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Verbundpromotion Doktortitel für Fachhochschüler

Promovieren ohne Uni-Abschluss und als Studierende einer Hochschule für Angewandte Wissenschaften - das ist in Bayern möglich. Seit 2016 können sie während einer sogenannten Verbundpromotion den Doktortitel erwerben. Rainer Koch ist der Erste, der in Bayern auf diesem Weg die Promotion abgeschlossen hat.

Von: Annekathrin Wetzel

Stand: 31.10.2018

Das Bayerische Wissenschaftsforum (BayWISS) ermöglicht seit 1. Januar 2016, Absolventinnen und –absolventen von Hochschulen für Angewandte Wissenschaft (HAW), die Promotion. 

Verbundpromotion | Bild: BR

Der Softwareentwickler Rainer Koch ist der erste Doktorand des Verbundkollegs „Digitalisierung“. Am 16. Mai 2018 schloss er die Verbundpromotion in Zusammenarbeit mit der TH Nürnberg und der Uni Würzburg erfolgreich mit der Verteidigung seiner Dissertation ab. Wie es Rainer Koch bis zu seiner besonderen Promotion geschafft hat, ist eine außergewöhnliche und inspirierende Geschichte.

"Es ist auf alle Fälle eine Erleichterung für uns Doktoranden von der Hochschule, die nicht standardgemäß an der Uni promovieren, jetzt diese Möglichkeit zu haben. Und es motiviert mich sehr, wenn ich sehe, dass etwas entwickelt wird, das vielen Menschen zukünftig helfen kann und das macht dann auch Spaß."

 Dr. Rainer Koch, Softwareentwickler

Förderung wissenschaftlicher Karrieren

Um in der Forschungslandschaft mitwirken zu können, ist für hochqualifizierte Absolventinnen und Absolventen die Möglichkeit zur Promotion essentiell. Der Dachverband BayWISS fördert Promotionsprojekte zwischen Universitäten und Hochschulen für Angewandte Wissenschaften, bei denen Professorinnen und Professoren die Doktoranden gemeinsam betreuen. Diese Betreuung und Begutachtung der Promotionsprojekte im Team, bedeutet eine entscheidende Qualitätssteigerung. Rainer Koch ist mit seiner Dissertation ein gutes Beispiel dafür, wie die Förderung wissenschaftlicher Karrieren des Bayerischen Wissenschaftsforums gelingt. Betreut wurde er von Prof. Dr. Andreas Nüchter an der Universität Würzburg und Prof. Dr. Stefan May, Leiter des Labors für mobile Robotik an der TH Nürnberg.

"Bei unseren Studierenden an der TH Nürnberg ist das Bewusstsein da, dass mit dem Studiumsende das Ziel erreicht ist. Aber jetzt noch die Perspektive weiter zu führen und Zugänge zu Promotionen zu haben, dass ist ganz wichtig, damit wir auch über den zweiten Bildungsweg wissenschaftliche Exzellenz erreichen können. Und Zusammenarbeiten ist immer eine gute Idee."

Prof. Dr. Stefan May, Technische Hochschule Nürnberg

"Es ist natürlich so, dass auch an Fachhochschulen extrem clevere Leute sind. Die Ressourcen muss man einfach nutzen. Uns treiben ja wissenschaftliche Fragestellungen im Bereich Robotik und KI an und genau diese wissenschaftlichen Fragen haben die Promotion von Rainer Koch voran gebracht."

 Prof. Dr. Andreas Nüchter, Julius-Maximilians-Universität Würzburg

 Rainer Kochs Werdegang

Zunächst machte Rainer Koch eine Ausbildung als Bauzeichner. Dann holte er in zwei Schritten das Abitur nach, zunächst das Fachabitur in Technik. Dann absolvierte er die 13. Klasse mit einer zweiten Fremdsprache, um das allgemein Abitur zu erlangen. Er studierte 'Energietechnik und Anlagenautomatisierung" an der Technischen Hochschule Nürnberg. Danach arbeitete er im Forschungsinstitut ELSYS als Entwicklungsingenieur. Parallel dazu studierte er im Master "Mechatronische und Elektronische Systeme". Bei Prof. Dr. Stefan May baute er das Labor für mobile Robotik auf und promovierte schließlich.  

Rainer Kochs Forschung im Bereich der mobilen Robotik

Rainer Koch entwickelte eine optimierte Kartierung und Lokalisierung für die industrielle mobile Robotik-Anwendung. Bislang setzten Robotik-Systeme zur Lokalisierung und Hinderniserkennung Laserscanner ein. Die Erkennungssysteme werden jedoch durch reflektierende Objekte oder transparentes Material irritiert, was zu einer Kollision führen kann. Verhindert wird das meist durch den Einsatz weiterer Sensoren beispielsweise auf Basis von Ultraschall. Hier setzt die Forschung von Rainer Koch an. 

Rainer Koch bei einer Feuerwehrübung

Rainer Koch engagiert sich seit über 20 Jahren in seinem Heimatort bei der Freiwilligen Feuerwehr Dattelbach bei Würzburg. Er hat erlebt, was es bedeutet, wenn bei einer Katastrophe Menschen und auch die Rettungskräfte in Lebensgefahr sind. 

"Da kam mir dann die Idee, in der Rettungsrobotik etwas zu entwickeln, das Rettungskräften zukünftig hilft: einen Roboter, der die Suche nach Menschen in brennenden oder eingestürzten Gebäuden übernimmt und dadurch die Suche sicherer macht und den Menschen hilft."

 Dr. Rainer Koch, Softwareentwickler

 Labor für mobile Robotik an der TH Nürnberg:

Das Labor für mobile Robotik an der TH Nürnberg forscht an Algorithmen zur Umweltwahrnehmung und Steuerungskonzepten mobiler Roboter. Das Labor ist seit mehreren Jahren in zahlreichen Industrieprojekten Partner für den Transfer von wissenschaftlichen Ergebnissen in den Bereichen Roboterkontrollarchitekturen, Lokalisierung und Kartographie. Seit 2012 nimmt das Labor mit dem Team AutonOHM an internationalen RoboCup-Wettkämpfen teil und ist seit 2017 amtierender Weltmeister in der Liga „Logistik@Work“. 

Die Teams @Work und @rescue wurden bereits mehrfach deutscher Meister. Gerade durch die interdisziplinären Fragestellungen in den Bereichen Mechanik, Aktuatorik, Sensorik und Datenverarbeitung entstehen durch die Kooperation vorteilhafte Synergien der Fakultäten.

Robo Cup Montreal 2018

Videomaterial von Johannes Ziegler, Student Master Applied Research in Engineering, Science, Labor für Mobile Robotik, TH Nürnberg

Bayerisches Wissenschaftsforum (BayWISS):

Um die Zusammenarbeit aller bayerischen Hochschulen in Bayern zu stärken, wurde die BayWISS in Bayern gegründet. Kooperative Promotionsprojekte zwischen Hochschulen für Angewandte Wissenschaften und Universitäten werden in thematisch separierten Verbundkollegs gefördert. 


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