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Fachangestellte für Medien- und Informationsdienste Ein Faible für Medizin und Zahlen

Fachangestellte für Medien- und Informationsdienste in der Fachrichtung Medizinische Dokumentation behalten immer den Überblick. Ob in der Forschung oder im Krankenhaus - die sogenannten "FaMIs" haben eine anspruchsvolle und verantwortungsvolle Aufgabe.

Stand: 23.10.2017

Über eine halbe Million Patienten werden in den Kliniken der Charité pro Jahr ambulant und stationär versorgt, rund 85.000 Operationen durchgeführt. Jede Minute kommen hier neue Daten hinzu. Damit das Gedächtnis der Klinik nichts vergisst, muss das Dokumentationspersonal immer den Überblick behalten. Dazu zählen auch die Fachangestellten für Medien- und Informationsdienste im Fachbereich Medizinische Dokumentation. Sie absolvieren eine 3-jährige Ausbildung im dualen System, also im Betrieb und in der Berufsschule.

Keine Scheu vor Patientengesprächen

Kimberly hat gerade ihre Ausbildung an der Charité begonnen. Um später die Abläufe in der Dokumentation zu verstehen, wird sie die nächsten Wochen vor allem auf den Stationen verbringen und zum Beispiel mit dem Fachpersonal Patientendaten aufnehmen. Die 18-Jährige darf keine Scheu haben vor Patientengesprächen und auch nicht vor Ärzten. Sollte sie hier Fehler finden, ist es ihre Pflicht darauf hinzuweisen. Mit dem behandelnden Arzt geht sie noch einmal die Akte durch, um sicher zu sein, dass nichts fehlt. Erst dann kann die Patientin entlassen werden.

"Das Ziel der Ausbildung soll sein, dass der Azubi im Laufe der Zeit so ziemlich jeden Bereich des Krankenhauses der in irgendeiner Art und Weise mit der Dokumentation und der Patientenbetreuung zu tun hat, einmal gesehen hat und dort mindestens ein paar Wochen Zeit verbracht hat, um dort die Prozesse zu verstehen."

Erik Olm, Ausbilder

Statistik zu Hüfteingriffen

Die Azubis in der Charité müssen schon früh in der Lage sein selbständig und eigenverantwortlich zu arbeiten. Paul ist schon in seinem 2. Ausbildungsjahr und erstellt gerade eine Statistik zu den Hüfteingriffen an der Charité. Mit Zahlen umgehen und in großen Datensätzen den Überblick behalten, dafür musste Paul erst einmal ein Gespür entwickeln. Die Freude an der Arbeit am PC sollte ein angehender FaMi jedoch unbedingt mitbringen.

"Häufig bleibt diese bürokratische Arbeit am ärztlichen Personal hängen, die sich dadurch dann natürlich weniger um die Patienten oder die Probanden kümmern können. Und daher ist der Grundgedanke eigentlich der Fachangestellten für Medizinische Dokumentation, dass sie an dieser Stelle den Arzt oder die Ärztin von diesen bürokratischen Dingen entlasten können."

Hartmut Gräfenhahn, Fachlehrer

Doch auch Paul hat noch unterschiedliche Einsätze in der Klinik vor sich, zum Beispiel im OP. Dort sieht er sich genau an, wie eine Operation abläuft, welche Materialien verwendet werden und was das Pflegepersonal und die Ärzte während eines solchen Eingriffs dokumentieren. Später wird er dann diese Daten kontrollieren und auf ihre Vollständigkeit hin überprüfen.

Auch das Robert-Koch-Institut in Berlin bildet Fachangestellte im Bereich Medizinische Dokumentation aus. Anders als in der Charité haben die Azubis hier nichts mit Patienten, deren Aufnahme oder Krankenakten zu tun. Das Institut betreibt Forschung auf dem Gebiet der Krankheitsüberwachung und -prävention und führt dazu unter anderem verschiedene Studien durch.

25.000 Probanden

Julia hat vor ihrer Ausbildung Pharmazie studiert und dabei ihre Leidenschaft für die Dokumentation entdeckt. Jetzt designed sie einen Fragebogen für eine groß angelegte Studie mit Kindern und Jugendlichen. Dabei ist es wichtig, dass der Fragebogen ansprechend aussieht, logisch aufgebaut und leicht zu verstehen ist. Auch hier ist Genauigkeit gefragt, denn wenn der Fragebogen erst einmal gedruckt ist gibt es kein Zurück mehr.

Rund 25.000 Probanden sollen den Fragenbogen erhalten, ausfüllen und zurück schicken. Solche Studien dauern in der Regel drei Jahre. Sobald die ausgefüllten Fragebögen wieder im Institut eintreffen, kann Viktoria mit dem Einscannen beginnen. Anschließend kontrolliert die Auszubildende die Fragebögen mit einer Software. Viktoria braucht für diese Arbeit viel Konzentrationskraft. Hat sie alle Fragenbögen eingescannt, geht es an die Auswertung. Diese Dokumente werden nach der Studie noch zehn Jahre im Robert-Koch-Institut archiviert. Auch hier handelt es sich um sensible Daten, Chaos ist hier Fehl am Platz.

Die Arbeit im Bereich der Medizinischen Dokumentation ist eine, die eher im Hintergrund stattfindet. Doch sie ist eine äußerst wichtige. Gut aufbereitete Daten und Forschungsergebnisse auf denen unsere heutigen Standards in der Medizin beruhen führen kurz- aber auch langfristig dazu, dass sich diese immer weiter verbessern und auch immer mehr Krankheiten geheilt werden können. Ob am Robert-Koch-Institut oder in der Charité - die Fachangestellten für Medien- und Informationsdienste im Bereich Medizinische Dokumentation haben eine anspruchsvolle und verantwortungsvolle Aufgabe gewählt.

Die wichtigsten Fakten zur Ausbildung:

  • Offizielle Berufsbezeichnung: Fachangestellte/r für Medien- und Informationsdienste, Fachrichtung Medizinische Dokumentation
  • Ausbildungsdauer: Die Ausbildung dauert drei Jahre.
  • Ausbildungsform: Fachangestellte/r für Medien- und Informationsdienste, Fachrichtung Medizinische Dokumentation wird im dualen System als anerkannter Ausbildungsberuf im öffentlichen Dienst sowie in Industrie und Handel angeboten.
  • Prüfung: Die Auszubildenden legen eine Zwischenprüfung sowie am Ende der Ausbildung die Abschlussprüfung ab. Die Abschlussprüfung besteht aus einem praktischen und einem schriftlichen Teil.
  • Ausbildungsorte: Die Ausbildung wird parallel im Ausbildungsbetrieb und in der Berufsschule durchgeführt.
  • Zugang: Rechtlich ist keine bestimmte Vorbildung vorgeschrieben, allerdings stellen die Betriebe i.d.R. Auszubildende mit Hochschulreife ein.
  • Eignung: Diese Fähigkeiten sind gefragt: Interesse an Medizin, mathematisches Verständnis, selbständiges Arbeiten, Sorgfalt.
  • Perspektiven: Bislang gibt es nur wenige Ausbildungsstätten, obwohl der Bedarf durchaus da ist. An der Charité in Berlin gibt es die meisten Azubis, aber auch in der Forschung wie zum Beispiel am Robert-Koch-Institut, in der chemisch-pharmazeutischen Industrie und bei Dienstleistungsunternehmen im Gesundheitswesen werden FaMis gerne eingesetzt. Die Jobperspektiven sind gut.
  • Alternativen: Fachangestellte für Medien- und Informationsdienste in den Fachrichtungen Archiv, Bibliothek, Bildagentur oder Information und Dokumentation | Diplomdokumentar/in (FH-Studium) | Medizinische/r Dokumentar (mit Ausbildung im Medizinbereich) | Medizinische Dokumentationsassistent/in (2-jährige Fachschulausbildung)

Die wichtigsten Infos zum Beruf

Kommunikation

Angehende Fachangestellte der Medizinischen Dokumentation dürfen keine Scheu vor Gesprächen mit den Patienten oder Ärzten haben. Wenn die Akten fehlerhaft sind, haben sie die Pflicht darauf hinzuweißen und müssen sich auch mal durchsetzen können.

Genauigkeit

In riesigen Daten den Überblick behalten oder bei der Verschlüsselung der Patientendaten – genaues Hinsehen und sorgfältiges Arbeiten ist für den Dokumentationsberuf das A und O.


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