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Prof. Dr. Helmut Heit Gutes Leben und die normative Kraft des Möglichen

Ist es vernünftig, das Glück auf dem Weg der Tugend zu suchen, oder ist es nicht vernünftiger die Welt der Fakten zu erkennen und so zu beeinflussen, wie es dem eigenen Glück dienlich ist? Darüber spricht Dr. Helmut Heit in Campus Talks.

Stand: 12.10.2020

Die Frage nach dem guten Leben ist so alt wie die Philosophie selbst, wenn nicht älter. Dennoch kann man bei diesem Themenfeld in der akademischen Philosophie seit geraumer Zeit eine gewisse Verzagtheit beobachten. Ist die Philosophie als eine Wissenschaft vom Grundsätzlichen und Allgemeinen überhaupt noch für eine so private Frage zuständig? Besonders in den modernen individualisierten Gesellschaften kann man höchstens sagen, dass jede und jeder nach seiner oder ihrer Façon glücklich werden muss. Dabei hängt das gute Leben bei weitem nicht bloß von der eigenen Gestaltung ab. Darüber, wie man diese äußeren Faktoren jenseits von Wohlstand und anderem gestalten sollte, herrscht Unklarheit. Für das Fehlen einer übergreifenden kulturellen Orientierungsgröße hat Nietzsche die Phrase vom Tod Gottes verwendet. Wenn man diese Diagnose ernst nimmt, wird auch die mutmaßliche innere Verbindung von Vernunft, Tugend und Glück fragwürdig. Ist es vernünftig, auf dem Weg der Tugend das Glück zu suchen, oder lehrt nicht vielmehr die Vernunft, die Welt der Fakten zu erkennen und so zu beeinflussen, wie es dem eigenen Glück dienlich ist? Oder gibt es neben der normativen Kraft des Faktischen auch eine normative Kraft des Möglichen? Über diese Fragen spricht Dr. Helmut Heit in seinem Vortrag bei den Campus Talks.

Vita:

Prof. Dr. Helmut Heit ist Leiter des Kolleg Friedrich Nietzsche an der Klassik Stiftung Weimar. Zuvor war er von 2015 bis 2018 Vize-Direktor der Akademie für Europäische Kulturen an der Tongji-Universität in Shanghai, wo er noch immer als assoziierter Professor für europäische Philosophie tätig ist. Nach dem Studium von Philosophie und Politischer Wissenschaft in Hannover, Melbourne und Berlin wurde er 2003 in Hannover mit einer Arbeit über die Entstehung von Philosophie in der griechischen Antike promoviert. Danach arbeitete er in Hannover, San Diego und Berlin, wo er sich als wissenschaftlicher Projektleiter an der Technischen Universität Berlin mit Nietzsches Wissenschafts- und Kulturkritik beschäftigte (2007-14). Daneben vertrat er 2010 eine Professur in Hannover und wirkte als Dozent für Wirtschaft und Gesellschaft an der Munich Business School (2011-15). Forschungsaufenthalte führten ihn 2012-13 an das Institute for Advanced Study in Princeton und an die Universidade Federal de Pelotas (2014-15)

Helmut Heit interessiert sich für die westliche Tradition, ihre griechischen Anfänge, ihren theoretischen Optimismus und ihre praktischen Krisen. Dazu beschäftigt er sich hauptsächlich mit Kultur-, Wissenschafts- und Sozialphilosophie, mit Nietzsche und mit der kritischen Theorie. Zu seinen Publikationen gehören Die Werte Europas. Verfassungspatriotismus und Wertegemeinschaft in der EU? (ed. 2005), Der Ursprungsmythos der Vernunft. Zur philosophiehistorischen Genealogie des griechischen Wunders (2007), Paul Feyerabend: Naturphilosophie (ed. 2009), Grundwissen Philosophie: Frühgriechische Philosophie (2011), Nietzsches Wissenschaftsphilosophie. Aktualität, Rezeption und Hintergründe (ed. 2012) und Nietzsche als Kritiker und Denker der Transformation (2016).

Seit 2017 ist Helmut Heit Mitherausgeber der internationalen Zeitschrift Nietzsche-Studien.

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