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Berufliche Anerkennung Leben in Deutschland - Arbeiten in Deutschland

Wer im Ausland einen Beruf erlernt hat, kann prüfen lassen, ob seine erworbene Qualifikation einer vergleichbaren deutschen Ausbildung gleichwertig ist. Die Anerkennung ausländischer Berufsabschlüsse regelt das Berufsqualifikationsfeststellungsgesetz.

Stand: 01.04.2016

Eine berufliche Anerkennung ist meist hilfreich. In einigen Berufen ist sie sogar Voraussetzung für die Ausübung des Berufs in Deutschland. Zu diesen reglementierten Berufen zählen Arzt, Krankenpfleger, Rechtsanwalte, Lehrer, Erzieher und Ingenieure. In nicht reglementierten Berufen ist eine Anerkennung für die Berufsausübung nicht zwingend vorgeschrieben. In diesen Berufen kann man sich also direkt auf dem deutschen Arbeitsmarkt bewerben und arbeiten. Doch sowohl die Chancen auf dem Arbeitsmarkt als auch die Bezahlung sind gegebenenfalls besser, wenn die Bewerber die Gleichwertigkeit ihrer Berufsqualifikation belegen können und damit den potentiellen Arbeitgebern zeigen, welchen Aufgaben sie gewachsen sind. Außerdem eröffnet ein als gleichwertig anerkannter Abschluss den Zugang zu beruflichen Fortbildungen.

Anpassungslehrgang oder Prüfung

Deutschkurs

Nicht reglementiert sind in Deutschland alle sogenannten Ausbildungsberufe, also Berufe, die im dualen System ausgebildet werden. In reglementierten Berufen müssen die Bewerber bei festgestellten Unterschieden die von der zuständigen Stelle festgelegten Ausgleichmaßnahmen, d.h. einen Anpassungslehrgang oder eine Prüfung, erfolgreich absolvieren, um in diesem Beruf arbeiten zu dürfen. In den nicht reglementierten Berufen kann es hilfreich sein, die im Bescheid aufgeführten fehlenden Qualifikationen durch die Teilnahme an passenden Qualifizierungsangeboten auszugleichen. Für ausländische Hochschulabschlüsse, die nicht zu einem reglementierten Beruf hinführen (z.B. Mathematiker, Ökonom, Journalist), ist keine Anerkennung notwendig. Es besteht aber die Möglichkeit, eine individuelle Zeugnisbewertung bei der Zentralstelle für ausländisches Bildungswesen (ZAB) zu beantragen.

Der gesetzliche Rahmen

Je nach Beruf sind unterschiedliche Stellen für die Anerkennung zuständig. Das Team der IHK FOSA in Nürnberg etwa bearbeiten bundesweit für 77 Industrie- und Handelskammern Anträge für Abschlüsse aus den Bereichen Industrie, Handel, Gastronomie und Dienstleistungen. FOSA steht für Foreign Skills Approval. Kein Antrag gleicht dem anderen. Jeder Fall wird individuell beurteilt.

"Die Anerkennung ausländischer Berufsabschlüsse ist wichtig. Es fängt schon an bei der Bezeichnung: es gibt Länder, in denen kriegen Sie beispielsweise ein Zeugnis, da steht nur drauf: 'Maschine' -  da wissen sie noch gar nichts. Wurde die Maschine zum Beispiel von demjenigen hergestellt, wurde sie von ihm verkauft, hat er sie entwickelt? Es geht weiter: Ausbildungszeiten sind unterschiedlich, die Frage der Anteile 'Praxis und Theorie'. Wir sind der hier in Deutschland mit der dualen Ausbildung sehr praxisorientiert, dass ist in anderen Ländern teilweise sehr unterschiedlich! Manchmal gibt es Praxisanteile zwar im normalen Unterricht aber meist nicht in dem Maße, wie wir es hier in Deutschland kennen."

Heike Klembt-Kriegel, Geschäftsführerin IHK FOSA

Klar, ein Antrag auf eine Gleichwertigkeitsprüfung kann nur gestellt werden, wenn ein im Ausland erworbener Berufsabschluss tatsächlich vorliegt. Un- oder angelernte Personen ohne einen formalen Berufsabschluss können keinen Antrag auf Prüfung der Gleichwertigkeit ihrer Qualifikation stellen. Eine unbeschränkte Arbeitsaufnahme ist möglich für Staatsangehörige der Europäischen Union (mit Ausnahme Bulgariens und Rumäniens), des Europäischen Wirtschaftraumes und der Schweiz. Für Staatsangehörige aus Drittstaaten gelten differenzierte Regelungen.

Der Antrag

Die Antragsformulare haben je nach der zuständigen Stelle und manchmal je nach Berufen unterschiedlichen Namen. Sie heißen beispielsweise "Antrag auf Feststellung der Gleichwertigkeit" oder gelten nur speziell für einen bestimmten Beruf, z.B. "Antrag auf Eintragung in die Architektenliste". Im Einzelfall muss das Formular vor der schriftlichen Antragstellung vorab elektronisch ausgefüllt und verschickt werden. Zur Bearbeitung des Antrags auf Anerkennung sind in der Regel folgende Dokumente notwendig:

  • Identitätsnachweis (Reisepass oder Personalausweis; ggf. Nachweis über Namensänderung, Heiratsurkunde) 
  • Nachweis des Berufs- bzw. Ausbildungsabschlusses (Abschlusszeugnis, Hochschul-Diplom) 
  • Nachweise über Inhalte und Dauer der absolvierten Ausbildung (Fächeraufstellung und Notenlisten der Ausbildung, Studienbuch, Diploma Supplement, Transcript of records)
  • Nachweise der einschlägigen Berufserfahrungen (Arbeitszeugnisse, Arbeitsbücher) 
  • Sonstige Befähigungsnachweise (Zeugnisse über Weiterbildungen oder Umschulungen) 
  • Kurzer Lebenslauf (tabellarische Übersicht über die Ausbildungsgänge und Fortbildungen sowie über die bisherige Erwerbstätigkeit) 
  • Erklärung über die evtl. bisher erfolgte Antragstellung (Erklärung, ob und ggf. mit welchem Ergebnis schon zuvor ein Antrag gestellt wurde) 
  • Nachweis, dass der Antragsteller in Deutschland arbeiten will.

Je nachdem, welcher Beruf ausgeübt werden soll, sind ggf. weitere Dokumente für die Antragstellung erforderlich. Dies trifft insbesondere zu für reglementierte Berufe aus den Bereichen "öffentliche Gesundheit", "Sicherheit" (z.B. Architektenberufe) und "Erziehung/Ausbildung" (z.B. Lehrer/innen, Erzieher/innen, Sozialarbeiter/innen).

Je nach Beruf müssen die Antragsteller einige der folgenden Unterlagen und Bescheinigungen zusätzlich einreichen:

  • Nachweis der gesundheitlichen Eignung (in der Regel eine aktuelle ärztliche Bescheinigung, in einigen Fällen aber auch lediglich eine persönliche Erklärung zum individuellen Gesundheitszustand)
  • Nachweis der persönlichen Eignung/Zuverlässigkeit, z. B. Führungszeugnis, Auszug aus dem Strafregister bzw. ein gleichwertiger Nachweis aus dem Herkunftsland, Erklärung, ob ein gerichtliches Strafverfahren bzw. ein Insolvenzverfahren anhängig ist (alle Nachweise dürfen in der Regel nicht älter als drei Monate sein),
  • Nachweis über eine ausreichende berufliche Haftpflichtversicherung (oft mit einer bestimmten Versicherungssumme).

Ein Bescheid ergeht innerhalb drei Monaten. Diese Frist läuft ab dem Zeitpunkt, an dem alle Unterlagen vorliegen und Gebühr entrichtet ist.

Infokasten:

Wo gibt es Informationen?

  • Portal www.anerkennung-in-deutschland.de
  • IHK FOSA
  • Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Anmerkung: Hotline Arbeiten und Leben in Deutschland des BAMF und der BA)
  • Bundesagentur für Arbeit
  • Bundesministerium für Bildung und Forschung


Wichtig zu wissen!

  • Unterlagen müssen übersetzt, das Abschlusszeugnis zudem noch beglaubigt werden
  • keine Originale einreichen!
  • ein Bescheid ergeht innerhalb drei Monate (Frist läuft ab dem Zeitpunkt, an dem alle Unterlagen vorliegen und Gebühr entrichtet ist)
  • Gebühren fallen an


Relevante Unterlagen (Auswahl)

  • Abschlusszeugnis der Ausbildung
  • Nachweise über einschlägige Berufserfahrung
  • Nachweise über Weiterbildungen etc.
  • Identitätsnachweis
  • Tabellarische Aufstellung der absolvierten Ausbildungsgänge und der ausgeübten Erwerbstätigkeiten in deutscher Sprache

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