger per CAD erstellt. Einzelne Firmen fertigen die Prototypen ihrer Modelle jetzt schon am liebsten mit dem 3-D-Drucker.

Die wichtigsten Fakten zur Ausbildung

  • Offizielle Berufsbezeichnung: Industriekeramiker/-in Modelltechnik
  • Ausbildungsdauer: drei Jahre
  • Ausbildungsform: dual
  • Ausbildungsorte: Betriebe der Porzellanindustrie und Berufsschule
  • Zugang: Es ist kein bestimmter Schulabschluss vorgeschrieben. Die meisten Bewerber bringen einen mittleren Schulabschluss mit.
  • Eignung: handwerkliches Geschick, präzises Arbeiten, Talent zum Zeichnen, gute Mathekenntnisse
  • Perspektiven: Industriekeramiker der Fachrichtung Modelltechnik sind in ihrer Spezialrichtung gefragt. Sie können sich an der Fachschule für Produktdesign weiterqualifizieren oder eine Designhochschule besuchen.
  • Alternativen: Der Industriekeramiker wird in drei weiteren Fachrichtungen ausgebildet: "Anlagentechnik", "Verfahrenstechnik" und "Dekorationstechnik"

Genaue Informationen finden Sie auf den Webseiten der Arbeitsagentur:

Die wichtigsten Infos zum Beruf

Genauigkeit

Industriekeramiker Modelltechnik müssen die Maße der Vorgabe millimetergenau einhalten. Denn das Modell aus Gips oder Kunststoff soll ja später in der Produktion tausendfach vervielfältigt werden - da muss alles genau passen. Auch beim Eingießen des flüssigen Kunststoffs in die Form darf nichts danebengehen.

Handwerkliches Geschick

Die Auszubildenden bearbeiten ihre Gipsmodelle per Hand mit scharfem Werkzeug - an der Drehscheibe oder direkt am Werkstück. Sie müssen mit Feile, Messer und Zahnblech geschickt umgehen können.


0