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Fachwirt/-in Auf der Leiter zum Erfolg

Im Job Verantwortung übernehmen, den wirtschaftlichen Erfolg des Unternehmens mitgestalten und Nachwuchskräfte ausbilden: Wer sich zum Fachwirt weiterbildet, schafft oft den Sprung in die mittlere Führungsriege seiner Firma - auch ohne Abitur.

Stand: 15.03.2016

Michael Neumann steigt auf der Leiter zum beruflichen Erfolg steil nach oben. Nachdem der 31-jährige die Weiterbildung zum Technischen Fachwirt absolviert hat, wurde er bei Laservision in Fürth zum Teamleiter seiner Abteilung befördert. Nun trägt er Verantwortung für acht Mitarbeiter. Er erstellt Dienstpläne, teilt das Personal dort ein, wo es benötigt wird und sorgt dafür, dass die Aufträge termingerecht fertig werden. Die Uvex-Unternehmenstochter entwickelt und produziert Laserschutzprodukte wie Brillen und Scheiben. Früher stand der Verfahrensmechaniker selbst in der Fertigung, montierte Brillen und bediente die Geräte zur Lasergravur. Jetzt verhandelt er mit Lieferanten und prüft die Qualität der Ware.

Auch finanziell gelohnt

Neben dem Job hat Michael Neumann zweimal wöchentlich abends die Schulbank gedrückt - fast drei Jahre lang. Durchhaltevermögen und Disziplin haben sich für ihn bezahlt gemacht - in jeder Hinsicht. Sein Arbeitsalltag hat sich verändert, ist spannend und voller Herausforderungen und auch finanziell hat sich die Weiterbildung gelohnt. Mit der erfolgreich abgelegten Prüfung hat er außerdem die Zugangsberechtigung zur Hochschule erworben und studiert nun berufsbegleitend "Wirtschaftsingenieurwesen".

"Also es ist schon so, dass die Freizeit drunter leidet, der Kontakt zu Freunden einfach eingeschränkt ist. Man muss sich die Zeit für die Weiterbildung einfach nehmen und auch zum Lernen. Ja das Risiko geht man ein, dass das andere Leute vielleicht nicht so gut finden, aber man muss das einfach auf sich nehmen, wenn man das machen möchte."

Michael Neumann

Fachwirte gibt es in allen Branchen vom Bilanzbuchhalter bis zum Fachwirt für Tourismus: Es gibt eine Vielzahl verschiedener Fachwirt-Abschlüsse und ebenso viele Bildungsanbieter. Öffentlich-rechtliche Träger wie die Industrie- und Handelskammern oder die Handwerkskammern bieten Kurse an und führen Prüfungen durch. Aber auch private Institute bereiten auf die Prüfung vor. Ob in Vollzeit, berufsbegleitend oder per E-Learning von zu Hause aus - es gibt für jeden das passende Angebot.

"Online-Learning ist ein Lehr- und Lernformat, das bei uns stark im Kommen ist. Und um zunächst vielleicht mit einem Vorurteil aufzuräumen: Das muss durchaus nicht unpersönlich sein bzw. der Unterschied zum konventionellen, reinen Präsenzunterricht besteht schlicht und ergreifend darin, dass bestimmte Lernsequenzen von zu Hause aus mit Unterstützung von digitalen Medien durchgeführt werden und die Kommunikation nicht unbedingt im Gruppenunterricht alleine stattfindet, sondern in Chats, Telefonaten mit den Moderatoren und Dozenten oder auch in Foren, also medien- und digital unterstützt. E-Learning bietet eindeutig den Vorteil, dass man zeit- und ortsunabhängig lernen kann. Auf der anderen Seite fordert es natürlich auch eine gewisse Selbstdisziplin, unabhängig von gesetzten Terminen wirklich selbst das Pensum zu schaffen und auch z.B. die einzelnen Aufgaben pünktlich zu bearbeiten. Es gilt da einfach, die realistische persönliche Einschätzung zu finden."

Jochen Raschke, IHK-Akademie Nürnberg

Julia Paulus hat sich für die berufsbegleitende Weiterbildung bei der Handwerkskammer Unterfranken entschieden. So kann sie während der Fortbildung weiter arbeiten und zum Familieneinkommen beitragen. Jeden Samstag besucht sie die Kurse an der "Akademie für Unternehmensführung" in Würzburg.

"Also ich bin jeden Samstag da von früh bis spät nachmittags. Da bekommt man auf jeden Fall schon mal viel Wissen mit, was man braucht, und bei Schwierigkeiten kann man jederzeit nachfragen. Auch die Lehrer oder die Dozenten sind da sehr hilfsbereit. Und es wird auch geschaut, dass die letzten Samstage vor den Prüfungen speziell nochmal für Lernaufgaben zur Verfügung stehen, dass man da eben schauen kann, wo sind die Schwierigkeiten, was hat man nicht verstanden. Die helfen einem wirklich sehr."

Julia Paulus

Perspektive auf Vollzeitbeschäftigung

Die zweifache Mutter arbeitet seit der Erziehungszeit halbtags im familiengeführten Elektrobetrieb Seynstahl in Kitzingen. Die Weiterbildung zur Kaufmännischen Fachwirtin bietet ihr die Perspektive auf Vollzeitbeschäftigung, wenn die Kinder einmal größer sind. Außerdem soll sie den Juniorchef bei der Betriebsführung unterstützen, die Bücher führen und kaufmännische Lehrlinge im Betrieb ausbilden, wenn die Seniorchefs einmal in Rente gehen.  Die nötigen betriebswirtschaftlichen Kenntnisse erwirbt sie während der Weiterbildung bei der HWK: Personal führen, Nachwuchs ausbilden, Steuerrecht, Rechnungswesen und Marketing stehen hier auf dem Stundenplan. Die Kosten für die Weiterbildung von rund 3.300.- Euro trägt der Arbeitgeber. Die Mehrfachbelastung durch Kinder, Haushalt, Job und tägliches Lernen ist enorm und ohne familiäre Unterstützung kaum zu stemmen. Doch für die Aussichten auf Erfolg und Zufriedenheit im Beruf nimmt Julia Paulus diese Anstrengung gerne in Kauf.

Die wichtigsten Fakten zum Fachwirt

  • Offizielle Bezeichnung: Geprüfter Fachwirt/-in
  • Ausbildungsdauer: Branchenabhängig unterschiedlich: Wer die Weiterbildung in Vollzeit absolviert, muss mit  durchschnittlich sechs Monaten rechnen, in Teilzeit dauert die Weiterbildung durchschnittlich 2 - 2,5 Jahre.
  • Ausbildungsorte: Öffentlich-rechtliche und private Akademien
  • Prüfung: Je nach Branche: Industrie- und Handelskammer, Handwerkskammer, Landesärztekammer oder interne Prüfungsausschüsse
  • Voraussetzungen: Abgeschlossene Berufsausbildung plus mind. 1 Jahr Berufserfahrung; abgeschlossenes Hochschulstudium und mind. zwei Jahre Berufserfahrung; ohne Berufsabschluss: mindestens fünf Jahre Berufserfahrung
  • Kosten der Weiterbildung: Zwischen 2600.-  und 3500.- Euro Kursgebühr plus Lehrmaterial und Prüfungsgebühren
  • Finanzierung: Aufstiegsausbildungsförderung (=Meister-BAföG); in Bayern: Meisterbonus; Weiterbildungsstipendium; ggf. Bildungsgutschein
  • Perspektiven: Mittlere Führungsposition im Unternehmen; Spezialisierung; Studium durch Erwerb der Hochschulzugangsberechtigung mit bestandener Prüfung

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