ARD-alpha - Grundkurs Deutsch


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10. Erörtern 10.2. Die dialektische Erörterung

Nun zur zweiten typischen Art der Erörterung: der dialektischen. Bei ihr braucht man Pro- und Kontra-Argumente. Hier wird eine Methode gezeigt, die beim Sammeln von Argumenten hilft.

Von: Stefan Bagehorn

Stand: 30.03.2019 | Archiv

Die zweite typische Art der Erörterung ist die dialektische oder Pro-Kontra-Erörterung. Sie funktioniert nach dem System: Eine Ausgangsfrage - was spricht dafür, was spricht dagegen und für welche Seite entscheide ich mich.

Mögliche Fragestellungen

  • "Sollte das Klonen von Menschen erlaubt werden? Wie beurteilen Sie diesen Sachverhalt."
  • "Wie stehen Sie zu der Forderung, die Herstellung von Zigaretten weltweit zu verbieten?"

Aufbau einer dialektischen Erörterung

Auch bei der dialektischen Erörterung führt die Einleitung gezielt zum Thema hin. Im Hauptteil muss man sich im Unterschied zur linearen Erörterung mit Pro und mit Kontra des Themas beschäftigen: Zuerst behauptet und beweist man also seine These "Dafür" und anschließend seine These "Dagegen", die Antithese. Folglich stehen im Hauptteil eine Anzahl Argumente sowohl für die Pro- als auch für die Kontra-Position. Jetzt muss man sich entscheiden: Welche Argumente sind denn nun überzeugender? Dafür ist die Synthese da.

Die Synthese

Man muss sich in der Synthese aber nicht zwangsläufig exklusiv dafür oder dagegen entscheiden - man kann zum Beispiel auch einen Kompromiss vorschlagen. Hauptsache, die eigene Entscheidung ist nachvollziehbar, das heißt, sie beruht auf einer Abwägung der zuvor angeführten Pro- und Kontra-Argumente. Daher sollte man in der Synthese keine neuen Begründungen mehr aus dem Hut zaubern, sondern nur noch die bereits vorhandenen gewichten.

Die Argumente

Vor dem Gewichten der Argumente steht zunächst das Finden dieser, also die Frage: Wie komme ich überhaupt zu meinen Argumenten? Klar: nachdenken, Kopf zerbrechen und in den hintersten Wissenswinkeln kramen und eine Stoffsammlung anlegen. Das hilft auf jeden Fall. Und was zusätzlich noch nützlich ist, sind die W-Fragen.

Die W-Fragen

Die W-Fragen sind alle Fragen, die mit einem W beginnen, also zum Beispiel: wer, wie, was, wieso, weshalb, warum? Die Idee dahinter sieht so aus:

Man sieht sich zunächst die Aufgabenstellung der Erörterung genau an und beginnt dann, gedanklich an die Kernbegriffe des Erörterungsthemas W-Fragen zu stellen. Über die Antworten kommt man dann zu den Argumenten.

Beispiel:

Fragestellung:

"Vier Wochen ohne Fernsehen und Computer - welche Vor- und Nachteile verbinden Sie persönlich mit einem solchen Verzicht?"

(Dieses Thema war vor einigen Jahren Prüfungsthema an den bayerischen Realschulen)

Mögliche W-Fragen:

  • Welche Vorteile haben TV und PC für mich?
  • Wozu benutze ich diese Medien überhaupt?
  • Wobei fehlen sie mir?
  • Welche Sendungen schaue ich mir im Fernsehen an? Welche nicht? Und warum?
  • Welche Internetangebote nutze ich? Warum?
  • Was bringt es mir, vier Wochen aufs Fernsehen zu verzichten?
  • Was bringt es mir, vier Wochen auf den Computer zu verzichten?
  • Wie beziehungsweise wozu kann ich die frei gewordene Zeit sinnvoll nutzen?
  • Welche Auswirkungen wird der Medienverzicht auf meinen Körper haben?
  • Welche Auswirkungen auf meinen Geist?
  • Welche Nachteile habe ich, wenn ich vier Wochen auf TV und PC verzichte?

Man muss die W-Fragen-Methode nicht zwingend verwenden. Sie können Ihre persönliche Stoffsammlung gestalten, wie Sie wollen. Aber die W-Fragen sind kleine Helfer, um die eigene Ideenproduktion anzukurbeln.


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