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Interview "Burschenschaftler finden in der AfD eine neue Heimat!"

Dr. Alexandra Kurth, Politikwissenschaftlerin an der Uni Gießen, beschäftigt sich seit Jahren mit rechtsextremen Burschenschaftern. Die AfD, sagt sie – sehen viele als Chance und als politische Plattform, über die sie Einfluss nehmen wollen.

Von: Fabian Mader

Stand: 11.05.2016

Alexandra Kurth, Justus-Liebig-Universität Gießen | Bild: BR

Campus Magazin: Frau Kurth, warum beschäftigen Sie sich mit rechtsextremen Burschenschaften?

 "Ich habe Anfang der 90er Jahre in Marburg studiert, da waren Burschenschaften ein großes Thema, weil das Wartburgjubiläum anstand. Einige Burschenschafter hatten im Vorlauf ein Treffen auf der Wartburg gemacht. Einer der Redner hat dort das Vierte Reich gefordert. Das war etwas, dass ich mir damals nicht hätte vorstellen können."

CM: Einige Burschenschaften werden ja tatsächlich auch vom Verfassungsschutz überwacht, weil sie möglicherweise rechtsextrem sind. Welche Auffassungen gibt es unter besonders konservativen Burschenschaftern?

"In der Deutschen Burschenschaft (Anm. der Redaktion: Der Verband der besonders rechtskonservativen Burschenschaften) gibt es seit Jahren Debatten um die deutschen Grenzen. Viele träumen von einer Art Großdeutschland und sehen mindestens Österreich als Teil der deutschen Nation. Außerdem wollen sie zum Abstammungsprinzip zurück. Das heißt: In dieser Lesart ist Deutscher nur derjenige, der deutsche Vorfahren hat. Das gilt bereits bei der Aufnahme in Burschenschaften: In einigen dürfen beispielsweise Deutsche mit Migrationshintergrund kein Mitglied werden."

CM: In Österreich gibt es einen lebhaften Austausch zwischen der rechtspopulistischen FPÖ und Burschenschaften – dort ist jeder dritte FPÖ-Abgeordnete Mitglied einer Burschenschaft. Ist eine solche Zusammenarbeit auch in Deutschland denkbar?


"Grundsätzlich finden sich Burschenschafter in fast allen politischen Parteien. Aber es ist schon so, dass sich gegenwärtig auffallend viele in der AfD engagieren, weil sie dort eine neue politische Heimat gefunden haben und für sich die Chance nutzen wollen, auf unsere Republik einzuwirken. Und die stellen sie sich anders vor, als die jetzige BRD."

CM: Wie erfolgreich können Burschenschafter in der Politik sein?

 "Sie können erfolgreich sein, weil sie über lange erprobte Seilschaften und Netzwerke verfügen. In Österreich sind rechte Burschenschafter, aber auch rechte Corpsmitglieder ziemlich erfolgreich in der FPÖ. Mit Norbert Hofer könnte ein rechter Burschenschafter für die FPÖ am 22. Mai Bundespräsident in Österreich werden. Generell fühlen sich die rechten Kräfte gerade im Aufwind, da sind viele Dämme gebrochen. Das betrifft nicht nur Burschenschafter, sondern auch die identitäre Bewegung und andere rechte Strömungen europaweit."

  


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