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Unabhängigkeit der Forschung Auf der Payroll von Lidl & Google

Uni-Sponsoring hat viele Facetten: Los geht’s bei der Namensgebung eines Hörsaals oder einer Bibliothek und endet bei Unternehmen wie Google oder aktuell auch der Stiftung des Lidl-Gründers, die Institute und Professuren ermöglichen. Campus Magazin liefert Hintergründe.

Von: Jonathan Schulenburg und Vera Cornette

Stand: 10.07.2017

Janek Heß im Vorstand des fzs fordert mehr Transparenz.

Wir treffen Janek Heß unweit des Gendarmen-Markts in Berlin. Heß ist Vorsitzender des Freien Zusammenschluss von StudentInnenschaften (fzs). Er kämpft für mehr Transparenz, mehr Sensibilität im Umgang mit Uni-Sponsoring. Wir gehen ein paar Schritte, kommen an einer unauffälligen Häuserfassade vorbei. Heß bleibt stehen, deutet auf das ziemlich kleine Türschild, auf dem "Alexander von Humboldt Institut für Internet und Gesellschaft" (HIIG) steht.

„Google ist hier der größte Geldgeber“, sagt der Student der Stadt- und Raumplanung. Insgesamt knapp neun Millionen Euro hat der US-Konzern bis 2019 zugesichert.Institut wie auch Google legen großen Wert darauf, dass Unabhängigkeit gewahrt bleibt: Google habe weder Einfluss auf die Bewilligung von Projekten, noch einen schnellen Zugriff auf Forschungsergebnisse. Die seien ohnehin öffentlich zugänglich, sagt Thomas Schildhauer, einer der vier Gründungsdirektoren des Instituts.

 "Wir sind inzwischen daran gewöhnt, auch darauf trainiert, Fragen zu beantworten. Anfangs sind wir ziemlich verkloppt worden, nach dem Motto ihr habt jetzt Geld von Google – könnt ihr überhaupt noch unabhängig forschen?" Prof. Dr. Thomas Schildhauer, Alexander von Humboldt Institut für Internet und Gesellschaft

Genau das kritisiert Janek Heß. Sechs Jahre nach Einrichtung des Instituts werde wenig zu Google und den Auswirkungen des Monopols im Suchmaschinenbereich geforscht. Stattdessen widmen sich die Forscher der Digitalisierung des Mittelstands oder den datenschutzrechtlichen Bedingungen für Startups.

Das Institut für Internet und Gesellschaft ist bei Weitem nicht die einzige Einrichtung, die von Unternehmen mitfinanziert wird. Jüngst hat in diesem Zusammenhang die Verbindung von Lidl und der TU München aufhorchen lassen: Die TUM lässt sich 20 neue Lehrstühle von der Dieter Schwarz Stiftung finanzieren, also von der Stiftung des Lidl-Gründers. Sieben der Professuren sollen in München angesiedelt sein, 13 auf dem Bildungscampus in Heilbronn. Heilbronn, das ist die Heimatstadt von Dieter Schwarz.

Während Wolfgang A. Herrmann, Präsident der TU München, die Partnerschaft zwischen TU und Lidl-Stiftung feiert, meldet Edda Müller, Vorsitzende Transparency International Deutschland, Zweifel an: Man müsse aufpassen, dass Forschung und Lehre unabhängig blieben, wenn der Staat sich aus der Finanzierung zurückziehe.


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