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Autoren-Porträt Thomas Hürlimann

Thomas Hürlimann ist einer der erfolgreichsten Schweizer Schriftsteller der Gegenwart. Ein großes Thema für ihn sind Abschiede. Aber auch Schweizer Tabus spricht er an.

Von: Stefan Bagehorn

Stand: 28.03.2019 | Archiv

Thomas Hürlimann erhält den Bayerischen Literaturpreis in München am 25.09.2003 | Bild: picture-alliance/dpa

Thomas Hürlimann wurde 1950 in der Schweiz im ländlichen Ort Zug geboren. In den 80er-Jahren ließ er sich als Schriftsteller im alternativen Berlin-Kreuzberg nieder. Aber die Liebe führte ihn bald wieder in seine Heimat zurück. Dort scheut sich Hürlimann nicht, Schweizer Tabus anzusprechen: zum Beispiel die Rolle der Schweiz im Zweiten Weltkrieg in dem Theaterstück "Großvater und Halbbruder" oder den unterschwelligen Antisemitismus in der Novelle "Fräulein Stark". Auch ein großes Thema für ihn sind Abschiede:

"Mich interessieren Abschiede - auch im privaten Leben. Ich beobachte sie sehr häufig, ich denke immer, dass wir heute es besser schaffen, uns voneinander zu verabschieden als uns zu begrüßen. Wir sind irgendwo eine Abschiedsgesellschaft oder - wie Martin Walser das so unübertrefflich ausgedrückt hat - wir stehen auf der Abwärtsschräge."

Thomas Hürlimann

Ein Abschied hat den Schweizer Schriftsteller Thomas Hürlimann besonders geprägt: In jungen Jahren starb sein Bruder an Krebs. Diese Erfahrung brachte ihn zum Schreiben.

"Alles, was Religion ist, was Jenseits ist, alle diese Dinge habe ich hinter mir. Und plötzlich sah ich mich mit Fragen, die ich eigentlich schon gelöst hatte, wieder konfrontiert. Plötzlich musste ich mich fragen: Hältst du es aus, dass mit dem Tod dieses Menschen seine Existenz wirklich ausgelöscht ist? Hältst du diesen Gedanken aus? Und diese Frage kann ich bis heute nicht endgültig beantworten."

Thomas Hürlimann

Der Tod ist ein Hauptthema in Hürlimanns vielen Romanen, Dramen und Novellen. Das muss nicht immer nur traurig sein - wie zum Beispiel in dem Erzählband "Die Tessinerin" oder in der Novelle "Das Gartenhaus".

"Wenn mir jemand sagt: ‚Ich wusste nicht, ist das jetzt eine komische Geschichte oder eine schreckliche', dann denke ich, da hat etwas funktioniert. Weil das ungefähr dem entspricht, was ich von der Welt und von mir selber halte."

Thomas Hürlimann


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