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Nachholen eines Berufsabschlusses Endlich einen Abschluss in der Tasche

Es gibt viele Gründe, warum man eine Ausbildung abbricht oder gar nicht erst anfängt. Klar ist: Die Chancen auf dem Arbeitsmarkt sind sehr viel größer, mit einem Berufsabschluss.

Stand: 23.02.2016

Nach dem Abitur hatte sich Christian Möser vorgenommen Musikmanagement zu studieren. "Da es den Studiengang damals nicht gab, habe ich ihn mir quasi selbst zusammengebaut. Ich habe BWL, Spanisch und Musikwissenschaft auf Magister studiert", erzählt er. Um praktische Erfahrung zu sammeln und Geld zu verdienen, fing er am Stadttheater Aschaffenburg als freier Mitarbeiter an.

"Ohne Berufsausbildung geht's halt nicht"

"Hier erlebe ich jeden Tag etwas anderes, es passiert einfach etwas", so Christian Möser. "Weil wir ausschließlich Gastspiele haben, bauen wir mehrmals die Woche Kulissen auf und ab und leuchten die Bühne ein. Anders als im Studium sieht man sozusagen schnell einen Erfolg." Nach ein paar Jahren entschied sich der heute 35-Jährige, sein Studium abzubrechen. Stattdessen arbeitete er weiter am Stadttheater, 40 Stunden und mehr pro Woche. Von seinen Kollegen unterschied ihn nur eines: Er hatte keine abgeschlossene Ausbildung vorzuweisen. "Und das braucht man schon, vor allem, wen man sich irgendwann einmal woanders bewerben möchte."

"Ohne irgendeine abgeschlossene Berufsausbildung geht's halt nun mal nicht. Und nur Abi ist auch blöd. Und dann habe ich mich dazu entschlossen, den Finger hier zu nehmen, der mir hingehalten worden ist, habe mit meinen Chefs hier geredet, ob sie hinter mir stehen würden, und hab mich dann entschlossen, das durchzuziehen."

Christian Möser, Mitarbeiter Stadttheater Aschaffenburg

Christian machte sich schlau und meldete sich bei der Industrie- und Handelskammer (IHK) Aschaffenburg für die Externenprüfung zur Fachkraft für Veranstaltungstechnik an. Das heißt, er besucht nicht die Berufsschule, legt aber gemeinsam mit dem aktuellen Azubi-Jahrgang die Prüfung ab. Darauf bereitet er sich mit Fachbüchern und alten Prüfungen vor, ergänzend könnte er aber auch Kurse und Seminar an der IHK besuchen.

Die Gesellenprüfung hat es in sich

Ohne Unterstützung hätte Caroline Kretz ihre Prüfung zur Elektronikerin nicht geschafft, "obwohl ich den Beruf seit 15 Jahren ausübe." Doch die Gesellenprüfung hat es in sich. "Zum Glück haben mir die Handwerkskammer für Unterfranken und die Elektroinnung Schweinfurt quasi ein individuelles Lernpaket geschnürt", sagt Caroline. Sie durfte bei der überbetrieblichen Lehrlingsausbildung dabei sein und auch Meisterkurse besuchen, "da habe ich schon eine Menge mitgenommen." Ausbilder Willi Stein ging zusätzlich viele praktische Übungen mit ihr durch. Dafür "opferte" Caroline Feierabende, Wochenenden und Urlaubstage.

"Früher durfte ich manche Handgriffe gar nicht ausführen, weil ich ja keine Ausbildung in dem Beruf hatte. Jetzt aber kann keiner mehr sagen: Die darf das nicht, die hat ja die Ausbildung nicht. Ich kann jetzt sagen: Ich habe einen Gesellenbrief und ich bin Elektriker. Ich gehe auch ganz anders an Sachen heran, weil ich mehr Selbstvertrauen habe."

Caroline Kretz, Elektronikerin

Und der Aufwand hat sich gelohnt: Mittlerweile hat Caroline ihren Gesellenbrief in der Tasche - und damit auch einen neuen Arbeitgeber gefunden.

Externenprüfung

Wer seinen Berufsabschluss nachholen will, kann als externer Kandidat an einer Gesellen- oder Abschlussprüfung teilnehmen - auch "Externenprüfung" genannt. Prüfungsort ist die jeweilige Industrie- und Handwerkskammer bzw. Handwerkskammer. Wer zur Externenprüfung zugelassen werden möchte, muss mindestens das Eineinhalbfache der vorgeschriebenen Ausbildungszeit in dem Beruf tätig gewesen sein, in dem er die Prüfung ablegen möchte. Bei einem dreijährigen Ausbildungsberuf sind das viereinhalb Jahre. Dabei können auch Ausbildungszeiten in einem anderen Ausbildungsberuf berücksichtigt werden. Die Berufserfahrung muss man mit Arbeitszeugnissen, Arbeitsverträgen oder anderen Bescheinigungen nachweisen. Beim Lernen ist man nicht auf sich alleine gestellt: Bildungsträger wie die Beruflichen Fortbildungszentren der Bayerischen Wirtschaft (bfz) bieten Seminare und Lehrgänge an, mit denen man sich - auch berufsbegleitend - auf die Prüfung vorbereiten kann.

Die wichtigsten Fakten

  • Ansprechpartner: Industrie- und Handelskammer | Handwerkskammer | Agentur für Arbeit | Arbeitgeber
  • Vorteile eines Berufsabschlusses: bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt | viele Weiterbildungsangebote
  • Prüfungsvorbereitung: Kurse in Voll- oder Teilzeit | Tages- oder Wochenend-Seminare | individuelles Lernen
  • Kosten: Prüfungsgebühr | Gebühren für zusätzliche (freiwillige) Seminare, Voll- oder Teilzeitkurse
  • Finanzierungsmöglichkeiten: Erspartes oder jobben | Förderung von der Agentur für Arbeit | Unterstützung durch Arbeitgeber

Infos zur Externenprüfung


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