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Hörakustiker/-in Immer ein offenes Ohr für den Kunden

Über 3.000 Auszubildende lernen derzeit in Deutschland dieses Gesundheitshandwerk. Ein sich rasch entwickelnder Beruf mit Zukunft, denn die Schwerhörigkeit gehört zu den zehn häufigsten gesundheitlichen Problemen.

Stand: 21.05.2018

Christine Chudoba ist schwerhörig - wie über fünf Millionen Menschen in Deutschland. Ihre Lieblingssendung kann sie kaum genießen - immer wieder greift sie zur Fernbedienung, um den Fernseher lauter zu stellen. Ihr wird  klar: Sie braucht ein Hörgerät. Elena Anton kann ihr helfen. Die  28-Jährige lernt gerade den Beruf der Hörakustikerin im dritten Jahr. Ihr Ausbildungsbetrieb ist eine Firma in Nürnberg. Bevor der Laden öffnet, fährt Elena den Computer hoch, steckt die Einzelteile einer so genannten Messbox zusammen und kümmert sich um die Sauberkeit der Geräte.

"Wir sind handwerklich tätig. Das mach' ich auch sehr gerne. Wir haben den Kundenkontakt, die Kundennähe, das Persönliche, das man während der Anpassung aufbaut. Wir haben den medizinischen Aspekt, superinteressant, und die Anatomie, die Pathologie, spielt eine ganz große Rolle, und natürlich die Technik, die kleinen Computer, an denen wir arbeiten. Die Hörgeräte sind ja auch kleine Wunderwerke. Und das fasziniert schon."

Elena Anton (28), 3. Ausbildungsjahr

Eine große Branche

Hörakustik - eine große Branche: 2017 haben rund 15.000 Hörakustiker etwa 1,2 Millionen Hörgeräte angepasst.  Deutschlandweit tragen 3,5 Millionen Menschen ein Hörgerät - und es werden immer mehr. Für den Beruf des Hörakustikers sind Einfühlungsvermögen, handwerkliches Geschick und technisches Verständnis wichtig. Mit ihrer Kundin bespricht Elena Anton zunächst die genauen Probleme. Dann geht es zum Hörtest. Die besondere Nähe zur Kundschaft darf der angehenden  Hörakustikerin dabei nichts ausmachen. Denn nun sieht Elena Christine Chudoba mit einer speziellen Lupe ins Ohr. Danach nimmt sie von Ohr und Gehörgang mit einem schnell härtendem Silikon-Material einen Abdruck. Danach formt sie im betriebseigenen Labor daraus ein Ohrstück aus Acryl. Das braucht sie für das spätere Hörgerät. Elena Anton beherrscht das händische Arbeiten noch: Dieses Wissen wird ihr helfen, wenn neue Techniken ihren Beruf in Zukunft immer mehr prägen.

Immer neue Technik - auch beim Hörgerät

Dass sich die Technik schnell weiterentwickelt, hat die Auszubildende schon an der Landesübergreifenden Berufsschule in Lübeck gelernt. Hierher kommen alle deutschen Azubis, die Hörakustiker werden wollen, zum Theorieunterricht. An der Berufsschule lernt Elena moderne Computerprogramme kennen, mit denen sie Ohrstücke bearbeiten und anschließend im 3D-Drucker ausdrucken kann.

"Diese Computer, die brauchen wir. Die Schnittstellen haben sich verändert, die ganze Bluetooth-Technik hat sich weiterentwickelt.  All diese Dinge werden noch immer besser und sind eine Anbindung zu vielen Möglichkeiten: zum Smartphone, zum Fernseher, zu vielen, vielen Varianten."

Thomas Andres, Meister

Die wichtigsten Fakten zur Ausbildung

  • Offizielle Berufsbezeichnung: Hörakustiker/-in
  • Ausbildungsdauer: 3 Jahre
  • Ausbildungsform: Duale Ausbildung im Fachbetrieb und in der Staatlichen Bundesoffenen Landesberufsschule in Lübeck
  • Prüfung: durchgeführt von der Bundesinnung der Hörakustiker an der Akademie für Hörakustik in Lübeck
  • Ausbildungsorte: Fachbetriebe und Berufsschule in Lübeck Zugang: keine bestimmte Schulbildung vorgeschrieben Die Betriebe stellen überwiegend Azubis mit mittlerem Bildungsabschluss oder Hochschulreife ein
  • Eignung: Einfühlungsvermögen, handwerkliches Geschick, technisches Verständnis
  • Perspektiven: Beschäftigung in Betrieben des Hörakustik-Handwerks und bei industriellen Herstellern von Hörsystemen
  • Weiterbildung: Meister/-in, Studium im Fach Hörtechnik/Audiologie

Weitere Informationen finden Sie auf den Webseiten der Arbeitsagentur:

Die wichtigsten Infos zum Beruf

Geschick

Hörakustiker benötigen handwerkliches Geschick, um beispielsweise Abdrücke der Ohrmuschel und des Gehörgangs zu nehmen. Damit fertigt sie später das Ohrpass-Stück oder die so genannte Otoplastik an. Auch die immer kleiner werdenden Hörgeräte erfordern geschickte Hände.

Genauigkeit

Beim Einstellen der Hörgeräte am Computer gilt es, besonders präzise zu arbeiten. Nur so ist es dem Kunden eine wirkliche Hilfe. Auch die Anfertigung von Otoplastiken, ob mit der Hand oder am Computer, erfordert höchste Genauigkeit. Nur ein perfekt passendes Ohrstück kann der Kunde lange ohne Probleme tragen.

Mobilität

Wie in vielen Bereichen ändert sich die Technik rasant. Auch die Kunden benötigen oft viel mehr Service als früher. So sind Hörakustiker immer wieder unterwegs, um ältere Kunden zuhause zu besuchen.

Kommunikation

Freundlich sein, verbindlich sein, den Kunden ernst nehmen - das gehört zu den Grundvoraussetzungen dieses Berufes. Ob Messungen, Abdrücke nehmen oder das Erklären von Test-Ergebnissen: Der Hörakustiker muss sein Tun auch dem Laien verständlich erklären können.


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