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Campus Europa ENA - Die Schule der Courage

Die Eliteuniversität Ecole Nationale d'Administration (ENA) öffnet den Weg in die Spitzen von Staatsverwaltung und Politik. Auch deutsche Studierende finden an der ENA einen Studienplatz und können sich für Führungspositionen in der Verwaltung ausbilden lassen.

Stand: 11.07.2018

Die ENA wurde 1945 von General de Gaulle gegründet. Nach den finsteren Jahren der deutschen Besatzung, musste auch im französischen Bildungssystem ein Neuanfang gewagt werden. Unter der Vichy-Regierung hatte ein großer Teil der französischen Verwaltung mit dem Feind kollaboriert und war deswegen nicht mehr tragbar: Der Geist der Demokratie wurde aufgegeben; manche Dienststellen waren auch an der Deportation der Juden beteiligt. Um den Staat auf einem neuen Fundament aufzubauen zu können, musste eine neue Generation von hohen Beamten geschult werden, die die Werte der Republik vertreten würden. Die Schlagworte der französischen Revolution - Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit - sollten keine Lehre Hülsen bleiben. Das ist der Grund warum die Studenten dieser Eliteuniversität aus allen Milieus und aus allen Kontinenten stammen. Die soziale Herkunft spielt bei den Aufnahmeprüfungen keine Rolle.

Das Aufnahmeverfahren

Um in die ENA aufgenommen zu werden, muss jeder Kandidat eine Prüfung ablegen. Ein Teil der Studenten kommt aus den Universitäten selbst. Sie müssen einen Magisterabschluß nachweisen, gute Kenntnisse in den Fächern Jura, Politik, Wirtschaft haben und über ein gutes kulturelles Allgemeinwissen verfügen. Auch sportliche Qualitäten werden verlangt. Um die Examen erfolgreich zu bestehen, sollten die Kandidaten an Einführungskursen teilnehmen. Weitere Studenten kommen aus der französischen Verwaltung, bei der sie bereits einige Jahre berufstätig waren. Auch sie müssen eine Aufnahmeprüfung ablegen. Manager, die bereits über eine große berufliche Erfahrung in der Privatwirtschaft verfügen können bei erfolgreichen Abschluß der Aufnahmetests ebenfalls bei der ENA studieren.

An der ENA studieren ausländische Studierenden, darunter auch viele Deutsche. Durch den DAAD (Deutscher akademischer Austauschdienst), ist es möglich, bei der ENA weiterzustudieren. Voraussetzung: ein guter Universitätsabschluss und glänzende französische Kenntnisse. Die Sprachprüfung wird bei der Botschaft in Berlin abgelegt. In manchen Fällen kommen Kandidaten direkt aus den Bundes- oder Landesministerien.    

Pädagogik der ENA

Studiernde, die über beste intellektuelle Voraussetzungen verfügen, sollen für Führungspositionen in der Verwaltung geschult werden. Der Unterricht und die Seminare sind praxisbezogen. Sie werden durch Praktika ergänzt. Zwei Zielrichtungen werden hervorgehoben:

  • Analytisches Denken wird in folgende Disziplinen gefördert: Recht, öffentliche Finanzen, Wirtschaft, Europa und die Welt, Innenpolitik. Es geht darum, perspektivische Visionen zu entwickeln und richtige Entscheidungsvorlagen den demokratischen Volksvertreter anzubieten.
  • Öffentliches Management: Hier geht es um die Umsetzung von politischen Entscheidungen. Das kann sowohl bei den Ministerien stattfinden als auch in anderen Stellen, wie in den Präfekturen, bei der regionalen Verwaltung oder in den Städten. Die Studenten lernen, wie man eine Abteilung leitet, wie Projekte umgesetzt werden. Dabei geht es auch um Controlling und eine effiziente Personalführung.

Praxis während des Studiums

Parallel zum Unterricht durch erfahrene Referenten wird im Studium auch ein großer Platz für die Praktika eingeräumt. Die Studenten verbringen einige Monate jeweils in den Ministerien, in den Präfekturen, in der europäischen Verwaltung oder in den Botschaften. Sie sind somit mit realen Problemen konfrontiert, die sie in Zusammenarbeit mit ihren Vorgesetzte regeln sollen. Das ENA-Studium ist stark an der Verwaltungspraxis orientiert. Französische ENA-Schüler müssen eines ihrer beiden Praktika im Ausland absolvieren. In besonderen Lehrzyklen werden auch ausländische Studenten aufgenommen

Struktur und Organisation

Eliteuniversität Ecole Nationale d'Administration (ENA)

Jedes Jahr empfängt die ENA etwa 120 Schüler die am Zyklus von 27 Monaten teilnehmen.  Sie bilden sich in Promotionen. Jeder von ihr trägt einen Namen, wie z.B. Voltaire, Simone Veil, Nelson Mandela oder République. Parallel dazu findet ein Fortbildungsprogramm für Beamten und Führungskräfte statt. Mehr als 2500 Personen nehmen daran teil. Sie kommen von der Verwaltung aber auch von der Wirtschaft. Zahlreiche Ausländer sind dabei.

Studium und Karriere

Zahlreiche Studenten haben bereits Familien. Um ihr Lebensalltag bewältigen zu können, bekommen sie einen Grundgehalt vom Staat. Beim Eintritt in der Schule werden sie als Beamte eingestuft. Ausländische Studierende bekommen Stipendien von ihren jeweiligen Staaten.  Am Ende der Schulzeit, finden schriftliche und mündliche Examen statt. Sie sind maßgebend für die Einstufung jedes Absolventen. Die Besten bekommen automatisch die besten Posten und werden finanziell höher eingestuft. Jeder wird – egal auf welche Position er sich befindet – beim Staat eingestellt. Auch ausländische Absolventen haben die Möglichkeit beim französischen Staat eingestellt zu werden.


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