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Prof. Dr. Antje Boetius Das dunkle Paradies: Was es in der Tiefsee noch zu entdecken gibt

Die Meeresbiologin Antje Boetius schaut dorthin, wo kein Mensch hinkommt – in die Tiefe der Ozeane. In der arktischen Tiefsee hat sie heiße Quellen und blühendes Leben gefunden.

Stand: 16.10.2017

Erst langsam dringen Wissenschaftler in die „terra incognita“ vor, in große Tiefen zwischen vier- und elftausend Meter unter dem Meeresspiegel. Mehr als 90 Prozent aller noch unbekannter Arten befinden sich dort. Die meisten sehen auch die Meeresbiologen zum ersten Mal. „In der sonst so nahrungsarmen Tiefsee haben wir am Seeberg blühendes Leben entdeckt“, erzählt Antje Boetius. Dort gebe es Würmer, Schwämme, Seesterne, Krebse und noch unbekannte Planktonarten.

Über 45 Expeditionen hat die Meeresbiologin inzwischen hinter sich. Mehr noch als die Vielfalt an Tieren, ist die Vielfalt an Bakterien in der Tiefsee unermesslich groß. So entdeckte Antje Boetius Mikroorganismen, die das in gewaltigen Mengen im Meeresgrund vorkommende Methan verarbeiten und so dafür sorgen, dass nur ein kleiner Teil dieses gefährlichsten aller Treibhausgase in die Atmosphäre gelangt. Dafür erhielt sie 2009 Deutschlands wichtigste wissenschaftliche Auszeichnung, den Leibniz-Preis.

Die Bereiche der Erde, wo noch nie jemand hingeguckt hat, sind ihr die liebsten:

"Wenn die Piloten am U-Boot das Licht ausmachen, beginnt das große Funkeln. Die meisten Tiere in der Tiefsee haben Biolumineszenz, Selbstleuchten. Dann sieht man Tiefseefische, Quallen, Tintenfische, Schnecken, Würmer in schillerndsten Farben. Eine fantastische Welt."

Prof. Dr. Antje Boetius

Antje Boetius ist Tiefseeforscherin und Professorin für Geomikrobiologie an der Universität Bremen. Geboren 1967 in Frankfurt am Main studierte sie Biologische Ozeanographie in Hamburg und San Diego und promovierte über Tiefseemikrobiologie. Nach Aufenthalten an verschiedenen Meeresforschungsinstituten leitete sie von 2003 bis 2008 eine Arbeitsgruppe zur Erforschung Mikrobieller Habitate im Ozean am Max Planck-Institut für Marine Mikrobiologie in Bremen. Seit Ende 2008 ist sie Leiterin der Helmholtz-Max Planck-Brückengruppe für Tiefseeökologie und -Technologie am Alfred Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung in Bremerhaven und im Vorstand des Exzellenzclusters MARUM der Universität Bremen. 2009 erhielt Antje Boetius den hochdotierten Leibniz-Preis der Deutschen Forschungsgemeinschaft und wurde zum Mitglied der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina gewählt. Derzeit beschäftigt sie sich vor allem mit Fragen der Auswirkungen des Klimawandels auf die Biogeochemie und Biodiversität des Arktischen Ozeans. 2011 veröffentlichte sie zusammen mit ihrem Vater, dem Schriftsteller Henning Boetius, ein umfassendes Sachbuch über die Erforschung der Tiefsee: „Das dunkle Paradies“


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