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Nachhaltige Mode Fair Fashion – Gut aussehen und Gutes tun

Studierende aus Deutschland und Holland engagieren sich für faire Kleidung. Eva, Marcella und Timo haben sich gefragt, was müssten sie tun, damit auch junge Leute mehr Interesse an fairer Kleidung haben? Ihre Idee: Sie wollen über Faire Mode informieren und es einfacher machen, faire Kleidung zu finden und zu kaufen. Dafür haben sie eine Webseite programmiert, die alle fair Trade Labels aufzeigt. Zuerst in Holland, jetzt auch in Deutschland.

Von: Annekathrin Wetzel

Stand: 24.10.2018

Durch Aufklärungsarbeit Bewusstsein schaffen

Die menschenunwürdigen Arbeitsbedingungen in der Textilindustrie haben die Studierenden nicht mehr losgelassen. Marcella Wijngaarden, inzwischen Doktorandin der Astrophysik, hat vor 3 Jahren mit ihrer Schwester Melissa und ihrer Mitbewohnerin Noor daraufhin überlegt: „Was können wir tun?“ Ihre erste Idee: „Wir müssen Bewusstsein schaffen für das Problem und einfache Lösungen anbieten.“ Daher stammt auch der Name „Ce Ce“, es ist die Abkürzung für „Counscious Clothing“ – Bewusste Kleidung.

Melissa Wijngaarden, Noor Veenhoven, Marcella Wijngaarden – Studentinnen der Universität Amsterdam

Ehrenamtlich, in ihrer Freizeit neben dem Studium haben sie recherchiert und angefangen selbst eine kleine Website über Faire Mode zu programmieren. Nach und nach ist die Website gewachsen und heute kann man auf ihr schnell und übersichtlich erfahren, was „Faire Mode“ ist, wer sie produziert und wo man sie kaufen kann.

Am Anfang haben sie es in ihren Netzwerken unter Studierenden und ihren Freunden geteilt. Gerade bei jungen Leuten, die hauptsächlich online shoppen, wollen sie das Bewusstsein für faire Arbeitsbedingungen schärfen, Missstände aufzeigen und Wege finden, die weg von „Fast Fashion“ und hin zu „Fair Fashion“ führen. Aufklärungsarbeit ist der Grundstein für eine Veränderung der Modeindustrie.

"Reichtum bedeutet heute nicht mehr das Privileg zu konsumieren, sondern es sollte das Privileg sein, verzichten zu können"

(Eva Straus, Master in Psychologie, 3. Semester, Universität Frankfurt)

Der wahre Preis

Wer von uns befürwortet Kinderarbeit? Wer von uns wäre damit einverstanden, dass Näherinnen verhungern, weil sie nur 3 Dollar am Tag verdienen und dieser Lohn nicht für ihre Kinder und sie zum Überleben ausreicht?

Doch diese Informationen erreichen uns nicht, wenn wir bei den bekannten Modemarken einkaufen. Die Produktion wird nicht offen gelegt, ja oft wissen sogar die Manager der westlichen Marken selbst nicht, wie es in den Textilfabriken ihrer Mittelsmänner tatsächlich aussieht.

Hintergrundinfos

Laut einer Statistik von 2014 der „Kampagne für Saubere Kleidung“ bekommen Textilarbeiter in Indien durchschnittlich rund 50 Dollar pro Monat, während eine vierköpfige Familie mindestens 200 Dollar zum Leben bräuchte. In Kambodscha verdienen sie 72 Dollar statt benötigter 285, in Indonesien 82 Dollar statt 266. Besonders extrem ist das Missverhältnis in Bangladesch. Dort verdient ein Beschäftigter weniger als 50 Dollar pro Monat, während das Minimum der familiären Lebenshaltungskosten auf etwa 260 Dollar taxiert wird.

Erst nach dem Einsturz der Textilfabrik in Bangladesch 2013, bei dem 1135 Menschen getötet und 2438 verletzt wurden, erreichten die schockierenden Informationen über die Arbeitsbedingungen auch nach und nach die westliche Welt. Seitdem machen sich Menschen weltweit stark und wollen dieses System verändern.

Umfangreiche Webseite zum Thema: https://cleanclothes.org

Dokumentarfilme zum Thema: 
WDR: 3 junge Blogger unterwegs in den Textilfabriken von Kambodscha

ZDF - Dokumentarfilm: „Wie Primar, H&M, Adidas, KiK & Co an der Ausbeutung der Textilarbeiterinnen in Bangladesh verdienen"

Das Project Cece möchte zeigen, dass Mode, die gut für Mensch, Tier und Umwelt ist, angemessen bezahlt werden muss.

"Es stimmt, dass fair produzierte Kleidung teurer ist als die billig Marken, wie z.B. H&M und viele andere. Doch wenn wir keinen angemessen Preis zahlen, bedeutet das, dass jemand anderes dafür zahlen muss, und das sind die Ärmsten der Armen. Wir können umdenken und lieber weniger kaufen, statt viel zu Dumping Preisen und in geringer Qualität."

(Marcella Wijngaarden, Doktorandin der Astrophysik, Universität Southampton England)

Die Project Cece Website hat jedes Kleidungsstück mit kleinen Labels versehen, die auf einem Blick verdeutlichen, in welchen von 5 Bereichen der Nachhaltigkeit das Kleidungsstsück hinein passt: “Umwelfreundlich”, “ Fairer Handel”, “Lokal Produziert”, “Unterstützung der lokalen Bevölkerung” und “tierfreundlich/ vegan”.

Ein Weg durch den Fair Trade Siegel Dschungel

Auch bietet Project Cece einen Weg durch den Siegel Dschungel. Da viele der Modemarken, die mit Project Cece zusammen arbeiten durch offizielle Siegel zertifiziert sind, wird jedes einzelne in einer eigenen Rubrik erklärt. Auch für Neulinge in der Welt der nachhaltigen Mode werden die Bedeutungen von GOTS, Fairtrade & Co. ganz einfach erklärt. Project Cece möchte uns durch diese Transparenz dafür sensibilisieren, was Nachhaltigkeit bedeutet und zeigen, dass modisch sein und Gutes tun ganz nah beieinander liegen kann.

"Es klingt vielleicht absurd, aber unser größter Wunsch wäre, dass es Project Cece überhaupt nicht mehr geben muss. Sondern dass es in allen Geschäften, Boutiquen und Online nur noch faire Mode zu kaufen gibt. Auf alle Fälle haben wir – die Käufer – viel in der Hand, das zu verändern."

(Marcella Wijngaarden, Doktorandin der Astrophysik, Universität Southampton England)

Links

Project CeCe: http://www.projectcece.com/de

Fair Trade Geschäft in München das mit Project Cece kooperiert: https://phasenreich.net


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