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Studieren in England Die Universität von Cambridge

Die University of Cambridge zählt zu den renommiertesten und besten Universitäten der Welt. Die Lust nach Abwechslung und Abenteuer, aber auch bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt locken viele Studierende. Für Deutsche ist das Studium in England eine interessante Alternative zu den überfüllten Unis und den langen Studienzeiten zuhause.

Von: Corinna Benning, Nicole Schubert

Stand: 14.04.2021

Das Studium an Universität Cambridge

Die Universität von Cambridge besteht aus 31 über die Stadt verteilten Colleges. Eine ganze Reihe schöner und berühmter Colleges befinden sich in der Kings's Parade, Trinity Street und der St. Johns Street. In den Colleges findet das soziale Leben der Studierenden statt: Undergraduateswohnen direkt im College, Graduates wohnen in "College houses". Jedes College wählt seine Studenten selbst aus. Studenten aller Colleges studieren gemeinsam an der Universität von Cambridge. Die Übungsstunden - Tutorials - finden meist in Zweier- oder Dreiergruppen statt, beim Dozenten persönlich. Bibliotheken sind in der traditionellen Universität Cambridge reich vertreten, es gibt mehr als 60 Spezialgebietsbibliotheken. Jedes College hat eine eigene rund um die Uhr geöffnete Bibliothek.

Jedes einzelne College ist eine Universität in Miniatur. Ein College verwaltet und finanziert sich selbst, hat eine eigene Kapelle, verfügt über Bücherei, Eßsaal, Clubraum und Bar. Vom Innenhof führen Treppen zu den Zimmern der Studenten und Tutoren. Fast alle Colleges befinden sich im Zentrum der Stadt.

Die Universität selbst ist auf dem ersten Blick nicht wahrnehmbar und dennoch stets präsent. Sie legt den Inhalt der Kurse fest, organisiert Vorträge, Seminare und Prüfungen, verleiht akademische Titel. Fakultäten, Laboratorien, Büchereien und Museen sind ihr unterstellt. Angeboten werden fast alle Studienfächer. Die Universitäten Cambridge und Oxford gelten als Eliteschmieden, sie sind sehr gut organisiert und die Betreuung der Studenten ist hervorragend. Mehr als 60 Nobelpreisträger brachte die Universität Cambridge hervor, 28 davon studierten am Trinity College. Unter den berühmtesten Absolventen zählen Prinz Charles (Trinity College), William Pitt, der mit 24 Jahren der jüngste Premierminister Englands wurde (Pembroke College) und Charles Darwin (Christ College).

Wie an der Universität Cambridge bewerben?

Wer in Cambridge studieren möchte, bewirbt sich nicht bei der Universität, sondern beim College seiner Wahl. Nur wer ein ausgezeichnetes Schulzeugnis hat, kommt in den engeren Kreis der Bewerber. Bevor er zugelassen wird, muss er eine schriftliche Prüfung und ein Interview bestehen.

Die Universität von Cambridge ist ein internationales Zentrum für Lehre und Forschung. Es werden Vorlesungen, Seminare, Tutorials und Praktika in allen nur denkbaren Fachrichtungen angeboten. Anders als in Deutschland ist der Besuch der meisten Lehrveranstaltungen Pflicht. Die Studierenden werden intensiv betreut: jeder Student bekommt einen "personal Tutor" zugeteilt, an den er sich mit akademischen und persönlichen Problemen wenden kann. Pro College studieren ca. 100 bis 1000 Studenten, im Schnitt ca. 400. Ungefähr die Hälfte der Kursteilnehmer studieren Wissenschaft und Technologie.

Ausländische Studenten herzlich willkommen!

Die britischen Universitäten zählen zu den besten und renommiertesten der Welt. Ein weiterer Indikator für die Reputation der britischen Hochschulen ist deren Internationalität. Nicht weniger als 12% der Studierenden in England kommen aus dem Ausland. So hat sich zwischen 1991 und 1996 die Zahl der im UK studierenden Deutschen bereits verdoppelt. Besonders an den Top-Unis ist ein Ausländeranteil von über 50% bei den graduierten Studiengängen keine Seltenheit. Um Bewerbern aus anderen Ländern den Einstieg in das britische Hochschulsystem zu ermöglichen, bieten viele Hochschulen Vorbereitungs- und Grundlagenkurse an, die oft ein Jahr dauern. Dieses Jahr wird als Preliminary Year oder Foundation Year bezeichnet. In dieser Zeit bietet man den Studierenden akademische Programme zu den einzelnen Studienfächern sowie Seminare zur Studienmethodik, Orientierung und Sprachkurse an.

Das Studentenleben in Cambridge

Die Stadt, in der man durch Fußgängerzone und kurze Wege zu Fuß oder mit dem Fahrrad bequem alles erreichen kann, wimmelt von englischen und ausländischen Studenten, die hier lernen und leben. In der Freizeit sorgen Diskotheken, Kinos, Pubs und Theater für Spaß und Unterhaltung. Bekannt ist auch die Festivalkultur mit den Sparten Volksmusik, Film und Kunst. Das Sportangebot ist reichhaltig: es gibt Tennis- und Golfplätze, Schwimmbäder und viele andere Sportmöglichkeiten. Für den Weg zwischen Unterkunft und Schule leihen sich viele Studenten ein Fahrrad. Oft sieht man in den Straßen von Cambridge mehr Fahrräder als Autos. Tradition wird großgeschrieben. Bis 1970 mussten Studenten nachts, wenn sie in der Stadt unterwegs waren, Talare tragen. Talare werden heute nur beim Essen und bei Zeremonien, z.B. beim Studienabschluss getragen. Seit kurzem tragen die Professoren auch bei den Prüfungen Talare.

Universität Cambridge

  • gegründet: 1284
  • ca. 10.000 undergraduates
  • ca. 3.500 postgraduates
  • ca. 1700 dons

Studiengebühren

Das Bachelor-Studium in Cambridge kostet etwa 10.500 Euro pro Jahr. Hinzu kommt eine Unterkunft für 3500-6500 Euro und weitere Lebenshaltungskosten. Nach Angaben der Universität könnten die Studiengebühren für Studenten aus EU-Ländern aufgrund des Brexits in den kommenden Jahren steigen

Die Geschichte der Universität Cambridge

An der ersten schiffbaren Stelle des Flusses Cam gelegen, war Cambridge schon zur Römerzeit eine größere Siedlung, heute ist sie die Hauptstadt der Grafschaft Cambridgeshire. Cambridge zählt nicht nur zu den berühmtesten, sondern auch zu den beliebtesten Studentenstädten Europas. Im 11. Jahrhundert richteten sich die ersten Klosterschulen in der Stadt ein: 1209 kamen verschieden Gelehrte aus Oxford um sich hier eine neue geistige Heimat zu schaffen nachdem ein Student in Oxford von einigen Einheimischen getötet worden war. Die Anlagen der ersten Colleges geht auf die Klosterarchitektur zurück mit kreuzgangähnlichen Höfen (Courts), großem Speisesaal (Hall) und Kapelle (Chapel).

Das älteste College in Cambridge - Peterhouse - wurde 1284 von Hugh de Balsam, Bischof von Ely gegründet und gehört zu den kleinsten. 1318 erkannte der Papst das Studium Generale an, diese Entscheidung zieht eine Reihe von neuen Collegegründungen nach sich. Die Colleges Clare (1338), Pembroke (1347), Gonville (1348), Trinity Hall (1350) und Corpus Christi (1352) wurden in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts errichtet. Zehn weitere Colleges wurden während des 15. und 16. Jahrhunderts gegründet: Klingende Namen wie King's College (1448), Queens' College oder Trinity College (1546) gehören zur Tradition von Cambridge. Um das King's College zu bauen, benutzte Henry VI. fast ein Viertel des Bodens der mittelalterlichen Stadt. Lange bevor die Universität dort existierte, war Cambridge schon ein bedeutendes Handelszentrum. Im ersten Jahrhundert vor Christus erbaute ein belgischer Stamm dort eine Siedlung, wo sich heute Castle Hill befindet. Um 40 n. Chr. übernahmen die Römer die Herrschaft und Cambridge wurde zur Kreuzung der Handelsstraße  Via Devana. Es folgten die Sachsen und die Normannen unter William dem Eroberer. Seit 1869 sind auch Studentinnen an den Colleges zugelassen, aber erst seit 1881 können sie dort auch Prüfungen ablegen. Das Girton College nahm als erstes Frauen auf, das Magdalene College als letztes (1988). 1897 konnte jeder, der einen akademischen Titel in Cambridge erlangte abstimmen, ob Frauen künftig akademische Titel verliehen werden, so können erst seit 1948 Frauen in allen Fakultäten akademische Titel erlangen. Seit 1845, als die Stadt aufgrund der Gründung der Eisenbahn stetig wuchs, stieg auch die Zahl der Studenten beständig.

Kulturstadt Cambridge

Die Universitätsstadt Cambridge ist ein Besuchermagnet. Als Kulturstadt besitzt sie zahlreiche Museen, architektonische Schätze und  einige der besten Buchhandlungen, Bibliotheken und Antiquariate des Landes. Sie bietet vielfältige Sportmöglichkeiten, Theater, Kinos, Pubs, Diskotheken und Einkaufsmöglichkeiten. Das Stadtzentrum ist klein und gemütlich und vermittelt einen heimeligen Charakter.


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