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Theater spielen Auftritt auf Brettern, die die Welt bedeuten

Theater spielen aus Leidenschaft: Jedes Semester inszenieren Studierende der KU Eichstätt-Ingolstadt ein Theaterstück ihrer Wahl. Campus Magazin begleitet Studierende, die dabei praktische Erfahrungen in Dramaturgie und Inszenierung sammeln und sich als Schauspieler ausprobieren.

Von: Christian Wurzer

Stand: 06.02.2018

Proben der Wanderbühne Eichstätt, Theatergruppe der Katholischen Uni Eichstätt-Ingolstadt | Bild: BR

Die Wanderbühne in Eichstätt ist eine Gruppe von Studierenden aller Fachrichtungen, die immer gegen Ende des Semesters ein Stück auf die Bühne bringt. Im Wintersemester 2017/18 steht das Stück „Die kahle Sängerin“ von Eugène Ionesco auf dem Spielplan. 

Dada: Absurdes Theater

"Die Message ist, das eigene und das gesellschaftliche Verhalten ein bisschen zu hinterfragen. Es geht in dem Stück um sehr viele Belanglosigkeiten, die Menschen austauschbar machen. Und wenn man darauf achtet, merkt man auch ganz schnell, dass man selber in diese Muster verfällt und dass mache unserer Gespräche leer und inhaltslos sind. Das ist das eigentliche Thema des Stücks."

 Leon Gaube, Schauspieler der Wanderbühne

„Die kahle Sängerin“ – spärliche Handlung in 11 Szenen

Mr. und Mrs. Smith, ein gutbürgerliches britisches Ehepaar, hat sich außer hohlen Phrasen nichts mehr zu sagen. Auch Mr. und Mrs. Martin haben sich total entfremdet. In ihrem Gespräch leiten sie sich mit grotesken Schlussfolgerungen her, dass sie verheiratet sind und eine gemeinsame Tochter haben. Mr. und Mrs. Martin besuchen die anderen beiden. Nur langsam entwickelt sich ein Gespräch, in dem alle aneinander eigentlich vorbeireden. Als dann noch der Feuerwehrhauptmann auftritt, gerät die banale und sinnentleerte Konversation total aus den Fugen. Der Small-Talk der feinen Gesellschaft wird in der "kahlen Sängerin" übersteigert und ad absurdum geführt. Zum Ende hin artet der Dialog aus in ein wildes Sammelsurium von Worten, die sich die Figuren zuwerfen, die aber keinen Sinn mehr ergeben. Die Konversation gerät zu einem Geschrei, aneinander vorbei. Die Rollen sind trotz der unterschiedlichen Personen, die sie darstellen, austauschbar. Die Figuren haben keine Persönlichkeit mehr. Das Stück endet mit einem da capo. Mrs. Smith beginnt am Ende die gleichen leeren Worte zu sprechen, die sie schon zu Beginn des Stückes sagte. Die Botschaft: es ist egal was gesagt wird, alles ist banal und leer.

Theaterspielen seit dem Kindergarten

Leon studiert Musikpädagogik. Schon im Kindergarten spielte er Theater. Seither hat es ihn nicht mehr losgelassen. In der Schule machte weiter und jetzt im Studium, gehört er zum Ensemble der „Wanderbühne Eichstätt“. Im Stück „Die kahle Sängerin“ von Eugène Ionescu spielt er die Rolle des Mr. Martin.

"Theaterspielen das ist eigentlich absolut 'der' Moment, du stehst auf der Bühne und dann  blendest du irgendwie alles aus. Das Publikum ist da, aber da bist du so in deiner Rolle und im Geschehen drinnen. Das ist was sehr kleines, was sehr komprimiertes und dann aber in sich doch wieder sehr, sehr groß."

 Leon Gaube, Schauspieler der Wanderbühne

Eugène Ionesco war französischer Dramatiker rumänischer Abstammung.

Eugène Ionesco war französischer Dramatiker rumänischer Abstammung. Mit „Die kahle Sängerin“ gab er 1950 sein Debüt als Bühnenautor. In den 50er und 60er Jahren entwickelte er sich zu einem der wichtigsten Vertreter des Absurden Theaters. Seine frühen Einakter verursachten Skandale. Sie wurden in kleinen Avantgarde- und Studententheatern aufgeführt. Später fanden seine Werke Eingang in den wichtigsten französischen Theatern und auch im Ausland und wurden besonders oft in Deutschland aufgeführt. 1994 starb Ionesco in Paris. 

Kleidung, Ausdruck der Persönlichkeit im Leben und auf der Bühne

Im wirklichen Leben präsentiert man sich auch durch die Kleidung. Es heißt nicht um sonst „Kleider machen Leute“. Die Kleidung eines Menschen ist, neben dem Gesicht, das Erste was man oft wahrnimmt, wenn man einen Menschen ansieht. 

Kristina Schmitt promoviert in Theaterpädagogik und ist für die Ausstattung des Stücks verantwortlich. Auch wenn in ihrem Leben spielt Kleidung eine wichtige Rolle und sie genießt es immer wieder neu, die Kostüme für ein Theaterstück zu schneidern. Für das Stück „Die kahle Sängerin“ nähte sie Kostüme, die die Austauschbarkeit der Personen versinnbildlichen sollte. Alle Kostüme sind vom gleichen Stoff und passen zur Bühnendekoration, die das Muster der Westen der Schauspieler wiederholt.

"Der Reiz, Kostüme fürs Theater zu schneidern, ist, dass Kleidung eine ganz andere Bedeutung bekommt, dass Kleidung auf der Bühne eine wahnsinnig große Wirkung hat und man auch so viel ausprobieren kann. Solche Kostüme müssen nicht tragbar sein. Solche Westen würde man nie im Alltag tragen. Man kann sich was aussuchen; man kann kreativ sein; man kann Grenzen überschreiten und ausbrechen und das gefällt mir."

 Kristina Schmitt, Kostümschneiderin der Wanderbühne

Persönlichkeitsbildung durch Theater

Für Kristina und Leon ist Theater eine Leidenschaft, die sie auch in ihre Ausbildung einbringen können. Die gemeinsame Inszenierung ist eine Lehrveranstaltung am Lehrstuhl für Didaktik der deutschen Sprache und Literatur Ihrer Uni. Nach der Aufführung schreiben die Studierenden in der Regel eine Reflexion zur gemeinsamen Inszenierung und den Probenarbeiten, die ebenfalls in die Notengebung einfließt. Allerdings geht es bei dieser Lehrveranstaltung nicht nur um Credit-Points, sondern um mehr.

"Man kann sich selber gut kennenlernen. Grade im Ensemble, wie funktioniert da die Interaktion? Wie reagiere ich darauf, wenn es den einen oder anderen Hänger gibt? Wie souverän bin ich? Theaterspielen hat persönlichkeitsbildende Skills, die ich mit geliefert bekomme auf eine sehr freudvolle Art und Weise. Die Studierenden wachsen an sich und an der Rolle und in jedem Fall auch an dem Ensemble."

 Claudia Bürk-Auner, Lehrstuhl für Didaktik der deutschen Sprache und Literatur, KU Eichstätt-Ingolstadt

Theaterspielen als Teil des Studiums

Die Uni Eichstätt-Ingolstadt bietet kein Studium der Theaterwissenschaften oder des Schaupiels an. Das Studienangebot zum Theaterspiel ist auf angehende Lehrer und Pädagogen zugeschnitten, die später in n ihrem Beruf Theater didaktisch einsetzen wollen. Der Studiengang Theaterpädagogik bereitet sie genau dafür vor. An der Uni in Eichstätt kann man wie Kristina in diesem Fach auch promovieren. 

Weitere Informationen zum Studiengang Theaterpädagogik an der KU-Eichstätt-Ingolstadt:


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