ARD alpha - Ich mach's!


20

Winzer/-in Philosophie trifft Handwerk

Winzer pflanzen und pflegen Weinstöcke. Die Trauben verarbeiten sie zu Wein, Sekt und Traubensaft. Die Vermarktung der Getränke gehört ebenfalls zum Job der Weinbauern.

Stand: 10.02.2020

Der frühe Herbst zählt zur anstrengendsten Zeit. In nur wenigen Tagen müssen alle Trauben vom Stock. Handarbeit - oft ein wahrer Knochenjob: Immer schräg am Hang, mal sengende Sonne, mal Regen und Wind. Doch das alles schreckt die Winzer nicht. Im Gegenteil. Die Lese gehört für sie meist zu den schönsten Tätigkeiten im Weinberg. Jetzt zeigt sich, wie gut sie das Jahr über im Berg gearbeitet haben. Und wie gut es das Wetter mit den Reben meinte. Die Weinlese ist immer auch Teamarbeit. Da packen alle mit an: Verwandte, Freunde, Nachbarn.

Schneiden, biegen und binden

Die Auswahl der Trauben ist wichtig für die Weinqualität

Die Arbeit im Weinberg zieht sich über das ganze Jahr: der Schnitt, das Biegen und Binden der Reben, die Bearbeitung des Bodens, der Schutz der Pflanzen, der Laubschnitt - nicht zuletzt die Lese. In den Weinreben bildet sich durch Photosynthese Zucker. Der lagert sich in den Trauben ein. Fachleute messen diesen Zuckergehalt in Grad Öchsle.

"Also bei der Weinlese ist es der wichtigste Faktor, dass eine kompetente Mannschaft draußen ist, die alle Bescheid wissen, was reinkommt und was nicht rein darf. Und auch, dass wir alle gut miteinander klar kommen und dass es auch ein schönes Arbeitsklima ist, weil es auch eine sehr stressige Zeit ist im Betrieb und alles sehr schnell gehen muss und viel Hektik da ist wichtig, denke ich, dass man untereinander sehr gut miteinander klar kommt. Und dass das einfach stimmt."

Franzie Schömig (22), 3. Lehrjahr

Sorgfalt im Keller

Gärung im Edelstahltank

Die Weiterverarbeitung im Keller ist ebenso wichtig wie die Arbeit im Weinberg. Das macht den Beruf so abwechslungsreich und so anspruchsvoll. Seit gut 8.000 Jahren stellen die Menschen Wein her. Zunächst in Vorderasien. Vor 2.000 Jahren brachten die Römer auf ihren Eroberungszügen das Wissen um den Wein in die besetzen Gebiete. Nach Franken etwa. Das Prinzip ist seit alters her gleich: In Fässern gärt der Weintraubensaft, oder Traubenmost wie die Vorstufe des Weins korrekt heißt. Zucker wird zu Alkohol. Es entsteht Wein. Seinen Geschmack und die Qualität bestimmen unter anderem die Rebsorte und der Säure- und Zuckergehalt des Mostes. Die Winzer achten dabei stets penibel auf Sauberkeit. Die Kontrolle des Mostgewichtes und der Temperatur sind wichtig, um etwaige Unregelmäßigkeiten schnell zu entdecken und darauf reagieren zu können. Fehler oder Schludrigkeiten im Keller können schnell viel Geld kosten. Während der Ausbildung lernen die Azubis unter anderem alles über die Arbeit im Weinberg, das Herstellen von Wein, wie Wein sensorisch beurteilt und wie Wein vermarktet wird. Viele der Azubis stammen aus Winzerfamilien. Aber wer Talent und Spaß am Weinmachen mitbringt, der kann auch ganz ohne Winzerwurzeln in diesem Beruf Fuß fassen. Entweder betreiben Winzer ein eigenes Weingut, oder sie arbeiten in Genossenschaften oder in anderen Fremdbetrieben. Manchmal auch in der Gastronomie. Die Ausbildung dauert drei Jahre. Die Lehrlinge kommen etwa zu gleichen Teilen von der Hauptschule, der Realschule und vom Gymnasium.

"good old Germany" trifft auf Übersee

Die Wahl des Betriebs ist deshalb gerade bei der Ausbildung zum Winzer extrem wichtig. Manche Weinbauern produzieren Masse. Manche setzen sich das Ziel, wirklich große Weine herzustellen: Philosophie trifft Handwerk. Die modernen Weinmacher aus Australien, Neuseeland und Kalifornien gucken gerne den Winzern aus "good old Germany" über die Schulter - und lernen. Kein Wunder, genießen doch die Weinbauern hier international einen guten Ruf. Auch umgekehrt zieht es viele deutsche Winzer nach der Ausbildung in die Ferne.

Die wichtigsten Fakten zur Ausbildung

  • Offizielle Berufsbezeichnung: Winzer/-in
  • Ausbildungsdauer: Die Ausbildung dauert drei Jahre.
  • Ausbildungsform: Winzer/ -in ist ein anerkannter Ausbildungsberuf nach dem Berufsbildungsgesetz (BBiG). Die bundesweit geregelte Ausbildung wird in der Landwirtschaft angeboten.
  • Prüfung: Die Abschlussprüfung besteht aus einem praktischen und einem schriftlichen Teil. Der praktische Teil dauert maximal sieben Stunden. Dabei müssen je eine Prüfungsaufgabe aus den Bereichen Traubenproduktion, Kellerwirtschaft und Vermarktung abgelegt werden. Der schriftliche Prüfungsteil dauert fünfeinhalb Stunden. Hier werden Kenntnisse in den Bereichen Traubenproduktion, Kellerwirtschaft und Wirtschafts- und Sozialkunde abgefragt.
  • Ausbildungsorte: Winzer/-innen werden im Ausbildungsbetrieb und in der Berufsschule ausgebildet. Der Ausbildungsbetrieb ist in der Regel ein Weingut, oft familiär geführt. Häufig findet zusätzlich auch Unterricht in überbetrieblichen Einrichtungen statt. Der Berufsschulunterricht findet blockweise statt.
  • Zugang: Grundsätzlich wird - wie bei allen anerkannten, nach dem Berufsbildungsgesetz oder der Handwerksordnung geregelten Ausbildungsberufen - keine bestimmte schulische oder berufliche Vorbildung rechtlich vorgeschrieben. Erfahrungsgemäß haben je ein Drittel der Lehrlinge die Haupt-, die Realschule und das Gymnasium besucht.
  • Eignung: Winzer/-innen brauchen einen ausgeprägten Geschmackssinn, handwerkliches Geschick, technisches Verständnis, sollten körperlich fit sein und eine kaufmännische Neigung haben.
  • Perspektiven: Winzer/-innen finden in der Regel nur in den typischen Weinbaugebieten einen Job. Insgesamt sind die deutschen Weinbaubetriebe gut aufgestellt, deshalb bewerten Experten die Berufsaussichten für engagierte Winzer/-innen im Allgemeinen positiv. Auch bei ausländischen Weinbaubetrieben genießen deutsche Winzer/-innen einen guten Ruf.
  • Alternativen: Weinküfer/-in, Landwirt/-in, Gärtner/-in, Forstwirt/-in

Genaue Informationen finden Sie auf den Webseiten der Arbeitsagentur:

Die wichtigsten Infos zum Beruf

Team

Die Arbeit im Weinberg ist immer auch Teamarbeit. Die Winzer arbeiten eng zusammen - sowohl draußen, als auch im Keller und auf dem Hof. Manchmal wohnen die Mitarbeiter sogar auf dem Weingut.

Arbeitszeit

Heimgegangen wird erst dann, wenn die Arbeit gemacht ist. Das dauert bei der Lese oder dem Abfüllen auch mal länger. Überstunden sind da die Regel. Dafür gibt es auch ruhigere Zeiten, in denen die Winzer auch mal früher den Keller zusperren.

Wetter

Winzer müssen wetterfest sein. Weder Regen, noch Sonne und auch nicht strenger Frost dürfen ihnen etwas anhaben. Denn der Alltag spielt sich eben oft draußen ab. Auch im Winter.


20