ARD-alpha - Campus


1

Studieren für alle Wie man ohne Abitur an die Uni kommt

Immer mehr studieren ohne Abitur, bundesweit 60.000 Menschen. Ihre Zahl hat sich seit 2007 vervierfacht. Campus Magazin begleitet Robin, der nach seiner Ausbildung einen Bachelor-Studiengang draufsetzen will.

Von: Yvonne Maier

Stand: 30.10.2018

In ganz Deutschland kann man seit 2009 studieren, ohne in der Schule ein Abitur abgelegt zu haben. Doch die Zugangsvoraussetzungen für so ein Studium sind von Bundesland zu Bundesland verschieden.

Unterschiedliche Zugänge

Ein Meistertitel oder vergleichbarer Abschluss wie der Techniker oder Fachwirt ist in ganz Deutschland gleichwertig mit der allgemeinen Hochschulreife. Damit kann man dann sein Studienfach frei wählen. Weil dennoch viele Studiengänge zulassungsbeschränkt sind, weil es zum Beispiel ein gesondertes Bewerbungsverfahren gibt, sollte man sich in jedem Fall bei einer Universität beraten lassen.

Berufsausbildung als Voraussetzung zum Studium

Wenn man eine Berufsausbildung abgeschlossen und mehrere Jahre in seinem Beruf gearbeitet hat, dann gilt man als „beruflich qualifiziert“. Man kann damit ein Studium auch ohne Abitur beginnen, das fachlich auf die Berufsausbildung aufbaut. Zum Beispiel kann man dann als Erzieherin später Pädagogik studieren. Oder als Pflegekraft einen Master in Neurorehabilitation draufsetzen.

Robin Stadel ist Physiotherapeut und spürt in siner täglichen Arbeit ein Defizit. Drum will er nun auf seine Ausbildung das Bachelor-Studium Motorische Neurorehabilitation aufsatteln.

Robin hat es geschafft, er darf Studieren, ohne Abi.

"Ich wollte am Anfang gar nicht studieren, dachte, ich mache extra eine Ausbildung. Theorie hat mich nicht so interessiert, im praktischen tun, auf Augenhöhe mit Ärzten, muss man sich fortbilden und sein Theoriewissen auffrischen."

Robin Stadel, Physiotherapeut

Probestudium und Prüfung

Professoren der Uni beraten nach einem Prüfungsgespräch über die Eignung der Bewerber.

Je nach Bundesland müssen „beruflich Qualifizierte“ oft ein Probestudium absolvieren oder eine besondere Eignungsprüfung ablegen. Bei manchen Unis reicht aber auch ein einfaches Beratungsgespräch.

Wer kein Abitur hat und nicht zu den oben genannten Fällen gehört, muss sich dennoch nicht von seinem Wunsch eines Studiums verabschieden. Denn auch hier können sich Lösungen finden, zum Beispiel wenn man kein fachgebundenes Studium beginnen will. Manche Hochschulen bieten dafür spezielle Zulassungsprüfungen an. Grundvoraussetzung ist hier aber trotzdem: eine abgeschlossene Berufsausbildung und Berufserfahrung.

Bildungsferne Schichten ohne Abitur

Das Bildungsniveu in Deutschland steigt. Nur noch 48% aller Studierenden kommen heute aus Nichtakademikerfamilien.

Insgesamt ist die Zahl derjenigen, die ohne Abitur an Universitäten und Hochschulen studiert, noch sehr klein. Viele dieser Studierenden kommen zudem aus sogenannten „bildungsfernen Schichten“, das heißt, ihre Eltern haben auch nicht studiert. Bislang hat die Initiative der Kultusminister keinen durchschlagenden Erfolg gezeigt.

Weitere Infos zum Studieren ohne Abitur:

CHE-Online-Studienführer für alle beruflich Qualifizierten:


1