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Dachdecker/-in (Energietechnik an Dach und Wand) Hoch hinaus und zwar mit Perspektive

Trittsicher bewegen sie sich in schwindelerregenden Höhen, trotzen jedem Wetter und kommen hoch hinaus: Dachdeckerinnen und Dachdecker. Wer sich für den Schwerpunkt Energietechnik an Dach und Wand entscheidet, bringt zudem einen gewissen Weitblick mit.

Stand: 13.08.2018

Nach rund 40 Jahren ist ein Haus sanierungsbedürftig. Die Auftragsbücher der Firmen sind voll, deshalb werden Fachkräfte händeringend gesucht. Es braucht Holzkonstruktionen für Dachstühle, Dach- und Wandflächen müssen eingedeckt sowie abgedichtet werden. Dachdecker/-innen bringen Wärmedämmungen und Fassadenbekleidungen an und bereiten Flachdächer für Dachbegrünungen vor. Hier müssen beispielsweise die Abflüsse regelmäßig kontrolliert werden, denn bei Starkregen kann Kies die Abläufe verstopfen. Auch das Montieren von Photovoltaik- und Solaranlagen gehört zum Aufgabengebiet.

Lehrling Markus Rindle fand all diese Tätigkeiten an Neu- und Altbauten spannend und bringt zudem mathematische Kenntnisse mit, so dass er sich für die Ausbildung entschlossen hat.

"Mir macht das halt total Spaß, der Umwelt was zu Liebe machen, dass man einfach Heizkosten sparen kann - einfach die alten Häuser energetisch sanieren kann."

Markus Rindle (18), 2. Ausbildungsjahr

Morgens um kurz nach 7 sitzt der 18jährige mit seinem Kollegen Pascal im Firmenwagen - auf dem Weg zu einem Reihenmittelhaus in München. Hier wird gerade das Dach saniert. Sie bringen Nachschub an Dämmmaterial. Ob Glas-, Steinwolle oder wie heute Holzweichfaser - Markus kennt sich inzwischen  gut mit den verschiedenen Materialien aus. Immer wieder muss er Schutzkleidung tragen - heute reichen Sonnencreme und Sicherheitsschuhe, bevor es hoch hinausgeht.

"Von Anfang an muss man halt hundert Prozent geben. Wenn man da nicht aufpasst, dann schneidet man sich mal schnell mit der Kettensäge oder baut mit dem Kran nen Unfall. Und da verlassen sich die Kollegen auch auf einen, wenn man da am Vortag ne Party schmeißt oder so, dann ist man in der Früh nicht fit und dann können sich die Kollegen nicht blind auf einen verlassen."

Pascal Geiger, Dachdecker

Sanieren macht Sinn

Oben angekommen schneidet Markus die Holzweichfaserdämmung zu und beginnt mit dem Dämmen. Er muss darauf achten, dass keine Fugen entstehen. Denn sonst bildet sich an diesen Fehlstellen Schwitzwasser.

"Man muss einfach Dächer luftdicht bauen, damit keine Luft in das Dach zirkulieren kann. Weil überall da, wo Luft zirkuliert, haben wir Feuchtigkeit mit dabei und sobald wir Feuchtigkeitseinträge in Dächer haben, kann's ganz schnell zu immensen Bauschäden führen."

Jürgen Honold, Energieberater

Dachdecker mit dem Schwerpunkt Energietechnik an Dach und Wand wollen stets das Raumklima ihrer Kunden verbessern.

"Schwerpunkt Energietechnik ist eigentlich ein ganz wichtiger zukunftsfähiger Markt. Weil einfach ganz viele alte Dächer da sind. Im Schnitt werden so ein Prozent der Dächer saniert und wenn man das denkt, das ist eigentlich jetzt schon viel zu wenig Personal da um das zu bewältigen."

Jürgen Miller, Dachdeckermeister

Immer öfter hebt der Chef von Markus, Jürgen Miller, ab und bleibt dennoch am Boden - dank Drohne. Das unbemannte Flugobjekt kontrolliert beispielsweise Photovoltaik- und Solaranlagen. Beide Systeme dürfen weder verdreckt noch beschädigt sein. Die Auswertung findet vor Ort am Monitor statt und spart dem Firmenchef Zeit, Personal und damit Geld. So lässt es sich auch sicherer arbeiten.

Exotin auf dem Dach

Diana Bojanic hat erst im Gartenbau gearbeitet und später über ein Praktikum ins Dachdeckerhandwerk geschnuppert. Jetzt mit 38 macht sie die Ausbildung zur Dachdeckerin und hat sich damit einen langersehnten Traum erfüllt. Als Frau ist Diana eine Exotin auf dem Dach. Mit ihr fand die Firma zum ersten Mal seit 1934 eine Auszubildende.

"Der ein oder andere ist plötzlich auch höflicher, wenn eine Frau auf der Baustelle rumrennt. Also man soll's kaum glauben, aber es gibt wenig blöde Sprüche, erstaunlich wenige."

Daniel Preißinger, Dachdeckermeister

Wie von allen anderen wird auch von Diana körperlicher Einsatz gefordert, zum Beispiel beim Heben und Tragen von schwerem Baumaterial. Nach einem dreiviertel Jahr hat sie schon ordentlich an Muskeln zugelegt.

"Ich mein abends, wenn ich daheim bin, dann merk ich schon, was ich getan hab, aber das ist bei den Männern auch nicht anders. Und ich denke, wenn man einfach Freude an der Arbeit hat, dann ist das alles nur noch halb so schwer."

Diana Bojanic (38), 1. Ausbildungsjahr

Wer sich für die dreijährige duale Ausbildung zur Dachdeckerin und zum Dachdecker mit dem Schwerpunkt Energietechnik an Dach und Wand entscheidet, wählt einen nachhaltigen Beruf mit Perspektive.

Die wichtigsten Fakten zur Ausbildung

  • Offizielle Berufsbezeichnung: Dachdecker/-in Schwerpunkt Energietechnik an Dach und Wand 
  • Ausbildungsdauer: Die Ausbildung dauert drei Jahre.
  • Ausbildungsform: Zur Arbeit im Lehrbetrieb kommt der regelmäßige Besuch der Berufsschule im Blockunterricht. Bundesweit gibt es zwanzig Ausbildungszentren des Deutschen Dachdeckerhandwerks. Z.B. in Bayern: Kompetenzzentrum Dachtechnik (Waldkirchen), in Baden-Württemberg: Dachdecker Bildungszentrum (Karlsruhe)
  • Prüfung: Staatliche Abschlussprüfung in Theorie und Praxis, durch den Gesellenprüfungsausschuss der Handwerkskammer
  • Ausbildungsorte: Flächendeckend gibt es deutschlandweit Meisterbetriebe im Fassaden- und Dachbau, die auf Sanierung und Energietechnik spezialisiert sind
  • Zugang: Es ist kein bestimmter Schulabschluss vorgeschrieben. Die meisten Auszubildenden haben die Hauptschule besucht.
  • Eignung: Handwerkliches Geschick, mathematisches Verständnis, körperliche Grundfitness, Teamfähigkeit, Arbeit bei Wind und Wetter, schwindelfrei sein
  • Perspektiven: Die Berufsaussichten sind sehr gut. Ein zukunftssicherer Handwerksberuf, der nicht durch Maschinen ersetzt werden kann. Dächer müssen turnusmäßig ca. alle 30- 40 Jahre saniert werden. Die Fachkräfte werden im In- und Ausland gesucht.
  • Alternativen: Zimmerer, Spengler

Genaue Informationen finden Sie auf den Webseiten der Arbeitsagentur:

Die wichtigsten Infos zum Beruf

Gefahr

Auf Dachschrägen besteht Absturzgefahr. Hier braucht es Konzentration - trotz aller Hektik und Betriebsamkeit. Auf Leitern und Gerüsten sind Umsicht, eine gute Bewegungskoordination und Schwindelfreiheit gefragt. Sicherheitsvorschriften sind einzuhalten, gerade auch im Umgang mit Maschinen. Bei der Verarbeitung von Glaswolle z.B. ist Schutzkleidung zu tragen, denn das Material reizt die Haut.

Kraft

Von Dachdeckerinnen und Dachdeckern wird körperlicher Einsatz gefordert, zum Beispiel beim Heben und Tragen von schwerem Baumaterial. Dachlatten, Betondachsteine, Tondachziegel oder Sonnenkollektoren haben ein hohes Eigengewicht und nicht immer können Maschinen zum Einsatz kommen. Somit ist körperliche Fitness Grundvoraussetzung für diesen Beruf.

Geld

Im Vergleich zu anderen Handwerksberufen liegt das Gehalt von Dachdeckern im oberen Mittelfeld. Der Verdienst liegt im ersten Lehrjahr bei 650 Euro und steigert sich auf 1050 Euro im dritten Lehrjahr.


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