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Hochbaufacharbeiter/-in Feuerungs- und Schornsteinbauarbeiten Beruf mit bester Aussicht

Hochbaufacharbeiter/-innen Feuerungs- und Schornsteinbauarbeiten müssen richtig hoch hinauf zum Arbeiten – auf Schornsteine. Oder richtig tief hinein – ins Innere von Brennkesseln und Industrieöfen. Ob beim Neubau, der Wartung oder der Sanierung, die Fachkräfte müssen zupacken können.

Von: S. Nordhausen

Stand: 03.12.2018

Knapp sechzig Meter geht es in die Tiefe. Nach unten zu schauen ist für Maurice aber trotzdem kein Problem. Absolut schwindelfrei! Maurice steht jeden Tag auf einem der sechs historischen Schornsteine von Zeche Zollverein in Essen. Gemeinsam mit seinen Kollegen mauert er ihn wieder auf eine Höhe von 80 Metern. Ein gefährlicher Job. Aber Maurice ist bestens ausgestattet mit Helm, Schutzbrille, Handschuhen und flammenfester Kleidung. Beim Mauern, Sägen, Schweißen und Flexen könnte schließlich immer mal etwas danebengehen. Oben ist er durch einen Gurt gesichert. Und dann wird gemauert. Sorgfältig trägt der Azubi den Mörtel auf, setzt die Steine millimetergenau und kontrolliert alles mit der Wasserwaage. Polier Uwe Bunzel hilft beim Ausrichten, schaut dem Azubi ganz genau auf die Finger.

"Wir haben S3-Sicherheitsschuhe an, damit nichts passiert, wenn einem was auf den Fuß fällt oder wenn man auf einen Nagel tritt. Dann haben wir flammenhemmende Kleidung an. Wenn es heiß wird, wenn wir flexen oder schweißen und da was an die Kleidung kommt, ist der Körper geschützt. Sicherheitshelm und Schutzbrille müssen auch sein. Der Helm, falls Gegenstände runterfallen und die Sicherheitsbrille, dass uns nichts ins Auge kommt beim Stemmen, beim Mauern, Schweißen oder Flexen."

Maurice Töpfer, 3. Lehrjahr

Achtung, heiß!

Hochbaufacharbeiter Feuerungs- und Schornsteinbauarbeiten tragen viel Verantwortung. Ihre Mauern müssen extreme Hitze aushalten. In den Brennkesseln der Müllverbrennungsanlage Düsseldorf zum Beispiel herrschen mindestens 850 Grad. Das halten nicht einmal die dicken Mauern aus, regelmäßig müssen sie ausgetauscht werden. Wichtig: Zwischen den Steinen dürfen keine Luftblasen sein. Wer hier schlampig arbeitet, der riskiert, dass die Hitze die Mauer regelrecht auseinandersprengt. In so einem Fall müsste der Kessel sofort außer Betrieb genommen werden. Das kostet den Kunden Zeit und Geld.

"Und ich versuche das natürlich so blasenfrei wie möglich zu mauern. Sonst entstehen ja Hohlräume. Das darf nicht passieren, das muss ja feuerfest sein. Und Luftblasen zwischen den Steinen würden das Mauerwerk bei großer Hitze auseinandersprengen."

Valmir Dzelili (18), 2. Lehrjahr

Weit, weit weg

Die Ausbildung dauert zwei Jahre. Das Ausbildungszentrum des Berufsförderungswerks der Bauindustrie NRW in Essen übernimmt den überbetrieblichen Teil. Die bundesweit einzige Berufsschule liegt in Gelsenkirchen. Viele der Azubis müssen pendeln oder im Internat wohnen. Hochbaufacharbeiter/-in Feuerungs- und Schornsteinbauarbeiten ist ein Montagejob. Die Baustellen liegen in ganz Deutschland verstreut, manchmal sogar im Ausland. Da kann es passieren, dass man wochen- oder sogar monatelang nicht nach Hause kommt.

"Da geht man auf Vorarbeiterschule und dann nach der Vorarbeiterschule, wenn der gut ist, dann geht er als nächsten Schritt zur Polierschule. Das ist dann der nächste Schritt."

Bernd Behnke, Vorarbeiter

Gute Chancen

Hochbaufacharbeiter/-innen Feuerungs- und Schornsteinbauarbeiten stehen immer wieder vor Herausforderungen: Sie müssen schwindelfrei, wetterfest, körperlich belastbar und geschickt sein. Wer seinen Job mit Fleiß, Ehrgeiz und Köpfchen meistert, der hat aber auch Chancen sich weiterzubilden und zum/-r Vorabeiter/-in oder Polier/-in hochzuarbeiten. Verlässliche und verantwortungsbewusste Fachkräfte werden auf dem Arbeitsmarkt dringend gesucht!

Die wichtigsten Fakten zur Ausbildung

  • Offizielle Berufsbezeichnung: Hochbaufacharbeiter/-in mit Schwerpunkt Feuerungs- und Schornsteinbauarbeiten
  • Ausbildungsdauer: Zwei Jahre, wobei die meisten Azubis ein weiteres Ausbildungsjahr zum Feuerungs- und Schornsteinbauer anschließen  
  • Ausbildungsform: Duale Ausbildung
  • Prüfung: Am Ende des ersten Ausbildungsjahres legen die Azubis eine Zwischenprüfung ab. Die Ausbildung endet mit einer Abschlussprüfung vor der Industrie- und Handelskammer.
  • Ausbildungsorte: Berufsschule (in Blockform oder an festen Wochentagen), Ausbildungszentrum des Berufsförderungswerks der Bauindustrie NRW in Essen (überbetriebliche Ausbildung) und Ausbildungsbetrieb (Bauindustrie)
  • Zugang: Für diesen Beruf ist keine bestimmte Schulbildung vorgeschrieben.
  • Eignung: Hochbaufacharbeiter/-innen arbeiten oft bei Wind und Wetter draußen und in größer Höhe - Schwindelfreiheit ist ein Muss. Fitness brauchen sie auch, weil sie viel klettern und der Job körperlich anstrengend ist. Außerdem sind ein räumliches Vorstellungsvermögen und Genauigkeit bei der Arbeit wichtig.
  • Perspektiven: Ein drittes Ausbildungsjahr führt zum Abschluss Feuerungs- und Schornsteinbauer/-in. Wer auch organisatorisches Geschick und Führungsqualitäten beweist, kann zum/zur Vorarbeiter/-in und dann zum/zur Polier/-in aufsteigen, also zum verantwortlichen Bindeglied zwischen Arbeitern und Bauleitung. Azubis werden dringend gesucht, derzeit gehen mehr Fachkräfte in Rente als Berufsanfänger starten. 
  • Alternativen:Maurer/-in, Beton- und Stahlbetonbauer/-in, Steinmetz/-in

Die wichtigsten Infos zum Beruf

Gefahr

Ein Stolperer oder Ausrutscher könnte tödlich sein. Hochbaufacharbeiter/-innen Feuerungs- und Schornsteinbau arbeiten schließlich oft auf Schornsteinen in großer Höhe. Sicherheitsgurte schützen sie vor dem Absturz. Außerdem tragen sie auf der Baustelle immer Arbeitsschuhe, einen Helm und dazu oft Handschuhe und Schutzbrille. Flammenfeste Kleidung gehört auch zur Arbeitskluft.  

Genauigkeit

Im Feuerungs- und Schornsteinbau geht's oft um Millimeter! Ihre Mauern müssen gerade sein - und jeder Stein soll millimetergenau auf dem anderen sitzen. Auch beim Anschmieren der Steine mit Mörtel ist Sorgfalt gefragt: Es gilt Luftblasen zu vermeiden. Sonst besteht die Gefahr, dass das Mauerwerk bei starke Hitze platzt.    

Mobilität

Hochbaufacharbeiter/-in Feuerungs- und Schornsteinbauarbeiten ist ein reiner Montageberuf. Das bedeutet, es gibt keinen festen Arbeitsplatz. Überall in Deutschland befinden sich Schornsteine und Feuerungsanlagen, die gebaut, gewartet und repariert werden müssen. Manchmal geht es sogar ins Ausland und das nicht nur ein paar Tage, sondern wochen- oder monatelang.


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