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Robot Recruiting Wenn Roboter Menschen einstellen

Wer ist der bessere Personaler? Mensch oder Maschine? Befürwortern der künstlichen Intelligenz ist die Antwort klar: Algorithmen entscheiden in Zukunft, ob wir einen Job bekommen oder nicht. Erfahrung und Bauchgefühl werden ersetzt durch emotionslose Beurteilung. Zu Recht? Campus Magazin macht den Test.

Von: Ruslan Amirov

Stand: 17.11.2017

Manchmal scheint es schon so als wären sie überall. Kein Arbeitsbereich mehr in dem sie nicht mitwirken, kein Lebensbereich in dem man sie nicht auch noch einsetzen könnte. Algorithmen sind die Basis der Industrie 4.0. Dabei sind sie eigentlich nur Handlungsmuster mit einer einfachen Programmierung: Willst du dieses Ziel erreichen, dann vollziehe folgende Handlung. Das machen wir Menschen auch, aber nicht immer gleich. Wir sind mal müde, haben mal einen schlechten Tag, machen Urlaub, werden krank. Algorithmen arbeiten immer auf gleichem Niveau, jeden Tag, vierundzwanzig Stunden lang.

Diese einfachen, aber entscheidenden Vorteile führen dazu, dass Algorithmen mittlerweile auch im zwischenmenschlichen Bereich eingesetzt werden. Robot Recruiting heißt es zum Beispiel, wenn Algorithmen Bewerbungen lesen und entscheiden, ob der Bewerber für die Stelle geeignet ist oder nicht. In den USA setzen schon heute über 90% aller Firmen auf automatisierte Bewerbungsverfahren. In Deutschland sind es bisher vor allem Technologieunternehmen, doch das Interesse steigt.

Peter Kolb ist Geschäftsführer der Allgäuer Firma LogOn Consulting. Mit seinem Recruiting-Algorithmus „EasyApply“ spielt er weltweit in der ersten Liga. Während man bei anderen Algorithmen häufig online Fragebögen ausfüllen muss, die den Bewerber oft schon beim kleinsten Schreibfehler gleich aussortieren, geht EasyApply nach einem Ampelssystem vor und gibt sogar Motivationsempfehlungen, wenn jemand nicht hundertprozentig passt. Peter Kolb ist sich sicher, dass das erst der Anfang ist.

"Die Tatsache, dass jemand für Jobs Bewerbungen optimiert, wird es nicht mehr geben. Also ich glaube dran, dass der Job Sie finden wird."

Peter Kolb LogOn Cosulting

Anders sieht es Michael Witt. Er hat jahrelange Erfahrung im Personalwesen, er weiß worauf es bei einer guten Bewerbung ankommt. Er sieht Algorithmen bestenfalls als Zusatzhilfe an. Er vertraut lieber auf seine Erfahrung und das Bauchgefühl. Denn schließlich arbeiten ja am Ende Menschen mit Menschen zusammen.

"Also für mich sind diese Techniktools so Assistenzsysteme, wie beim Auto. Die schaltet man ein, wenn man sie braucht […] oder sind immer im Hintergrund tätig und helfen einem bei der Wertschöpfung."

Michael Witt Personalexperte

Treffen wir also die falsche Entscheidung, wenn wir immer öfter Algorithmen dabei vertrauen, dass sie einen passenden Job für uns finden? Ein Algorithmus kann nicht beurteilen, ob sich ein Bewerber zum Beispiel bei der Gestaltung der Bewerbungsmappe Mühe gegeben hat. Aber was ist wenn der Personaler eine Person nicht mag, er Vorurteile hat und diese in seine Bewertung einfließen lässt?

Wir haben einen Test gewagt. Zwei fiktive und komplett unterschiedliche Bewerbungen auf ein und dieselbe Stelle. Mensch gegen Maschine. Wer entscheidet wie.


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