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TU München Wind- und Energiewissenschaft

Wie sieht das ideale Material für Windflügel aus? Wie lassen sich Windflauten ausgleichen? An der Technischen Universität München suchen Forscher nach Antworten, wie man Windkraft möglichst effizient und kostengünstig nutzen kann.

Von: Sebastian Hanisch

Stand: 11.05.2014

Um die vielfältigen Forschungsaufgaben im Bereich der Windenergie an der Technischen Universität München verstärkt angehen zu können, hat die Universität jetzt einen eigenen Lehrstuhl für Windenergie eingerichtet. Der Italiener Prof. Dr. Carlo Bottasso leitet ihn. Der international renommierte Wissenschaftler kam von der Polytechnischen Universität Mailand nach München, um hier selbst zu forschen und die verschiedenen Forschungen an zahlreichen Lehrstühlen der TU München zusammenzuführen.

"Das große Ziel dabei ist es, die Kosten der Energiegewinnung zu senken. Das funktioniert aber nur, wenn man die Probleme ganzheitlich betrachtet. Daher müssen wir die Expertise aus vielen verschiedenen Ingenieurs- und Wissenschaftsbereichen zusammenbringen."

Prof. Dr. Carlo Bottasso

Materialfehlern mit Licht und Hammer auf der Spur

Materialforschung an der TUM

Windenergie möglichst preiswert produzieren - dazu gehört auch, die teuren Rotorblätter ohne großen Aufwand, effizient und preisgünstig überprüfen zu können. Am Lehrstuhl für zerstörungsfreie Prüfung der TUM setzt man Licht ein, um Materialfehler aufzuspüren. Mit Spezialkameras untersuchen die Wissenschaftler, wie das Verbundmaterial der Rotorblätter auf die Bestrahlung mit Licht einer ganz bestimmten Frequenz reagiert. So werden Klebefehler innerhalb der Rotoren sichtbar, die im schlimmsten Fall zur Zerstörung eins Windflügels führen können. Am Lehrstuhl von Prof. Dr. Christian Große kommt man Materialfehlern aber auch akustisch auf die Spur: mit einem speziellen Hammer, mit dem die Rotorblätter „abgeklopft“ werden, können Beschädigungen im Inneren eines Rotorblattes lokalisiert werden.

Windkraftforschung hat viele Ansätze

Prof. Dr. Carlo Bottasso

Das Hauptaugenmerk von Prof. Dr. Carlo Bottasso liegt aber nicht auf der Prüfung. Sein Forschungsschwerpunkt ist das optimale Design von Windkraftrotoren. Das sucht er mit Hilfe von Computer-Simulationen und Windtunneltests. Doch die Forschungsansätze im Bereich Windenergie sind nahezu unerschöpflich:

"Wir müssen besser verstehen, wie sich der Wind in komplexen Umgebungen verhält, zum Beispiel in bewaldeten Gebieten oder innerhalb eines ganzen Windparks. Wir müssen die Aerodynamik besser verstehen. So könnten wir die Effizienz steigern. Wir müssen besser verstehen, wie wir Verbundmaterialien einsetzen können, um größere Rotoren zu bauen, die weniger kosten."

Prof. Dr. Carlo Bottasso

Und die Liste ließe sich fortsetzen. Wie können Bürger bei der Errichtung eines Windparks besser mitwirken? Wie lässt sich die Lärmbelästigung durch die Anlagen reduzieren? Auch darum geht es bei der Windenergieforschung an der Technischen Universität München.


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