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Umschulung nach Krankheit Trotz Unfall oder Burnout zurück in den Arbeitsmarkt

Eine Umschulung wird auch "Berufliche Rehabilitation" genannt. Ob Unfall, Allergie oder Burnout: Jahr für Jahr werden tausende Arbeitnehmer so krank, dass sie ihren alten Beruf aufgeben müssen. Treffen kann es jeden, in jedem Alter.

Stand: 22.02.2016

Tomaz Hohkraut ist 40 und lernt gerade einen völlig neuen Beruf. Eigentlich hat er Kfz-Mechaniker gelernt, sich in der Branche immer fortgebildet - doch dann kam der Bandscheibenvorfall. Ein Schock für den Familienvater: Schnell war klar - Tomaz braucht einen neuen Job. Harte körperliche Arbeit, schwer heben in der Werkstatt  - das ging von einem Tag zum anderen nicht mehr. Nach einer Reha ist Tomaz körperlich wieder fit - die Deutsche Rentenversicherung zahlt ihm nun die Umschulung in einen kaufmännischen Job: Tomaz schult in Fürth um - zum Einzelhandelskaufmann in einem Geschäft für Auto-Hifi-Bedarf.

"Es ist schon sehr komisch, wenn jemand einem mitteilt, dass man in seinem erlernten Beruf, oder das, was man gerne macht, nicht mehr arbeiten darf und auch nicht mehr sollte, weil die Folgeschäden extremer sein könnten, Rollstuhl oder so. Das war dann schon etwas mulmig,  ja."

Tomaz Hohkraut (40), Umschüler

Berufliche Rehabilitation

Eine Umschulung wird auch "Berufliche Rehabilitation" genannt. Ob Unfall, Allergie oder Burnout: Jahr für Jahr werden tausende Arbeitnehmer  so krank, dass sie ihren alten Beruf aufgeben müssen. Treffen kann es jeden, in jedem Alter. Am Anfang stehen dann viele offene Fragen. Das Internet bietet viele grundsätzliche Informationen. Eine gute Anlaufstelle: Die "Gemeinsamen Servicestellen für Rehabilitation". Die Servicestellen arbeiten trägerübergreifend und unabhängig. Sie sitzen in jeder größeren Stadt und klären auch im persönlichen Gespräch kostenlos alle wichtigen Fragen.

Welcher Job kommt in Frage?

Die Agentur für Arbeit ist ein Träger von beruflicher Reha. Hier kümmern sich spezielle Reha-Berater sowie ein berufspsychologischer Service und ein Ärztlicher Dienst um Rehabilitanden. Spezielle Berater sitzen auch bei der Deutschen Rentenversicherung und bei anderen Trägern. Am Anfang stehen immer Erstberatungen und Gespräche, dann - wenn nötig - medizinische und psychologische Untersuchungen bei den hauseigenen Ärzten. So soll festgestellt werden, wie fit der angehende Umschüler ist und welche Jobs überhaupt in Frage kommen.

Aktiv werden

Ganz wichtig: Der neue Beruf muss passen. Es wird nicht irgendein Job zugeteilt, wo gerade Stellen frei sind - im Gegenteil: Der Umschüler muss sich aktiv kümmern. Die Kosten für den Lebensunterhalt und die eigentliche Umschulung übernimmt der jeweilige Träger. Umschüler sind keine Bittsteller: Die Träger haben eine großes Interesse daran, dass die Menschen wieder einen Job auf dem ersten Arbeitsmarkt finden, weil sie dann bald wieder Sozialversicherungsbeiträge einzahlen, statt selbst vorzeitig eine Rente zu beziehen.

"Der Umschüler hat nicht nur ein Mitspracherecht, sondern er muss sich das aussuchen, was er machen möchte und muss davon überzeugt sein. Ich versuche schon, wenn es irgendwie möglich ist, den Kundenwunsch zu erfüllen. Eine Umschulung ist echt heftig. Die haben ein Jahr weniger und müssen dieses eine Jahr einholen. Und das geht nur, wenn ich motiviert bin."

Claudia Heckmann, Reha-Beraterin Arbeitsagentur Nürnberg

Drei Arten von Umschulung

Die beliebteste ist die betriebliche Umschulung. Dabei lernt der Umschüler in einer Firma und besucht noch die Berufsschule in Fürth - fast so wie ein Azubi. Nur hat der Umschüler ein Jahr weniger Zeit. Manche Berufe werden nicht in Berufsschule und Firma ausgebildet, sondern nur an Fachschulen: Das betrifft oft Jobs aus dem Bereich Gesundheit und Soziales. Auch hier ist eine Umschulung möglich. Das Schulgeld übernimmt dann der Träger. Die dritte Möglichkeit: Eine überbetriebliche Umschulung, zum Beispiel bei einem Berufsförderungswerk. Dort werden Umschüler in Übungswerkstätten und Lernbetrieben ausgebildet. Im Berufsförderungswerk gibt es Hilfe für alle, die mehr Unterstützung brauchen, zum Beispiel Gespräche mit den Psychologen und viele Tests, um herauszufinden, wo genau Stärken und Schwächen liegen. Zusammen mit Arbeitspädagogen gehen die Umschüler an praktische Berufsfindungstests heran, lösen zum Beispiel Aufgaben zum sprachlichen und räumlichen Denken. Viele müssen das schulische Lernen nach Jahrzehnten erst wieder üben.

Das Ziel jeder Umschulung ist ein vollwertiger Berufsabschluss und eine gelungene Integration auf dem Arbeitsmarkt. Der Umschüler soll eine neue Arbeit finden, die er problemlos schafft und die ihm vor allem Spaß macht.

Weitere Infos

  • Voraussetzungen für eine berufliche Reha: Es gibt persönliche und versicherungsrechtliche Voraussetzungen. Es muss zum Beispiel bereits eine erste Berufsausbildung vorliegen. Die bisherige Arbeitskraft muss wegen einer körperlichen oder seelischen Erkrankung gefährdet oder gemindert sein.
  • Welcher Träger ist zuständig? Agentur für Arbeit - für Umschüler, die weniger als 15 Jahre Beiträge in die Rentenkasse gezahlt haben; Deutsche Rentenversicherung - z.B. für Umschüler, die mehr als 15 Jahre Beiträge in die Rentenkasse eingezahlt haben oder bereits eine Erwerbsminderungsrente bekommen; Berufsgenossenschaften: Arbeitsunfälle, Berufskrankheiten. Es gibt noch weitere Träger.
  • Möglicher Ablauf: Beratung bei einem Träger und Vorgespräche | medizinische und psychologische Tests | Antrag beim Träger stellen | Auswahl der richtigen Einrichtung zusammen mit dem Träger | Prüfung im neuen Beruf vor der IHK oder Handwerkskammer
  • Beratungsstellen: Gemeinsame Servicestellen für Rehabilitation (trägerübergreifend) | Bundesagentur für Arbeit | Deutsche Rentenversicherung | gesetzliche Unfallversicherung | Krankenkassen und Berufsgenossenschaften
  • Besonderheiten: Umschulung dauert in der Regel zwei Jahre | Kosten für Lebensunterhalt und Umschulung werden übernommen | Ziel: vollwertiger Berufsabschluss | oft gute Chance auf eine neue Stelle
  • Vorteile: meist schneller Neustart ins Berufsleben | zweite Chance durch neuen Job | wieder eigenes Einkommen | mehr Kontakte, mehr Selbstbewusstsein

Infos im Netz

www.reha-servicestellen.de - trägerübergreifende Beratung zum Thema Umschulung und Rehabilitation

Deutsche Rentenversicherung:
0800 / 1000 4800 kostenloses Servicetelefon
www.deutsche-rentenversicherung.de

www.arbeitsagentur.de und www.kursnet.de

www.einfach-teilhaben.de

www.talentplus.de = Portal mit praktischen Tipps für Menschen mit Behinderung

Bundesarbeitsgemeinschaft für Rehabilitation e. V. (BAR)
Solmsstraße 18 | 60486 Frankfurt am Main | Telefon: 069 605018-0 | Fax: 069 605018-29, E-Mail: info@bar-frankfurt.de
www.bar-frankfurt.de/rehabilitation-und-teilhabe/leistungen-zu-reha-und-teilhabe

www.ard-alpha.de/ich-machs - über 300 Ausbildungsberufe im Filmportrait


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