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Wohnungsnot im Studium Studierende gehen auf die Straße

Die Druck- und Medientechnik Studentin Melli braucht dringend eine kleine, bezahlbare Wohnung. Die zu finden, ist ein Ding der Unmöglichkeit, vor allem in einer Stadt wie München. Unter dem Motto "Münchner Mieten möglich machen" geht sie auf die Straße und fragt auf der Kundgebung bei Oberbürgermeister Dieter Reiter persönlich nach. Campus Magazin begleitet Melli.

Von: Lukas Hellbrügge

Stand: 11.05.2018

Als sie in ihre jetzige Wohnung eingezogen ist, hat sie noch Vollzeit gearbeitet. Jetzt studiert sie und die Wohnung ist eigentlich zu teuer für ihr knappes Studentenbudget. Schon für ihre jetzige Wohnung hat sie 11 Monate gesucht, schrieb hunderte Bewerbungen – und bekam genau eine Zusage.

"Ich bin wütend, weil ich nicht nachvollziehen kann, dass so eine gute Stadt wie München es nicht gebacken bekommt, günstige Wohnungen für Studierende bereitzustellen. Und zwar in einer Zahl, die angemessen ist  für so eine große Stadt."

Melanie Geigenberger, Studentin an der Hochschule München

So wie Melli geht es vielen Studierenden. Der Anspannungsindex des Moses Mendelssohn Instituts (MMI) beschreibt, wie es um den studentischen Wohnungsmarkt in 93 Hochschulstädten bestellt ist. Einsamer Spitzenreiter: die bayerische Landeshauptstadt. Auf den Plätzen dahinter landen Hamburg, Stuttgart, Köln und Frankfurt am Main. Auch bei den Mietpreisen setzt sich München deutlich ab: Hier zahlen Studierende durchschnittlich 570 Euro für ein WG-Zimmer – knapp 30 Prozent mehr als in Frankfurt am Main, das auf Platz 2 des Mietspiegels landet.

Studentin Melli, die sich auch bei der Gewerkschaftsjugend und den Jusos engagiert, ist deshalb aufgebracht. Sie will, dass die Politik endlich etwas tut – zum Beispiel, mehr Wohnheimplätze bauen  und den staatlichen Wohnungsbau stärken. "Münchner Mieten möglich machen" heißt die Kampagne, mit der sie und ihre Mitstreiter am 1. Mai 2018 erstmals auf die Straße gehen. Die Reaktion der etwa 5000 Besucher zeigt, dass das Thema allen unter den Nägeln brennt.

"Ich gehe auch oft auf die Straße, wenn ich nicht gerade persönlich betroffen bin, weil es mir wichtig ist. Aber in dem Fall bin ich da so persönlich betroffen, dass es gleich noch mehr Ansporn ist, das zu machen."

Melanie Geigenberger, Studentin an der Hochschule München

Auf der Demo spricht auch der Münchner Oberbürgermeister Dieter Reiter. Er räumt ein, dass die Frage nach bezahlbarem Wohnraum für Studierenden berechtigt sei – schiebt aber nach, dass die Antwort darauf von mehreren Seiten kommen müsse.

"Wir selber versuchen auch, das eine oder andere Studentenwohnheim wieder aufleben zu lassen; wir werden es versuchen bei den Krankenhausflächen, die wir noch haben. Also, die Antwort ist einfach: Alle Ebenen, Bund, Land und die Kommunen müssen mehr tun."

Dieter Reiter, Oberbürgermeister der Landeshauptstadt München

Im Münchner Feierwerk hat die DGB Jugend zu einer Austauschrunde geladen. Melli trifft sich auch mit Experten zum Thema Wohnen. Stephan Hadrava vom Jugendinformationszentrum berät junge Menschen in Wohnungsnot. In seinen Beratungen bekommt er mit, welche Blüten der Mietwahnsinn inzwischen trägt.

"Wir kriegen oft mit, dass Leute in Unter-Unter-Unter-Mietverhältnissen wohnen. Es gibt Leute, die ein Geschäft draus machen. Die mieten Wohnungen an, um dann zimmerweise zu vermieten. Die stellen dann zwei, drei Betten ins Zimmer und vermieten bettweise."

Stephan Hadrava, Jugendinformationszentrum München

Für Melli ist dieser Input nochmal mehr Ansporn, sich für mehr und bezahlbaren Wohnraum für Studierende einzusetzen. Vielleicht wird sie dann ja in Zukunft auch selbst eine günstigere Wohnung finden – um sich voll und ganz auf ihr Studium konzentrieren können.


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