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Studienfinanzierung BAföG oder Studienkredit?

Du willst studieren und hast kein Geld? Deine Eltern verdienen nicht genug, um Dich voll zu unterstützen? Dann gibt es mehrere Möglichkeiten: Du hast einen lukrativen Nebenjob, der Dich aber viel Zeit kostet, oder Du beantragst BAföG. Du kannst auch einen Kredit aufnehmen.

Von: Friederike Kühn

Stand: 08.05.2020

Studieren ist teuer, besonders in den Großstädten, wo die Mieten hoch sind. Im Schnitt brauchen Studierende in Deutschland 918 Euro im Monat zum Leben. Das ergab die letzte Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerks. (Quelle: 21. Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerks)

Rund die Hälfte der Kosten fürs Studium bezahlen in der Regel die Eltern. Doch was ist, wenn Deine Eltern nicht so viel zahlen können? Und selbst wenn sie zahlen: Woher kommt der Rest?

Der Staat fördert Studierende von einkommensschwächeren Eltern nach dem Bundesausbildungsförderungsgesetz, kurz BAföG. Als allererstes solltest Du herausfinden, ob Du ein Anrecht darauf hast. 

Wann bekomme ich BAföG?

Ob und wieviel Bafög Du bekommst, richtet sich vor allem nach der Höhe des Einkommens Deiner Eltern. Wenn Du Geschwister hast, gibt es Freibeträge, die vom Einkommen abgezogen werden. Dabei spielt eine Rolle, ob sie – wie Du – studieren oder eine Ausbildung machen.  

Auch was Du selbst besitzt, musst Du angeben. Bis zu 7.500 Euro darfst Du haben, ohne dass es Einfluss auf das BAföG hat. Neben Geld auf dem Konto zählt dazu auch ein eigenes Auto.

Gefördert wird das Erststudium. Ein Fachwechsel bis spätestens zum Beginn des 4. Semesters  ist in der Regel erlaubt. Die Förderungsdauer entspricht der Regelstudienzeit.

Liliana studiert Romanistik an der LMU München. Ohne Bafög hatte sie Schwierigkeiten, das Studium zu finanzieren. Ihre Eltern sind beide Sänger. Als freiberufliche Künstler verdienen nicht so viel, dass sie Liliana voll unterstützen können. Jedes Jahr zum Wintersemester wird ihr Bafög-Satz neu berechnet. 

"Aktuell bekomme ich 600 Euro im Monat, aber das ist jedes Jahr unterschiedlich, weil das Einkommen meiner Eltern sehr schwankt. Am Anfang hatte ich etwa 250 Euro und bekam dann nochmal eine Nachzahlung, nachdem meine Eltern Unterlagen  nachgereicht. Es kann sich jedes Jahr absolut ändern."

(Liliana)

Neben dem regulären BAföG gibt es auch das so genannte „elternunabhängige“ BAföG. Es fördert Studierende, die schon eine Berufsausbildung abgeschlossen haben oder nach dem Abitur mindestens fünf Jahre gearbeitet haben. Wie der Name schon sagt, wird es unabhängig vom Einkommen der Eltern gewährt. Elternunabhängiges BAföG gibt es auch für den Fall, dass Du Vollwaise bist oder der Aufenthaltsort Deiner Eltern unbekannt ist und sie nicht für Dich zahlen.

Auch ausländische Studierende haben Anspruch auf BAföG, sofern sie eine langfristige Aufenthaltsgenehmigung für Deutschland haben.

Wie viel Geld bekomme ich mit BAföG?

Den BAföG-Höchstsatz von derzeit 853 Euro im Monat bekommen nur Wenige. Er setzt sich aus verschiedenen Zuschüssen zusammen:

Für den sogenannten Grundbedarf - Essen, Hygiene, Internet usw. – bekommt man maximal 419 Euro. Fürs Wohnen gibt es bis zu 325 Euro, wenn Du nicht mehr bei den Eltern lebst. Doch auch Studierende, die noch zu Hause wohnen, erhalten eventuell einen Zuschuss von bis 55 Euro im Monat. Und dann gibt es noch Geld für die Kranken- und Pflegeversicherung, wenn Du nicht ohnehin bei Deinen Eltern mitversichert bist: Das sind maximal 109 Euro im Monat.

Es ist unwahrscheinlich, dass Du den BAföG-Höchstsatz von 853 Euro pro Monat (inklusive  Kranken- und Pflegeversicherung) bekommst. 2018 erhielten die mit BAföG geförderten Studierenden im Schnitt 493 Euro im Monat. (Quelle: Statistisches Bundesamt: BAföG-Statistik 2018)

Viele BAföG-Empfänger haben deswegen einen Nebenjob. Darf man das?

Darf ich mit BAföG nebenbei arbeiten?

Ein Nebenjob ist erlaubt!

Bis zu 5.400 Euro im Jahr darfst Du verdienen. Das entspricht einem regelmäßigen 450-Euro Job. Du kannst aber auch mehr verdienen und etwa nur in den Semesterferien arbeiten. Sobald Du die Grenze von 5.400 Euro im Jahr überschritten hast, musst Du mit Abzügen rechnen.

Wenn Du BAföG beantragen willst, solltest Du den Antrag frühzeitig einreichen. Wenn Du die Förderung zu Beginn des Wintersemesters bekommen möchtest: spätestens am 31. Juli.

Studienkredite – eine Alternative zum BAföG?

Doch was machen diejenigen, deren BAföG-Antrag abgelehnt wurde? Wer kein BAföG bekommt, kann einen Studienkredit aufnehmen. Dann sollte aber klar sein, dass das Studium zügig abgeschlossen wird, um sich nicht zu überschulden und am Ende ein Problem mit der Rückzahlung zu bekommen. Studienkredite kannst Du bei verschiedenen Banken abschließen.

Für diesen Fall gibt es Studienkredite, zum Beispiel bei der KfW, der staatlichen Kreditanstalt für Wiederaufbau.

Um das Darlehen zu bekommen, brauchst Du keine Sicherheiten und es ist egal, wie viel Deine Eltern verdienen. Es spielt auch keine Rolle, ob Du BAföG  bekommst oder eigene Ersparnisse und Einkommen hast.

Beim Kredit der KFW kannst Du monatliche Auszahlungen zwischen 100 und 650 Euro vereinbaren. Der Zinssatz liegt derzeit bei rund 4 %.

Gefördert wird das Erst- und Zweitstudium. Die Laufzeit beträgt maximal 14 Semester.

Bildungskredit beim Bundesverwaltungsamt

Wer erst später, etwa nach dem Bachelor, Geld braucht, kann auch einen Kredit beim Bundesverwaltungsamt beantragen. Die Kreditsumme liegt zwischen 1000 und 7000 Euro mit Auszahlungen von 100 bis 300 Euro pro Monat. Der Vorteil ist, dass der Zinssatz hier sehr niedrig ist. Im Moment liegt er bei nur 0,72 Prozent! Doch Achtung: Diesen Kredit kannst Du erst bei fortgeschrittenem Studium beantragen – nach der Zwischenprüfung oder dem Bachelor. Er ist für diejenigen gedacht, die eher am Ende ihres Studiums Geld brauchen, etwa, wenn die Förderung durch BAföG schon ausgelaufen ist.

Studienkredite im Vergleich

Eine Übersicht verschiedener Studienkredite findest Du hier.

Grundsätzlich gilt: BAföG ist besser als ein Studienkredit. Denn bei BAföG handelt es sich um ein zinsloses Darlehen vom Staat, während Du selbst beim staatlich geförderten Studienkredit der KfW rund 4 % Zinsen zahlst. Und während Du bei BAföG am Ende nur maximal die Hälfte der Fördersumme zurückzahlen musst, aber nicht mehr als insgesamt 10.000 Euro, ist bei einem Studienkredit immer die volle Summe fällig, plus Zinsen! Und was da bei sechs oder sieben Jahren Studium zusammenkommen kann, kann sich jeder selbst ausrechnen.

Wie und wie viel zahle ich jeweils zurück?

Beim BAföG musst Du keine Zinsen zahlen. Hinzu kommt: Mindestens die Hälfte der Summe schenkt Dir der Staat! Am Ende musst Du also nur einen Teil des Geldes, das Du bekommen hast, zurückbezahlen, maximal 10.000 Euro!

Mit den Rückzahlungen beginnst Du spätestens fünf Jahre nach Ende der Förderungshöchstdauer – mit vierteljährlichen Raten von 390 Euro. Das entspricht 130 Euro im Monat.

Bei einem Studienkredit der KfW musst Du die volle Summe zurückbezahlen, samt Zinsen! Bei maximaler Ausschöpfung des Kreditrahmens mit einer Laufzeit von 14 Semestern/7 Jahren sind das 54.600 Euro + Zinsen!

Mit der Rückzahlung beginnst Du spätestens 18 Monate nach Ende der Laufzeit. Die Raten kannst Du individuell mit der Bank vereinbaren.

Bei einer Fördersumme mit BAföG von 600 Euro monatlich kommen bei einer Regelstudienzeit von sechs Jahren am Ende 43.000 Euro zusammen. Davon muss man maximal 10.000 Euro zurückbezahlen.

"Ich bin auf BAföG angewiesen. Wenn ich es nicht hätte, müsste ich deutlich mehr arbeiten, wofür ich eigentlich keine Zeit habe. Oder mich nach einem Stipendium umsehen - das wäre deutlich schwieriger. Auch wenn es ein großer Aufwand ist, weil man jedes Jahr wieder einen Folgeantrag stellen muss, ist es für mich die beste Lösung."

(Liliana)


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