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SMILE Programm Neu-Dehli Reiche indische Studenten helfen armen Kindern

Wie lässt sich in Indien das Kastensystem überwinden? Die indische NGO Pravah leitet Studierende der oberen Kasten an Jugendlichen und Kindern der unteren Kasten zu helfen. Campus Magazin begleitete Tahir Hussain in die Slums von Neu-Dehli, wo er Kinder in Englisch unterrichtet.

Von: Johannes Reichart

Stand: 02.05.2018

Im Projekt SMILE der indischen Nichtregierungsorganisation Pravah unterstützen Studierende der oberen Kasten Jugendliche und Kinder der niederen Kasten. Das Projekt hinterlässt bei den Teilnehmern den Wunsch, die Kastengrenzen zu überwinden.

SMILE - Training für zivilgesellschaftliches Engagement

Beim SMILE-Projekt der indischen Organisation Pravah erhalten die Teilnehmer eine Art zivilgesellschaftliches Training: Die Studierenden lernen die sozialen Probleme ihrer Umgebung kennen und werden aktiv. Sich sozial für andere engagieren und dabei gleichzeitig die eigene Persönlichkeit weiterentwickeln, das ist das Konzept von SMILE. Arm und Reich liegen in Indien nah beieinander.

In Workshops und Seminaren tauschen sich die Studierenden untereinander aus und schließen Freundschaften. Die Teilnehmer der Workshops kommen aus reichern indischen Familien. Manche haben Armut noch nie aus der Nähe gesehen. Jetzt engagiert sich jeder in einem anderen Projekt: Sie einen unterrichten, andere besuchen Obdachlose oder kümmern sich um illegale Prostituierte. Die Organisation Pravah wird vom katholischen Hilfswerk Misereor aus Deutschland unterstützt.

Das Kastenwesen ist in Indien noch immer nicht überwunden

Wie alle Teilnehmer ist auch Tahir Hussain zu Beginn des Programms erst mal eingetaucht in eine für ihn zunächst fremde soziale Realität: Für einen Monat lebte er auf dem Land bei einer armen Bauernfamilie im Bundesstaat Uttarakhand im Norden Indiens im Himalaya. Dann fing er an, sich in den Slums von Delhi ehrenamtlich zu engagieren.

"Es macht was mit den Teilnehmern, wenn du etwas siehst, von dem du dachtest, es existiere gar nicht. Oder wenn eine Erfahrung deine Einstellung total verändert. Das erweitert den Horizont."

Suruchi Barua, Koordinatorin SMILE-Programm

Die Kinder in den Slums Indiens hungern auch nach Bildung

Es ist ein bisschen enger als in den eigenen vier Wänden: Tahir Hussain zwängt sich in einen sechs Quadratmeter kleinen Raum, der eher wie ein dunkles Loch ausschaut. Fünf wissbegierige Jugendliche sitzen vor ihm, Hefte und Bücher gezückt, der Nachhilfe-Unterricht geht los. Zweimal die Woche kommt Tahir in das Slum Govindpuri in Indiens Megastadt Neu-Delhi. Nur 70 Prozent aller Inder können Lesen und Schreiben, in den Slums ist es sogar nur jeder dritte Erwachsene. Zwar herrscht in Indien Schulpflicht, aber alle wohlhabenden Inder schicken ihre Kinder auf Privatschulen. An den staatlichen Schulen schaffen viele der armen Kinder den Abschluss nicht. Englisch können danach nur die wenigsten. Darum ist der Nachhilfeunterricht so wertvoll.

Als reicher Inder heraus aus der Komfortzone

Tahir ist  24 Jahre alt und kommt aus einer muslimischen Familie, die einer höheren Kaste angehört. Er ist behütet aufgewachsen. Ihm und seinem Bruder hat es nie an etwas gefehlt. Erst durch das SMILE-Programm hat er die andere Seite Indiens kennengelernt, die Armut in den Slums. Nach seinem Bachelor in Wirtschaftswissenschaften macht er nun den Master in Sozialer Arbeit. Die Einrücke bei den Armen Indiens haben ihn verändert. Vor allem stört ihn das indische Kastenwesen:

"Wir sind alle gleich, es sollte kein Kastensystem mehr geben, das ist menschengemacht. Ich will dieses System nicht mehr unterstützen. Die kommende Generation sollte jeden in der Gesellschaft integrieren."

Tahir Hussain

Das SMILE-Programm will die verschiedenen Schichten näher zusammenbringen und gleichzeitig Studierende wie Tahir in der persönlichen Entwicklung fördern. Die soziale Kluft zwischen Arm und Reich in Indien überwinden - diesem großen Ziel wollen die Teilnehmer des SMILE Projekts in Neu-Dehli ein kleines Stück näherkommen.

Mehr Infos über SMILE und andere Projekte der Organisation „Pravah“ gibt es hier:

Infos zum Hilfswerk Misereor gibt es hier:

Studierenden-Hilfsprojekte in Ausland:

Infos über die Entwicklungszusammenarbeit Deutschlands in Indien:


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