ARD-alpha - Campus


5

Dipl.-Pol. Christopher Coenen Wie Phantasien der Vergangenheit heutige Technikvisionen prägen

Dipl.-Pol. Christopher Coenen vom Institut für Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) erklärt, wie Phantasien der Vergangenheit heutige Technikvisionen prägen.

Stand: 09.07.2019

Die Technikfolgenabschätzung (TA) untersucht eine Vielfalt nicht technologischer Aspekte naturwissenschaftlich-technologischer Entwicklungen aus stark interdisziplinärer Perspektive. Oft steht die Frage im Zentrum, wie solche Entwicklungen in der Bevölkerung und von Interessensgruppen gesehen werden.

Seit den 2000er Jahren interessiert sich TA dabei auch verstärkt für die Frage der Beeinflussung gesellschaftlicher Meinungsbildungsprozesse durch optimistische und pessimistische Zukunftsvisionen. Ein Ausgangspunkt dafür war die Befassung mit dem Transhumanismus, einer in der Digitalwirtschaft erstaunlich weitverbreiteten Weltanschauung, die sich für eine Technisierung und letztlich Überwindung des menschlichen Körpers ausspricht.

In diesem Zusammenhang analysiert Christopher Coenen auch frühe transhumanistische Visionen, vor allem aus den Jahren 1870 bis 1930, und deren heutige Bedeutung. Am Beispiel des Transhumanismus lässt sich zeigen, wie stark Phantasien der Vergangenheit heutige Technikdiskussionen prägen.

Christopher Coenen ist seit 2003 Mitarbeiter des mittlerweile zum Karlsruher Institut für Technologie (KIT) gehörenden Instituts für Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse (ITAS). Dabei zunächst im Büro für Technikfolgen-Abschätzung beim Deutschen Bundestag (TAB) tätig, hat er an zahlreichen Projekten zu gesellschaftlichen und philosophischen Aspekten vor allem der Nano-, Informations- und Kommunikations-, Neuro- und Biotechnologien mitgewirkt.
Derzeit ist er u.a. als Verbundkoordinator des im Juli 2018 begonnenen, transnationalen und in Deutschland vom BMBF geförderten Forschungsprojekts FUTUREBODY tätig, in dem es um die Zukunft des menschlichen Körpers im Lichte des naturwissenschaftlich-technischen und insbesondere neurotechnischen Fortschritts geht. Im nationalen BMBF-Projekt INOPRO leitet Coenen ein Teilvorhaben, das sich u.a. mit Nutzerakzeptanz-, Partizipations- und ethischen Aspekten der in INOPRO zu entwickelnden Gliedmaßenprothesen und Gehirn-Computer-Schnittstelle befasst. Zu seinen vielfältigen editorischen Tätigkeiten zählt die leitende Herausgeberschaft der Zeitschrift ‚NanoEthics: Studies of New and Emerging Technologies‘ (Springer).


5