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Karrieremotor Promotion Erfolgreicher Jobeinstieg mit Doktortitel

Endlich ist das Studium geschafft! Und die Note liegt unter 2.5! Jetzt noch promovieren?!! Nochmal drei bis fünf Jahre pauken – ohne eigenes Geld? Ist Promovieren Verschwenden von Energie und Lebenszeit – oder bringt es wirklich etwas für den Jobeinstieg? Mit Begeisterung und dem richtigen Thema kann die Doktorarbeit zum Karrieremotor werden.

Von: Elisabeth Mayer

Stand: 18.06.2018

Das Statistische Bundesamt meldet in Deutschland aktuell rund 200 000 Doktoranden an ca. 25 000 Lehrstühlen in Deutschland. Gut 100 000 kommen noch dazu, die extern promovieren. 47 Prozent von ihnen haben laut einer Befragung schon mehrfach überlegt, alles hinzuschmeißen. Einer der Hauptgründe: Zeitmangel.

Verena Kontschieder, Doktorandin an der TUM im Munich Center for Technology in Society

Wer die Begeisterung zum wissenschaftlichen Arbeiten nicht mitbringt, sollte sich definitiv fragen, warum er überhaupt promovieren möchte – da nur wirkliche Leidenschaft zum Erfolg führt, auch nach der Doktorarbeit. Während ihrer Promotion wird den Doktoranden einiges abverlangt – trotzdem hat sich ihre Anzahl in Deutschland verfünffacht – auch wenn Opfer zu bringen sind: viel Arbeit – wenig Geld, weiterhin „studentischer“ Lebensstandard, über weite Strecken einsames Forschen und übermäßig lange Arbeitstage im Labor oder Büro.

Doch: die Universitäten werben für noch mehr Doktoranden.

Eine Europäische Studie zeigt: es herrscht große Zufriedenheit z.B. mit der Promotion an der TU München. Denn: unter den befragten Promovierten der TUM herrscht Vollbeschäftigung. Sie sind auf dem Arbeitsmarkt so stark nachgefragt, dass 74 Prozent spätestens einen Monat nach Abschluss der Promotion in den Beruf einsteigen konnten. Davon tragen bereits rund 40 Prozent Personalverantwortung. Immer mehr Promovierende werden während ihrer Doktorarbeit in Graduiertenschulen betreut und gefördert. Wichtig ist das gute Zusammenspiel zwischen den Doktoranden und ihren Doktorvätern und Doktormüttern. Die Zeit des einsamen und vor sich hinarbeitenden Gelehrten a la Goethe´s Faust ist definitiv vorbei. Die Themen der Doktorarbeiten sind gesellschaftspolitischer geworden und verlangen nach Korrespondenz mit dem realen Leben. Mit ihren innovativen Ergebnissen tragen die Doktoranden in ihren Promotionen zu einer positiven Weiterentwicklung der nationalen und internationalen Gesellschaftsthemen bei.

Sven Olaf Rohr, Doktorand der Medizin an der LMU, München zusammen mit seinen Komilitonen in der Fachschaft

Auch bei den Medizinern, die bei anderen universitären Fachbereichen immer noch den Stempel einer kurzen und wenig wissenschaftlichen Promotion haben, herrscht Aufbruchstimmung – an der Ludwig-Maximilians-Universität in München wird gerade an einer neuen Promotionsordnung gearbeitet, die den Dr. med. qualitativ hochwertiger und wissenschaftlich aufwändiger werden läßt. Denn auch in der Medizin sollen sich für noch mehr Doktoranden neue Karrierewege öffnen - und für die Patienten die Medizinforschung schneller vorangetrieben werden.

Verena Kontschieder bespricht sich mit ihrem Doktorvater Prof. Sebastian Pfotenhauer

Verena Kontschieder ist eine Doktorandin der TU München. Für ihre Dissertation ist sie nicht nur international unterwegs und forscht an den Universitäten in Stanford und Paris, sondern arbeitet bereits an Projekten von EU-Kommissionen, dem Weltwirtschaftsforum in San Francisco und der Weltbank mit. Mit ihrer Doktorarbeit „ in a democracy of controlled experiments exploring the policy innovation design triangle in policy labs“ entwickelt und testet Verena neue Herangehensweisen, die Innovationen im öffentlichen Sektor voranbringen können. Ihre Promotion qualifiziert Verena für Topjobs in Politik und Wirtschaft weltweit. Niemals hätte sie diese Chance mit ihrem Wiener Master in Wirtschaft gehabt.

"In welcher Gesellschaft wollen wir sein? In welcher Gesellschaft wollen wir leben? In meiner Doktorarbeit schau ich mir an, wie wir heutzutage versuchen, Demokratie zu testen anstatt zu sagen, da ist das Regelwerk, das die EU-Kommission macht – und dann mit anderen Wegen Innovationen finden."

Verena Kontschieder, Doktorandin der TU München

Prof. Sebastian Pfotenhauer vom MCTS der TU München ist Verenas Doktorvater. Er sieht das gesellschaftliche Zusammenspiel und die Wechselwirkung von Forschungsarbeiten und einer innovativen Demokratie.

"Während einer Doktorarbeit ist die Gefahr von Depressionen, Burn Out und Prekariat gegeben. Doch versucht man heute – anders als vor 30 Jahren – die Doktoranden nicht mehr allein zu lassen. Gerade durch Projektarbeit gibt es einen größeren Austausch zwischen der Gesellschaft und den Wissenschaftlern."

Prof. Sebastian Pfotenhauer vom MCTS der TU München

Sven Olaf Rohr, Doktorand der Medizin an der LMU, München in der Theatergruppe der Medzinstudenten

Sven Olaf Rohr ist Doktorand der Medizin. Er studiert im 12. Semester Medizin an der Ludwig-Maximilians-Universität in München. Seit zwei Jahren promoviert er in der Multiple Sklerose Forschung. Darüber hinaus ist er aktiv in der Fachschaft, unterstützt Studierende und arbeitet mit an der neuen Promotionsordnung für Mediziner an der LMU. Mit seiner Dissertation möchte Sven Olaf testen, ob er als Wissenschaftler geeignet ist, sieht sich aber auch in der Praxis schon von Kindesbeinen an. Der ärztliche Versorgungsauftrag liegt ihm besonders am Herzen, die Promotion ist für ihn eine Zusatzqualifiikation.

"Durch die neue Promotionsordnung in Medizin soll für die Doktoranden maximale Sicherheit und maximale Freiheit gegeben sein. Möglichst viele Studierende sollen die Möglichkeit haben zu promovieren. In Heidelberg z.B. gibt es schon lange eine strukturierte Promotion mit einer Quote von fast 90 Prozent. Es muß sicher gestellt sein, dass der Dr.med. anerkannt bleibt und die Arbeit daran auch in den internationalen PHD mit einfließen kann."

Sven Olaf Rohr, Doktorand der Medizin an der LMU München

aus dem Münchner Uni Magazin, Zeitschrift für die Ludwig-Maximilians-Universität München


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