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Finanzierung innovativer Projekte How To Crowdfunding?

Der Name ist Programm: Crowd, das bedeutet „Menschenmenge“ und „Funding“ heißt Finanzierung. Im Deutschen sagt man auch „Schwarmfinanzierung“. Wenn sehr viele Personen jeweils einen kleinen Betrag spenden, kommen unter Umständen beträchtliche Summen zusammen. Wie funktioniert Crowdfunding genau und wer ist berechtigt, so eine Sammelaktion zu starten? Hat man auch schon als Studentin oder Student die Möglichkeit dazu, wenn man zwar eine überzeugende Vision, aber noch nicht das nötige Kleingeld für deren Umsetzung hat?

Von: Anna-Louise Bath

Stand: 25.05.2020

Was ist Crowdfunding?

Der Name ist Programm: Crowd, das bedeutet „Menschenmenge“ und „Funding“ heißt Finanzierung. Im Deutschen sagt man auch „Schwarmfinanzierung“. Wenn sehr viele Personen jeweils einen kleinen Betrag spenden.

Crowdfunding wird vor allem gern von Startups, aber auch anderen Unternehmen, Künstlern und Privatpersonen genutzt. Es ist eine alternative Finanzierungsform, die in den letzten zehn Jahren immer beliebter wurde. Die Gründer präsentieren online ihr Projekt und veranschlagen ein Fundingziel, das innerhalb eines bestimmten Zeitraumes erreicht werden soll. Nur wenn die erwünschte Summe auch tatsächlich durch ausreichende Zuschüsse, die jeder in dieser Zeit dem Projekt per Klick geben kann, vollständig erreicht wird, bucht der Plattformbetreiber die Beträge auch tatsächlich ab. Und überweist sie dem Gründer abzüglich der Gebühren als Investitionskapital. Wenn das Fundingziel nicht oder nur knapp nicht erreicht wurde, erhält dieser kein Geld.

Für die Crowdfunding-Berater Sven Rens und Stephanie Bjarnason kann man als Unternehmer trotzdem in jedem Fall von der Kampagne profitieren:

"Eine Crowdfunding-Kampagne kann man mit sehr wenig Eigenkapital starten. Und erstmal sozusagen den „Proof of Concept“ aufsetzen. Mit sehr viel Eigenleistung kann man mit wenig Geld das Video drehen, es zusammenschneiden und online stellen - mit der jeweiligen Beschreibung des Projekts und des Gründerteams und der Idee. Und falls das nicht klappen sollte, ist es ein sehr günstiger Weg, zu scheitern."

 (Sven Rens)

Weil man lediglich Zeit, aber noch nicht viel Geld investiert hat. Garantiert jedoch ist eine Lernerfahrung: Wenn die Kampagne nicht genügend Menschen überzeugen konnte, hat das in der Regel einen oder mehrere konkrete Gründe. Um diese herauszufinden, liefert die Crowd, die hier stellvertretend für die zukünftige Zielgruppe die Rolle von „Produkttestern“ einnimmt, wichtiges Feedback. So kann man anschließend die Marketingstrategie oder das Produkt selbst verbessern. Und zwar, noch bevor man damit in den Markt geht, und damit „wirklich“ scheitern könnte.

Vorbereitung einer Crowdfunding-Kampagne

Um sich bzw. sein Projekt auf einer Crowdfunding-Plattform anzumelden, muss man UnternehmerIn sein. Ob Einzelunternehmer oder Gründerteam mit Personengesellschaft oder GmbH – bei der Wahl der entsprechenden Rechtsform sollte man gut beraten sein. Und weil die Gründungsformalitäten unter Umständen mit langen Wartezeiten verbunden sind, sollte vor dem erwünschten Kampagnenstart dafür ausreichend Zeit eingeplant werden.

Auch die weitere Vorbereitung ist zeitintensiv. Die geplante Kampagnenlaufzeit mal 2 gerechnet ergibt in der Regel die benötigte Vorbereitungszeit vor dem Kampagnenstart. Insgesamt sind die folgenden Schritte erforderlich:

  1. Erste Voraussetzung ist die Firmengründung. Ja nach Rechtsform braucht man mindestens eine Geschäftsadresse und eine Steuer-Identifikationsnummer.
  2. Auch eine Steuerberatung sollte man sich frühzeitig einholen, um die anfallenden Steuern in die Planung miteinzubeziehen.
  3. Als Gegenleistung für die jeweilige Spende erhalten die Geldgeber verschiedene „Dankeschöns“. Man sollte vor der weiteren Planung entscheiden, welche man anbieten möchte.
  4. Erst dann kann man detailliert kalkulieren, welche Summe man abzüglich Steuern und Gebühren insgesamt für das Projekt benötigt und als Fundingziel veranschlagen möchte. Sich nicht zu hohe Fundingziele zu setzen, mindert das Risiko, dass sie nicht erreicht werden.
  5. Eine Crowdfunding-Kampagne erfordert möglichst vielfältige Werbemaßnahmen planen. Die sollte man rechtzeitig planen. Auch mit der Umsetzung sollte man möglichst schon vor dem Kampagnenstart beginnen. Denn es dauert, bis Menschen auf Werbung reagieren.
  6. Besonders wichtig ist das Präsentationsvideo. Denn die meisten potenziellen Unterstützer sehen das als erstes an. Und entscheiden anschließend, ob sie sich weiter mit dem Projekt beschäftigen.
  7. Schließlich kann die Kampagnen-Seite auf der Crowdfunding-Plattform befüllt werden: Mit dem Video, mit Fotos vom Team und vom Produkt, sowie mit Texten zu Projektbegründung und Zielvorstellung.
  8. Vor der Freischaltung muss die Seite dann noch zur „Review“: Sie wird durch die Plattformbetreiber geprüft, etwa auf Inhalte mit Sex oder Alkohol.
  9. Erst wenn diese positiv ausfällt, kann man die Kampagne freischalten.

Die Wahl der richtigen Plattform

Knowunity Startnext Page

Ausschlaggebend bei der Auswahl der Crowdfunding-Plattform ist zunächst die Art und Beschaffenheit des Projekts. In manchen Fällen eignen sich spezielle Plattformen, wie etwa die auf Lebensmittel spezialisierte „Erzeugerwelt.de“ oder die Wissenschafts-Plattform „Sciencestarter“, eine Partner-Page der größten deutschsprachigen Crowdfunding-Seite „Startnext“, die Projekte aus allen Bereichen präsentiert. Große Plattformen verfügen über den Vorteil großer Reichweite, wie das größte internationale Portal „Kickstarter“ aus den USA, das auf kreative Medien- oder Kulturprojekte spezialisiert ist oder die zweitgrößte weltweite Plattform „Indiegogo“ für Entrepreneurship. Für ein lokales Geschäft oder Restaurant eignen sich hingegen lokale Plattformen wie z.B. „99 Funken“, eine Initiative regionaler Sparkassen oder „Nordstarter“ für Kreative aus Hamburg.

Die Gründer Lars, Benny und Julian aus Sindelfingen, die im November 2019 eine Crowdfunding-Kampagne für ihre Lernapp-Erfindung „Knowunity“ gestartet haben, richten sich damit an deutschsprachige Schüler und wollen dementsprechend ihr Produkt in deutscher Sprache präsentieren. Diese Tatsache und ein weiteres Auswahlkriterium bestimmte ihre Entscheidung für „Startnext“:

"Eine zweite Überlegung für ein Produkt, zum Beispiel für eine App wie Knowunity, ist die Frage: ist die Plattform auch am Handy gut erreichbar? Hat die Plattform eine eigene App? Und ist dieses Design auf dem Handy gut lesbar? Oder ist es eher eine Plattform, die am Computer und auf einem größeren, breiteren Bildschirm besser geeignet ist – beziehungsweise: Wo sind die User? Für ein Offline-Projekt – wir hatten das Beispiel von einem Restaurant oder einem Café, das sehr lokal ist – ist es vielleicht weniger notwendig, dass man es direkt vom Handy aus unterstützen kann."

(Stephanie Bjarnason)

Julian ist Student, Benny bereitet sich gerade aufs Abi vor, Lars hat es kürzlich absolviert. Sie haben alle viel um die Ohren, denn in der Ausbildung kann man sich nicht rund um die Uhr um eine Crowdfunding-Kampagne kümmern. Ist Crowdfunding trotzdem auch nebenbei machbar?

"Wir haben schon alle gemerkt, dass es sehr intensiv ist. Und man sich seine Zeit sehr gut einteilen muss. Bisher kriegen wir es aber tatsächlich alles sehr gut hin, trotz der Studien und Hobbies, die wir so haben, das ganze unter einen Hut zu bringen."

(Lars Lins)

Tipps für eine erfolgreiche Kampagne

Wenn die Kampagne erst einmal läuft – im Fall von Knowunity 45 Tage lang – heißt das nicht, dass alle Arbeit erledigt ist und man tatenlos den Ausgang der Kampagne abwarten muss. Denn gerade jetzt empfiehlt es sich, die Kampagne möglichst aktiv durch vielfältige Werbemaßnahmen zu unterstützen.

"Multichannel-Marketing ist heutzutage sehr wichtig. Über alle möglichen Kommunikationskanäle versuchen, seine Kunden zu erreichen, ist empfehlenswert und sehr sinnvoll. Wer selber sehr aktiv ist, hat da große Vorteile. Der kann sehr viel Publicity erzeugen und Marketingansätze online bringen, indem man da sehr aktiv und täglich dran arbeitet. Man braucht aber auch sehr viel Zeit. Man muss bereit sein, diese Zeit zu investieren."

(Sven Rens)

Lars, Benny und Julian haben hierzu vor allem Google, Instagram und Facebook genutzt, aber auch viele Menschen persönlich angesprochen. Obwohl es sich um ein digitales Produkt handelt, erzielten sie durch letzteres die besten Ergebnisse:

"Das bedeutet, man konnte mit den Menschen darüber sprechen. Sie haben dann schon Interesse gezeigt, haben das wahrscheinlich auch anderen erzählt. Online kann man das auch zum Teil sehr gut auswerten anhand der Klicks, die bei den Visits entstehen. Aber wir glauben auf jeden Fall, dass das physische Marketing uns mehr gebracht hat."

(Lars Lins)

Nicht unterkriegen lassen

Angesichts der Corona-Krise wurde der Produktlaunch von Knowunity auf den Start des nächsten Schuljahres im September 2020 verschoben. Ursprünglich geplant war, die App schon im Frühjahr auf den Markt zu bringen. Doch angesichts der temporären Schulschließungen rechnen die Erfinder derzeit mit weniger Nachfrage nach einem Lernhilfeprogramm, welches sich am regulären Lehrplan orientiert. Für den allgemeinen Erfolg des Unternehmens jedoch sehen die Gründer in der Corona-Krise kein Hindernis. Schließlich habe man dadurch nun mehr Zeit dazugewonnen, um die Vermarktung der App mithilfe der Lernerfahrung aus der Crowdfunding-Kampagne noch besser vorzubereiten.

Weitere Infos zum Thema Crowdfunding von Svens Rens und Stephanie Bjarnason:

Stephanie Bjarnason und Sven Rens haben das monatliche Meetup „Wake up, Crowd“ gegründet, bei dem Crowdfunding-Interessierte und Crowdfunder mit laufenden Kampagnen im Münchner Café Bla gemeinsam ihre Projekte besprechen. Und dabei von den Experten wichtige Tipps zum erfolgreichen Umgang mit Crowdfunding erhalten:


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