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Mythos Soziologie Studium Zu intellektuell! Lauter Theoretiker*innen!

Die Soziologie ist eine relativ junge Wissenschaft. Ihre Ursprünge liegen im 19. Jahrhundert und sie umfasst auch andere Disziplinen, wie Philosophie oder Psychologie. Ein Studienfach für Denker*innen, das aber auch ganz konkrete, aktuelle, gesellschaftliche Fragen stellt und Antworten gibt.

Von: Anette Orth

Stand: 26.11.2020

Philipp ist im 5. Mastersemester an der Ludwig-Maximilians-Universität in München und schreibt gerade mit vier Kommiliton*innen an einer gemeinsamen Masterarbeit. Das Thema: „Subjektivität der Systemrelevanz, beziehungsweise der Nicht-Systemrelevanz“. Und schon wird es kompliziert. Taugt Philipps Studienfach zum Partygespräch?

Mythos 1: Keiner versteht, was ich studiere.

"Protestantismus-Kapitalismus-These", "Werturteilsfreiheit", die Unterscheidung von "Gesinnungs- und Verantwortungsethik" – mit diesen Begriffen und seinen Theorien zur  Wirtschafts-, Herrschafts- und Religionssoziologie wurde Max Weber zu einem der bekanntesten deutschen Soziologen. Wer sich aber erstmal an die sperrigen Begriffe in der Soziologie gewöhnt hat, kann viel Spaß und vor allem neue Erkenntnisse haben, im Gespräch mit Soziolog*innen.

"Bei der Soziologie geht es darum, erstmal den Standpunkt festzulegen, von dem aus man Gesellschaft betrachtet: kritisch zum Beispiel. Dann schaut man, was gesellschaftlich bedingt ist oder welche Rolle das Individuum spielt. Und schon ist man in der schönsten Diskussion."

Philipp

Die Soziologie steht gegenüber anderen Wissenschaften oft in der Rechtfertigungspflicht: warum gibt es die Disziplin überhaupt?

Mythos 2: Soziolog*innen sind reine Theoretiker*innen

Ganz im Gegenteil: Soziolog*innen sind immer ganz nah dran an gesellschaftlichen Entwicklungen oder ihnen sogar gedanklich voraus. Sie beleuchten Fragen zu unserem Lebensstandard, unserer Lebensqualität angesichts von ökologischen Belastungen oder globalen und sozialen Ungleichheiten. Nicht nur im eigenen Land, sondern in der Weltgesellschaft. Aber auch „im Kleinen“ wird geforscht: wie leben wir unseren Alltag? Unter welchen gesellschaftlichen Zwängen stehen wir? Welche Freiheitsspielräume haben wir? Welche Strukturvorgaben macht die Gesellschaft und wie können wir ihnen gerecht werden? Und das alles über den Lebenszyklus eines  Menschen: vom Kind bis ins Alter.  Soziolog*innen geben Antworten auf Zukunftsfragen der Gesellschaft. Schon allein deshalb macht es Spaß, sich mit diesem Studienfach auseinanderzusetzen.

"Soziologie ist nicht zugeschnitten auf einen sehr speziellen Bereich. Sondern man kann damit alles, was man möchte, in den Blick  nehmen."

Sam

Wer neugierig und auch gerne kritisch ist, ist in der Soziologie genau richtig. Es verändert sogar die eigene Sichtweise oder persönliche Einstellungen.

"Das Studium hat mir eine ganz andere Perspektive auf das Leben allgemein gegeben." Lena

Wer Lehramt studiert, wird Lehrer*in. Maschinenbauer*innen konstruieren nach ihrem Studium höchstwahrscheinlich Maschinen. Was aber machen Soziolog*innen mit ihrem Abschluss?

Mythos 3: Es gibt keine eindeutigen Berufsaussichten für Soziolog*innen

Tatsächlich, das stimmt. Andererseits macht genau das das Studium spannend. Soziolog*innen findet man in Organisationen, Parteien, Verbänden als Berater*innen. Sie arbeiten im Journalismus, im Marketing, in Betrieben und Behörden. Sie beschäftigen sich mit Kultur, im sozialen oder Gesundheitsbereich, in der Bildung oder natürlich auch in der Forschung.

Mehr über den Studiengang findet ihr auf den Homepages der jeweiligen Universitäten. Zum Beispiel:


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