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Uni Cottbus Mehr Orientierung bei der Fächerwahl

Abi in der Tasche, und dann? Die Entscheidung für ein Studienfach fällt vielen schwer. Die Uni Cottbus gibt Studenten mehr Zeit herauszufinden, was sie wirklich wollen und bietet ein sogenanntes Orientierungsstudium an.

Von: Fabian Mader

Stand: 29.06.2020 22:45 Uhr

Lea ist 19, seit wenigen Monaten studiert sie an der Brandenburgischen Technischen Universität Uni Cottbus-Senftenberg (BTU). Sie macht ein Orientierungsstudium, das heißt: Sie hat ein Jahr Zeit, verschiedene Fächer zu testen und so herauszufinden, welches wirklich zu ihr passt.

"Junge Menschen legen sich nicht so gerne fest und die Entscheidung, was man studiert, ist schon eine relativ große."

(Lea, Studentin)

Lea besucht derzeit unverbindlich Vorlesungen und Seminare, im zweiten Semester kann sie an einigen Kursen auch regulär teilnehmen und eine Prüfung schreiben. Besteht sie, bekommt sie einen Schein und kann sie sich die Leistung für das Studium anrechnen lassen. Besteht sie nicht, auch kein Problem, die Note taucht nirgendwo auf, sie macht die Prüfung später einfach nochmal.

Der Professor für Stadttechnik, Matthias Koziol, hat sich das Orientierungsstudium mit ausgedacht. Ihm geht es darum, den Studenten wieder mehr Freiheit zu geben, etwas auszuprobieren, auch mal Fehler zu machen. 

"Ich denke, ein bisschen muss das Studium auch Persönlichkeitsentwicklung darstellen, um in bestimmte Fächerkulturen reinzuriechen. Diesen Spielraum erhöhen wir."

(Prof. Matthias Koziol)

Schüler-Labor

Orientierungsstudiengänge bieten auch andere Universitäten an. Aber kaum eine Hochschule nimmt das Thema so ernst wie die BTU. Mit einem mobilen Schülerlabor fahren Uni-Mitarbeiter an Schulen der Region, um ihnen bei der Berufswahl zu helfen. In einem Labor dürfen sie beispielsweise mit Pipetten und echten Chemikalien arbeiten - um zu sehen, ob Biotechnologie was für sie ist. 

Das mobile Labor ist für fast eineinhalb Jahre ausgebucht. Mitarbeiterin Steffi Schulze bringt den Schülern den Umgang mit der Pipette bei - sie stellt eine enorme Nachfrage fest. 

"Bei der Masse an Studienangeboten ist es schwierig zu wissen, was will ich eigentlich machen?"

(Steffi Schulze)

Viele täten sich schwer mit dem Gedanken, schon in der Schule zu entscheiden, welchen Weg sie einschlagen sollen. Da sei es gut, „wenn ich mich schon einmal ausprobieren darf.“

Die BTU Cottbus hat für ihr Lehrmodell bereits Preise gewonnen. Das liegt auch daran, dass Fächerwechsel unkompliziert sind und sogar zwischen Fachhochschule und Universität möglich, viele Leistungen werden anerkannt. Denn die BTU ist ein Zusammenschluss aus Fachhochschule und Universität Cottbus. 

Für Lea jedenfalls hat sich das Orientierungsstudium gelohnt. In den vergangenen Wochen hat sich sogar ein Favorit entwickelt: Maschinenbau sei in ihrer „Prioritätenliste“ doch nochmal stark nach oben gerutscht.


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