ARD-alpha - Campus


1

Tipps vom Coach Wie finde und kriege ich meinen Traumjob?

Walter Feichtner ist Gründer und Inhaber von Karrierecoach München. Im Gespräch mit dem Campus Magazin erklärt er, wie man am besten durch die Jobsuche nach dem Abschluss kommt.

Von: Florian Falzeder

Stand: 02.03.2018

Walter Feichtner, Gründer und Inhaber Karrierecoach München | Bild: BR

Herr Feichtner, so ein Bewerbungsprozess ist doch unglaublich zäh und es gibt Hunderte Tipps, die man gleichzeitig beachten muss. Kann man sich das nicht vereinfachen?

Man kann den ganzen Prozess grob in drei Phasen aufteilen. Erstens gibt es die Orientierungsphase – hier geht es darum, zu finden, was zu einem passt und wo es hingehen könnte –, zweitens die Suche nach passenden Jobs, und drittens die Bewerbung selbst. Mit diesen drei Phasen geht man den ganzen Prozess gut vorbereitet und durchdacht an, und zwar immer mit der Möglichkeit, etwas zu verändern und nachzujustieren, denn Zielsetzungen verändern sich.

Phase 1: Orientierung

Dann gehen wir doch mal die drei Phasen durch. Die erste, die Orientierungsphase, beginnt ja schon mit dem passenden Studium.

Natürlich kann man sich potenzielle Arbeitgeber suchen und dann den Studiengang oder die Ausbildung wählen, die zu diesen Jobs führen. Die meisten jungen Leute wissen aber noch nicht so genau, wo es hingehen soll, und sie sollten sich auch nicht schon zu früh festlegen. Schließlich kann es dann doch nicht mit dem Job klappen oder meine Interessen verändern sich mit der Zeit.

Wo fange ich an?

Aus meiner Sicht ist es am besten, zuerst einmal Ideen zu sammeln und sich verschiedene Alternativen zurechtzulegen. Auch in den Internetportalen kann man Jobs suchen, die einen ansprechen. Die packt man alle in die Liste und dann schaut man, was später ein interessanter Job sein könnte.

Also erstmal sammeln?

Ein Sammeln von Ideen: Zeitungen, Zeitschriften, im Internet wühlen, sich auch mal bei der Webseite der Arbeitsagentur die verschiedenen Berufsprofile anschauen, von verschiedenen Leuten Input holen, immer mit den beiden Fragen: Was passt zu mir und was ist interessant für mich?

Also: Was kann ich und was will ich?

Genau. Die ideale Voraussetzung wäre, wenn beides zusammenpasst. Und beides entwickelt sich natürlich mit der Zeit. In einer späteren Bewerbung ist insgesamt entscheidend, was ich alles gemacht habe; nicht nur von der theoretischen Seite, vom Studium her, sondern auch, welche Erfahrungen ich nebenbei sammeln und wie ich meine Persönlichkeit entwickeln konnte.

Was heißt “Persönlichkeit” in diesem Fall?

Es geht darum, welche Fähigkeiten wir in uns haben und wie wir diese weiterentwickeln. Der eine ist eher ruhiger, der andere ein bisschen offener oder forscher, wie er an Sachen rangeht. Der eine ist der analytische, der andere der spontane Typ. Somit ist es wichtig, die Fähigkeiten zu entwickeln, die man hat, aber auch die, die man für seine weitere berufliche Planung nutzen kann. So wird man immer besser, so kann man an sich arbeiten. Dabei soll man sich auch Feedback von anderen Leuten holen oder Projekte nutzen, um diese Fähigkeiten zu vertiefen.

Wie geht das konkret?

Das fängt schon in der Schule an, wo ich in der Schülerzeitung arbeiten oder als Klassensprecher aktiv sein kann. So geht es auch weiter. Wer im Studium aktiv ist, in Hochschulgruppen Mitglied ist oder auch Projekte während des Studiums macht, einen Nebenjob hat, der sammelt Erfahrungen. Praktika und Werkstudententätigkeiten sind auch nochmal eine super Chance, Know-how zu erwerben und sich beweisen zu dürfen und so die wichtigen Skills zu erwerben.

Phase 2: Jobsuche

Gehen wir über zur zweiten Phase, zur konkreten Jobsuche: Jetzt habe ich mir meine Interessen angeschaut, mir Wege skizziert und an mir gearbeitet, und studiert mit heißem Bemühen, bis zum Abschluss. Dann schaue ich mir den Arbeitsmarkt an und muss feststellen, dass erstmal niemand auf mich wartet. Was ist da los?

Tja, nach dem Studienabschluss den passenden Job zu finden, ist gar nicht so einfach. Das gilt eigentlich für alle Studiengänge.

Ein Studium ist einfach keine Berufsausbildung.

Ein Studium alleine ist sicher noch kein Jobprofil. Diese sind generell sehr unterschiedlich. Wenn wir uns Stellenanzeigen und die Anforderungen anschauen, sehen wir: Welcher Background ist erwünscht? Passen meine Eignung und meine Interessen? Das Interesse ist übrigens mindestens genauso wichtig wie die Eignung. Und je besser beides – also Interesse und Eignung – zusammenpasst, desto besser für meinen Bewerbungsprozess.

Gut, das wäre schon Phase drei. Aber wie finde ich davor den passenden Job?

Wenn ich in der Suchphase bin, habe ich meine Profile, die in Frage kommen, definiert. Dann muss ich sehr gut überlegen: Wie komme ich an die Jobs ran? Heutzutage setzen sehr viele Menschen rein auf Stellenanzeigen in Zeitungen, Zeitschriften oder Online-Jobbörsen.

Ist das nicht gut?

Doch, aus meiner Sicht ist das ein sehr guter Weg, weil ich dann auch diese Profile habe und weiß, was von der anderen Seite gefordert ist. Man sollte aber wirklich auch den Mut aufbringen, sich initiativ zu bewerben. Bei Initiativbewerbungen ist die Konkurrenz deutlich geringer, weil ich selbst auf den Anderen zugehe und es nicht 100 oder 200 andere Leute gibt, die sich auch bewerben.

Was gibt es noch für Möglichkeiten?

Man kann natürlich auch Veranstaltungen wie Jobmessen nutzen, um sich umzuschauen, ersten Kontakt zu Unternehmen zu knüpfen oder sich inspirieren zu lassen. Und in der heutigen Zeit ist es auch ganz wichtig, die neuen Medien, die sogenannten Social Media, zu nutzen – Facebook, Xing und LinkedIn – dabei aber vor allem die Business-Portale Xing und LinkedIn.

Weil man auf Facebook eher die Party-Fotos teilt, oder?

Das ist bei Facebook die Gefahr, dass dort nicht nur die Dinge gefunden werden, die gut rüberkommen. Somit ist es immer wieder sinnvoll, zu recherchieren, was ich über mich selbst im Internet finde. Außerdem kann man bei den Business-Networks auch selbst Leute anschreiben, und auch gefunden werden. Ein gutes Profil weckt immer Interesse.

Was muss ich bei meinem Profil beachten?

Und aus meiner Sicht ist entscheidend, die richtigen Keywords reinzupacken. Darüber kommt der Andere auf mich. Ein professionelles Bewerbungsfoto sollte hochgeladen sein. Und, wie beim Lebenslauf, sollte das Profil gut strukturiert sein.

Und was ist mit Jobs, die unter der Hand vergeben werden?

Ungefähr jeder dritte Job entsteht über Vitamin B. Wenn ich eine gute Beziehung zu jemandem, eine gute Referenz habe, sind meine Chancen deutlich größer, weil wir hier schon einen Schritt weiter sind und vielleicht gar nicht mehr in den offiziellen Bewerbungsprozess rein müssen.

Ist es da gut, in dieser Phase mehrgleisig zu fahren und verschiedene Interessen und Strategien zu verfolgen?

Das ist aus meiner Sicht sehr gut, weil man verschiedene Ideen in sich hat. Es gibt nicht nur den einen Job, der genau der richtige ist, sondern immer verschiedene Optionen, die passen und die in unterschiedliche Richtungen gehen können. Mein Tipp ist, sich nicht sofort zu sehr festzulegen, sondern verschiedene Wege zu definieren. Die dürfen sogar relativ weit auseinandergehen.

Phase 3: Bewerbung

Dann gehen wir zur dritten Phase, zur eigentlichen Bewerbung. Da muss ich mich doch einfach nur verdammt gut verkaufen können…

Im heutigen Bewerbungsprozess ist es sicher noch wichtiger geworden, Selbst-Marketing zu betreiben, nach dem Motto: ein Mix aus Show und Authentizität. Es ist sehr wichtig, sich nicht zu verstellen und trotzdem ein bisschen Show zu bieten, ein bisschen „posen“ müssen wir im Bewerbungsprozess. Wir sollten unsere Fähigkeiten kennen und darüber sprechen, auch mit Stolz auf uns selbst diese Fähigkeiten ins Spiel bringen. Der Andere ist nicht derjenige, der das sofort erkennt. Wir müssen ihm das unter die Nase reiben, was wir zu bieten haben, und uns nicht aus der Nase ziehen lassen.

Erst im Bewerbungsgespräch oder schon vorher, mit meinen Unterlagen?

Auch wenn es an sich ein dummer Spruch ist, er passt hier: Für den ersten Eindruck gibt es keine zweite Chance. Schon in meinen Bewerbungsunterlagen muss ich schnell und prägnant rüberzubringen, wer ich bin, was ich zu bieten habe und welchen Nutzen der Andere von mir hat. Ich muss also die Dinge schön aufbauen und strukturiert anbieten.

Also einen gut strukturierten, durchdachten und nicht überladenen Lebenslauf, der eindeutig zeigt, warum ich für genau diesen Job der Richtige bin.

Außerdem ist in der heutigen Zeit fast unabdingbar, ein Deckblatt zu haben, einerseits mit einem schönen, professionellen und aktuellen Bewerbungsfoto im Business-Look, andererseits mit einem kurzen Profil mit meinen wichtigsten Kernkompetenzen. Hier geht es um meinen Hintergrund, meine Erfahrungen, meine Fach- und meine persönlichen Kompetenzen. Die bringe ich mit sechs oder sieben Stichpunkten auf das Deckblatt und mache so den Anderen heiß auf mich.

Und wo hilft ein Coach wirklich?

Jetzt haben Sie mir alle Ihre Geheimnisse verraten, im Netz und in Ratgebern finde ich viele Informationen… Warum soll ich noch zu Ihnen kommen?

Sich zu informieren ist sehr wichtig, aber Übung macht den Meister. Und wenn man jemand Unabhängigen hat, der den Karrieremarkt kennt, der gute Ideen hat, wie man das, was man kann, auch gut rüberbringt und weiß, wie die andere Seite tickt, hilft das. Und bei der Vorbereitung auf ein Vorstellungsgespräch ist das gute Buch sicher nicht die Lösung, sondern das Training: zu üben und damit die Sicherheit zu haben, so etwas schon mal selbst gemacht zu haben.

Und da ist jemand, der unabhängig ist, besser als Mama oder Papa?

Aus meiner Sicht ja, weil die Akzeptanz deutlich größer ist, wenn das Feedback von jemandem kommt, der nicht der Freund oder die Freundin oder ein Elternteil ist. Ein Coach hat einen gewissen Expertenstatus, man glaubt ihm also auch leichter und weiß, dass er sinnvolle Tipps gibt. Aus meiner Erfahrung nimmt man solche Anregungen leichter an. Trotzdem ist die andere Variante genauso wichtig, man sollte beides machen.

Sie sagen aber im Gegensatz zu den Eltern nicht: Für mich bist du bist was ganz Besonderes und schaffst alles, was du dir vornimmst?

Zum Teil muss ich natürlich schon sehr motivierend auf meine Kunden einwirken. Ich muss ihnen zeigen, dass sie was können, dass man ihnen mit großer Wahrscheinlichkeit eine gute Job-Chance geben wird. Weil wenn ich nicht motivierend auf die Leute einwirke, wird auch das Selbstvertrauen nicht groß genug sein. Ich bin da schon sehr positiv, aber auch kritisch. Mir ist es wichtig, dass wir Dinge entwickeln, darauf achten, was wir verbessern können und eine gute Story parat haben. Der mündige und aktive Bewerber wird einen deutlich besseren Eindruck hinterlassen als der reaktive Bewerber, der sich nur abchecken lässt.

Herr Feichtner, vielen Dank für das Gespräch.


1