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Prof. Dr. Christian Laforsch Macht uns Plastikmüll krank?

Plastikmüll ist ein weltweites Problem und der Bedarf an Kunststoffen steigt immer mehr. Was passiert mit dem Plastikmüll? Wie gefährlich ist er für unsere Umwelt und Gesundheit?

Stand: 02.03.2020

Kunststoffe finden sich in einer enormen Vielzahl an Produkten moderner Gesellschaften. Der Bedarf an Kunststoffen wird in den kommenden Jahrzehnten sowohl global als auch national weiter stark ansteigen, wodurch das Aufkommen von Plastikmüll ebenfalls rapide zunehmen wird. Jeglicher bis dato in die Umwelt gelangte Plastikmüll verweilt dann über mehrere hundert Jahre in den Ökosystemen, aufgrund der sehr langsamen Abbaudynamik von Kunststoffen. Daher rückt die Kontamination von aquatischen Ökosystemen mit Kunststoffmüll als Umweltrisiko immer stärker in den Blickpunkt des öffentlichen Interesses.

Aufgrund von Degradationsprozessen zerfällt der Kunststoffmüll in kleinere Fragmente, zu sogenanntem Mikroplastik. Zudem können Mikroplastikpartikel aus Kunststoffbekleidung, Kosmetika oder Reinigungsprodukten über das Abwasser und die Kläranlagen in Oberflächengewässer gelangen. Eine weitere potentielle Eintragsquelle stellen in der Landwirtschaft verwendete Kunststoffe dar, die über den Wind oder dem Abfluss von Regenwasser in Gewässer eingetragen werden können.

Kunststoffpartikel können giftige Additive enthalten, organische Schadstoffe adsorbieren und als Vektoren für Pathogene dienen. Gerade Mikroplastikpartikel bergen die Gefahr von Organismen aufgenommen zu werden und können sich dadurch in höheren trophischen Ebenen der Nahrungskette anreichern, wobei sie dann eine potentielle Gefahr für Mensch und Umwelt darstellen.

Die Verunreinigung von aquatischen und terrestrischen Ökosystemen mit Plastikmüll und Mikroplastikpartikel stellt ein potenzielles Umweltrisiko dar. Wissenschaftsbasierte Aussagen zu den Effekten auf Organismen und Ökosysteme sowie zur Konzentration in der Umwelt sind aktuell jedoch nur bedingt vorhanden.

Christian Laforsch studierte Biologie an der LMU München. Nach seiner Promotion war er Gastwissenschaftler am Institut für experimentelle Physik II der Universität Leipzig, anschließend an der Universität in Lancaster, sowie Wissenschaftlicher Mitarbeiter an der LMU München am Lehrstuhl für Evolutionsbiologie. Nach seiner Habilitation 2009 erhielt er die Lehrbefähigung und Lehrbefugnis für die Fächer Zoologie und Ökologie. Von 2010 bis 2011 war Christan Laforsch Leiter der limnologischen Forschungsstation Seeon, LMU München und übernahm eine Vertretungsprofessur für aquatische Ökologie am Department Biologie II, LMU München. Danach war er ein Jahr als akademischer Oberrat am Lehrstuhl für Evolutionsökologie, Department Biologie II, LMU München bis er 2012 den Lehrstuhl Tierökologie I, Fakultät für Biologie, Chemie und Geowissenschaften an der Universität Bayreuth übernahm. Seit Oktober 2015  ist er zudem Vizepräsident für Forschung und wissenschaftlicher Nachwuchs der Universität Bayreuth.


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